Zweiter Anlauf zur Heirat

19. März 2007, 16:59
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Abgeschobene Nigerianerin darf nach Österreich zurück und ehelichen

Innsbruck/Wien – Einen Monat nach der Abschiebung kann sie nun doch in Österreich heiraten: Am Freitag haben die Nigerianerin Esther Esefo (22) und der Tiroler Christian Schoner (25) einen Termin beim Standesamt.

Mitte November, neun Tage vor ihrem ersten Hochzeitstermin, war die Frau wie berichtet nach negativem Asylbescheid außer Landes gebracht worden. "Wir konnten uns nicht einmal verabschieden", schilderte ihr Verlobter. Er vermutet, der Hinweis, dass Esther Esefo bald heiraten werde und schon einen Pass besitze, habe die Abschiebung beschleunigt. Der Fremdenpolizei Kufstein wirft er vor, ihn und seine Verlobte getäuscht zu haben: Die Behörde habe den Pass aus "Routine" eingezogen, dann angerufen, es sei alles in Ordnung. Bei der Abholung auf der BH wurde die Frau in Schubhaft gesetzt.

Esther Esefo, deren Abschiebung durch die Hilfsgruppen Fluchtpunkt und Ehe ohne Grenzen öffentlich wurde, hat nun ein Touristenvisum für sechs Monate erhalten, angeblich durch Intervention des Innenministeriums bei der Botschaft in Nigeria. Ob die Frau in dem halben Jahr eine Niederlassungsbewilligung erhält, ist ob der langen Verfahrensdauer aber fraglich. Peter Marhold von Helping Hands vermutet, das Ministerium habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Abschiebung. Die verschärfte Lage in Nigeria seit 2005 sei nicht berücksichtigt worden. Die Fremdenpolizei hatte den Antrag auf Unrechtmäßigkeit der Abschiebung mit Verweis auf den "klaren" Asylbescheid ignoriert statt ihn formal abzulehnen. Nur bei Ablehnung gibt es zwei Wochen Berufungsfrist. Innerhalb dieser Frist lag der Hochzeitstermin. Vom Ministerium gibt es keine Reaktion. (Benedikt Sauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.12. 2006)

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