Aids-Prozess gegen Ausländer

26. Juli 2007, 14:22
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Fünf bulgarische Krankenschwestern und ein Palästinenser bereits 2004 zum Tode verurteilt

Tripolis - In dem in Libyen neu aufgerollten Aids-Prozess gegen sechs ausländische Krankenhausmitarbeiter wird am Dienstag ein Urteil erwartet. Fünf bulgarischen Krankenschwestern und einem palästinensischen Arzt wird vorgeworfen, mehr als 400 libysche Kinder absichtlich mit dem Aids auslösenden HI-Virus infiziert zu haben. Ihnen droht die Todesstrafe durch Erschießen. Im Folgenden eine Chronik der bisherigen Entwicklung:

  • Februar 1999: 19 in Libyen beschäftigte Krankenhausmitarbeiter aus Bulgarien werden nach Ermittlungen zu HIV-Infektionen festgenommen. Später werden 13 von ihnen wieder freigelassen.

  • Februar 2000: Der Prozess gegen die sechs bulgarischen Krankenhausmitarbeiter sowie einen palästinensischen Arzt und neun Libyer beginnt. Ihnen wird vorgeworfen, die Kinder wissentlich mit HIV-verseuchten Blutkonserven infiziert zu haben. Die Libyer werden wegen Fahrlässigkeit angeklagt.

  • 3. September 2003: Der französische Arzt Luc Montagnier sagt aus, die Aids-Epidemie sei bereits ein Jahr vor Ankunft der Bulgaren ausgebrochen.

  • 8. September 2003: Die libysche Staatsanwaltschaft fordert Todesurteile für die sechs Bulgaren sowie den Palästinenser. Gleichzeitig werden neun libysche Polizisten beschuldigt, die Angeklagten gefoltert zu haben. Ihnen soll getrennt der Prozess gemacht werden.

  • 6. Mai 2004: Ein libysches Gericht verurteilt fünf bulgarische Krankenschwestern und den palästinensischen Arzt zum Tode. Ein bulgarischer Arzt wird freigesprochen.

  • 7. Juni 2005: In dem Folterprozess spricht ein Gericht in der Hauptstadt Tripolis die neun libyschen Polizisten frei.

  • 25. Dezember 2005: Das Oberste Gericht hebt das Todesurteil gegen die Ausländer auf und verweist den Fall zurück an ein untergeordnetes Gericht.

  • 21. Jänner 2006: Familien der infizierten Kinder verlangen Entschädigungszahlungen von insgesamt 4,4 Milliarden Euro, um das ins Stocken geratene Verfahren zu beenden.

  • 4. Juli 2006: In dem neu aufgerollten Verfahren weisen die Angeklagten die Anschuldigungen erneut zurück.

  • 6. Dezember 2006: Internationale Wissenschaftler verfolgen den Ursprung des HI-Virus, mit dem die Kinder infiziert sind. Sie weisen nach, dass der spezielle Virusstrang bereits vor der Ankunft der ausländischen Mediziner verbreitet war. (APA/Reuters)
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