Image der EU hat sich in Österreich leicht verbessert

4. Jänner 2007, 16:43
215 Postings

Eurobarometer: Nur fünf Prozent der Österreicher befürworten EU-Mitgliedschaft der Türkei

Wien - Das Image der EU ist in Österreich im vergangenen halben Jahr etwas positiver geworden. Dies ist das Ergebnis des "Nationalen Berichts" für Österreich, der in das aktuelle Eurobarometer 66 einfließt. Der "Nationale Bericht" wurde am Montag in Wien bei einer Pressekonferenz der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich erstmals vor der Präsentation des Eurobarometers 66 in Brüssel vorgestellt.

Während laut Eurobarometer in der EU der 25 seit dem Frühjahr 2006 das Image der EU mit 46 Prozent um vier Prozentpunkte gesunken ist, hat in Österreich im selben Zeitraum die Zustimmung mit 36 Prozent um zwei Prozentpunkte zugelegt. Hatte Österreich vor einem halben Jahr bei der Zustimmung zur EU noch den letzten Platz belegt, befindet es sich nunmehr auf dem vorletzten Rang, das Schlusslicht ist Großbritannien. Ein besonders positives Image hat die EU in Österreich bei der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen mit 44 Prozent bei den männlichen und 48 Prozent bei den weiblichen Befragten. Das beste Bild von der EU haben die Iren mit 78 Prozent, gefolgt von Luxemburg und den Niederlanden.

Vorteile

Auch die Frage nach den Vorteilen dank der EU-Mitgliedschaft ist im Vergleich zum Frühjahr mit 43 Prozent und damit um vier Prozentpunkte positiver beantwortet worden. EU-weit sehen 54 Prozent der Befragten Vorteile durch eine EU-Mitgliedschaft, dieser Wert hat sich seit dem Frühjahr 2006 nicht verändert. Auffallend ist auch hier, dass Frauen in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen mit 61 Prozent an die Vorteile der Mitgliedschaft glauben (Männer in derselben Altersgruppe 57 Prozent), während in der Altersgruppe der 64-Jährigen und Älteren nur 23 Prozent der weiblichen und 28 Prozent der männlichen Befragten Vorteile in der Mitgliedschaft sehen.

Das Vertrauen der Österreicher in die EU ist seit der letzten Umfrage im Frühjahr dieses Jahres mit 43 Prozent konstant geblieben, EU-weit ist es mit 45 Prozent um drei Prozentpunkte gesunken. Was die Frage der EU-Erweiterung betrifft, ist laut dem Präsentator der Studie, Harald Pitters vom österreichischen Gallup-Institut, Österreich "erweiterungsmüde". Im Vergleich zum EU-weiten Schnitt von 46 Prozent, befürworten nur 31 Prozent der Österreicher die Erweiterung (+ vier Prozent seit dem Frühjahr 06). Man befände sich jedoch bei der Erweiterungsfrage "in guter Gesellschaft", so Pitters. Neben Österreich stünden Deutschland, Frankreich und Luxemburg der Erweiterung am skeptischsten gegenüber.

Türkei-Beitritt

Einen Beitritt der Türkei in die EU befürworten dem Bericht zufolge lediglich fünf Prozent der Österreicher im Vergleich zu 28 Prozent EU-weit. 84 Prozent der Österreicher finden, die kulturellen Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und der Türkei seien zu tief greifend und 53 Prozent der Österreicher sind nicht der Meinung, dass die Türkei zu Europa gehört. Karl Doutlik, der Leiter der Europäischen Kommission in Österreich, vertrat die Meinung, Österreich stünde einer Erweiterung so skeptisch gegenüber, da es von den bisherigen Erweiterungen "direkt vor der Haustür" am massivsten betroffen gewesen sei. Da sich die relativ emotional geführte Erweiterungsdebatte hier zu Lande vor allem auf die Türkei konzentriere, würden die anderen Kandidatenländer, etwa in der Balkan-Region, in der Bewertung "mit nach unten gezogen", so Doutlik.

Die Tatsache, dass die Österreicher mit 17 Prozentpunkten die Ukraine eher als EU-Mitglied befürworteten als die Türkei, ist laut Doutlik eventuell darauf zurückzuführen, dass es in Österreich keinen größeren Bevölkerungsanteil von Ukrainern gebe. Österreicher würden sich vielleicht von den Türken hier in Österreich ein Gesamtbild von der Türkei machen und daher einen Beitritt der Türkei ablehnen, vermutete Doutlik.

Zwischen dem 6. und dem 27. September dieses Jahres wurden 1.016 Österreicher im Zuge des halbjährlichen europaweiten Eurobarometers im Auftrag der Europäischen Kommission vom Österreichischen Gallup Institut zu ihren Einstellungen zur EU und zu nationalen und persönlichen Perspektiven befragt. Insgesamt inkludiert das Eurobarometer 66 die Meinungen von knapp 30.000 Bürgern aus den 25 EU-Mitgliedsstaaten, den Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien sowie den Kandidatenländern Kroatien und Türkei und der türkisch-zypriotischen Gemeinschaft.

Von den Deutschen sind laut Eurobarometer fast zwei Drittel gegen eine Fortsetzung der EU-Erweiterung. In der Erhebung sprachen sich 64 Prozent der befragten deutschen Bürger gegen die Aufnahme weiterer Staaten in die Union aus, nur 30 Prozent dafür. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.