Windows-2000-UserInnen wird eingeheizt

24. April 2007, 15:39
92 Postings

Microsoft dreht die Schrauben enger und will seine KundInnen zum Umsteig auf Vista und Co. bewegen

Der Beginn der Auslieferung der potenziellen neuen Cashcows von Microsoft, so etwa Windows Vista oder Office 2007, setzt einige AnwenderInnen ordentlich unter Druck. Wie einem Artikel von InformationWeek zu entnehmen ist, werden es Windows-2000-UserInnen nicht leicht haben, ihrem Betriebssystem weiterhin die Treue zu halten.

Microsoft erhöht den Druck

Der Softwarekonzern Microsoft erhöht nun den Druck, um so seine KundInnen zum Wechsel auf die neuen Plattformen zu animieren. Ein erster Schritt ist etwa, dass sich sowohl Office 2007 wie auch die Software für den gehypten Musikplayer "Zune" nicht unter Windows 2000 installieren lassen. Auch kommende Produkte werden immer häufiger keine Unterstützung für Windows 2000 mehr aufweisen.

Echte Probleme

Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang nun aber stellt ist, ob die mangelnde Unterstützung von Windows 2000 immer nur eine Frage der technischen Unrealisierbarkeit ist oder ob auch andere - wirtschaftliche - Gründe im Mittelpunkt der Strategie von Microsoft stehen. Der Autor des Artikels stellt die Frage in den Raum, ob es wirklich, so wie Microsoft es gerne darstellt, notwendig ist, sofort auf Vista und Server 2003 beziehungsweise den kommenden Longhorn Server umzusteigen?

Altes Betriebssystem?

Man könnte sich nun der trügerischen Annahme hingeben, dass eine "alte" Software wie Windows 2000 ohnehin keine Rolle mehr in der heutigen IT-Welt spielen würde. Doch selbige Aussage trifft nicht den realen Kern der IT-Welt. Die Schätzungen laufen zwar teilweise weit auseinander, aber es scheint sich abzuzeichnen, dass sich seit einer Studie im letzten Jahr wenig getan hat. Damals kamen Marktforscher zu dem Ergebnis, dass 48 Prozent der Rechner in Unternehmen noch unter Windows 2000 laufen. "Das Ergebnis dieser Studie legt nahe, dass Windows 2000 noch immer eine wichtige Rolle in IT-Umgebungen spielt", so Steve O'Halloran, Managing Director der Marktforschungsabteilung von Assetmetrix. Die Zurückhaltung der Kunden bei Upgrades habe sich Analysten zufolge in den letzten Jahren eher noch verstärkt. Es dauere bei jedem Release länger, so Michael Cherry von Directions on Microsoft zu dieser Thematik.

Windows Defender

Ein Beispiel dieses Rätsels ist das Microsoft Windows Defender-Programm. Dieses Antispyware-Tool kann kostenlos heruntergeladen werden, aber eine Installation ist nur unter Windows XP, Server 2003 oder höher möglich. Die Applikation macht unter Windows 2000 keinen Mucks, ist Microsofts eigener Dokumentation zu entnehmen. AnwenderInnen haben berichtet, dass dies jedoch einzig und alleine auf einer eingebauten Regel in der Applikation beruht, nicht aber aufgrund technischer Hindernisse. Es sei zudem möglich, diese Schranke auszuhebeln und dann das Tool unter Windows 2000 problemlos laufen zu lassen, so der Artikel.

Juni 2005

Das offizielle Ende des "mainstream support" für Windows 2000 läutete Microsoft bereits im Juni 2005 ein. Die Lifecycle-Policies von Microsoft sehen nun vor, dass das Betriebssystem noch weitere fünf Jahre einen so genannten "extended support" haben wird, der danach bei Businessprodukten in einen "online-only support" wechselt. Consumer-Produkte, wie etwa Windows XP mit Service Pack 2 haben nach den 5 Jahren "mainstream support" nur mehr Unterstützung in Form von Knowledge Base-Artikeln im Internet zur Verfügung. Produkte, die jedes Jahr eine neue Version bekommen, etwa Encarta oder auch Money, werden wesentli9ch kürzer - nämlich nur für drei Jahre - unterstützt.

"Extended Support"

Der so genannte "Extended Support" beinhaltet laut Microsoft die kontinuierliche Entwicklung von Sicherheitsupdates für kritische Lücken und die Möglichkeit Support gegen Bezahlung zu erhalten. Neue Funktionen oder Designs sind kein Teil dieser Lizenzabmachung. Allerdings werden auch einige nichtkritische Updates außerhalb der Mainstream-Support-Phase von Microsoft ausgeliefert. Dafür müssen Unternehmen, gemäß der "Microsoft Support Lifecycle Policy FAQ", ein "extended hotfix Agreement" innerhalb von 90 Tagen nach dem offiziellen Ende des "Mainstream-Support" abschließen.

Daylight Saving Time

Eines der größten Probleme, welches den Unternehmen Kopfzerbrechen bereitet, ist die so genannte Daylight saving time (DST)-Problematik in Windows 2000. Anfang und Ende der DST, auch bekannt als Sommerzeit, werden im kommenden Jahr in den USA eine signifikante Änderung erfahren. Eine entsprechende Entscheidung durch den Kongress führt somit zu heftigen Einschnitten in der IT-Branche. Auch andere Länder wollen diese Richtlinien umsetzen. Der IT bleiben meist nur wenige Tage um die Änderungen in den Zeiteinstellungen vorzunehmen. Diese Einstellungen sind jedoch für viele IT-Systeme unbedingt erforderlich. Da Microsoft aber nun keinen Patch für Windows 2000-Systeme ausliefern will, die die neuen Zeitzonendefinitionen ändern, stehen zahlreiche Unternehmen unter Druck. Ein entsprechender Patch wurde von Microsoft für Windows XP und Server 2003 bereits verabschiedet.

Gesetze und Regelungen

Gegenüber InformationWeek klagt Paul Chinnery, Netzwerkadministrator eines Spitals in Michigan sein Leid. Alle 38 Server und 40 Prozent der 300 Workstations laufen unter Windows 2000 und dennoch lasse Microsoft die Administratoren in diesem Falle im Stich. "In Anbetracht der Tatsache wie viele Organisationen in diesem Land noch Windows 2000 laufen haben, ist es eine Pflicht von Microsoft gegenüber seinen Kunden entsprechende Patches bereit zu stellen", meint Chinnery. Zwar würden Patienten keiner lebensbedrohlichen Gefahr ausgesetzt, wenn die Uhren des Netzwerks eine Stunde stünden, doch gibt es zahlreiche Gesetze und Regelungen die eine genaue Uhrzeit des Systems voraussetzen. Mittlerweile findet sich ein Workaround für Windows 2000-Administratoren unter der Bezeichnung "tzedit.exe" im Microsoft Windows Resource Kit, welches die manuelle Umstellung der Zeit ermöglicht.

WSUS

Ein weiterer Wunsch Chinnerys, den er sicherlich mit vielen anderen Administratoren gemein hat, ist jener nach besseren Reporting-Features. Solche werden sich in dritten Version von Windows Server Update Services (WSUS) finden, doch diese werden ebenfalls nicht für Windows 2000 angeboten werden. Das neue Patchmanagementsystem läuft nicht unter Windows 2000 ließ man aus Redmond wissen.

Die Gründe

Doch was sind eigentlich die Gründe warum Chinnery - und viele andere Administratoren - nicht wechseln? "Wenn wir auf Windows Server 2003 umsteigen und dann der Longhorn Server veröffentlicht wird, so bedeutet dies mehr Geld und danach zusätzlich noch mehr Geld, das investiert werden muss, das können wir uns einfach nicht leisten."(red)

  • Artikelbild
Share if you care.