Wifo-Experte: "Skifahren wird noch viel teurer werden"

17. Jänner 2007, 10:23
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Egon Smeral, Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts, plädiert für Angebote abseits von Schnee

Skifahren wird nur mehr hochalpin möglich sein. Mit ihm sprach Günther Strobl.

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STANDARD: Wie wichtig ist für Österreichs Tourismusbranche ein Winter mit Schnee?

Smeral: Geht man davon aus, dass der Tourismus insgesamt neun Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt und auf den Winter grob geschätzt knapp vier Prozent entfallen, dann ist Schnee sehr wichtig.

STANDARD: In einer Woche ist Weihnachten, von Schnee in tieferen Lagen aber weit und breit keine Spur. Was heißt das für die Wintersaison?

Smeral: Weihnachten ist kein Problem. Die Leute müssen wegfahren, ob es Schnee gibt oder nicht, da sind Schulferien. Die Hotels sind in dieser Zeit auch sehr gut gebucht. Kritisch wird es nach Drei König. Wenn bis dorthin nicht ausreichend Schnee fällt, könnte es Stornos hageln.

STANDARD: Wenn man Klimaforschern glaubt, wandert die Schneegrenze immer weiter hinauf. Muss man in der Vermarktung des Winters umdenken - weg vom Schnee, hin zu etwas ganz Neuem?

Smeral: Momentan können wir uns mit kosmetischen Maßnahmen noch halbwegs drüberschwindeln. Wir können die Pisten planieren, um mit möglichst wenig Schnee durchzukommen, Steine wegräumen, Sturzräume vergrößern. Das wird auch gemacht. Langfristig aber wird das nicht reichen. Wir brauchen klimaneutrale Angebote.

STANDARD: Glück im Unglück für Österreich ist ja, dass der gesamte Alpenraum heuer unter Schneemangel leidet.

Smeral: Jein. Es gibt zwar im gesamten Alpenbogen wenig Schnee. Die französischen und Schweizer Skiregionen liegen aber durchwegs höher und sind deshalb weniger betroffen als Skizentren bei uns.

STANDARD: Was sind klimaneutrale Angebote?

Smeral: Das geht von Mountainbiking bis Wandern und darüber hinaus. Etwas anderes kommt noch hinzu: Skifahrer werden immer älter, junge kommen kaum nach. Das wird ein großes Problem werden.

STANDARD: Skifahren ist auch ganz schön teuer ...

Smeral: ... Und wird noch viel teurer werden. Dies schon allein deshalb, weil schneesicheres Skilaufen bald nur mehr über der 2000-Meter-Grenze möglich sein wird. Ein beschränktes Angebot aber treibt den Preis.

STANDARD: Wer wird sich das noch leisten können?

Smeral: Nur Leute, die unbedingt Ski fahren wollen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.12.2006)

  • Zur Person
Egon Smeral (56) beschäftigt sich seit vielen Jahren im Wirtschaftsforschungsinstitut mit Tourismusfragen. Er ist Autor verschiedener Bücher mit dem Schwerpunkt Tourismus.
    foto: standard/hendrich

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    Egon Smeral (56) beschäftigt sich seit vielen Jahren im Wirtschaftsforschungsinstitut mit Tourismusfragen. Er ist Autor verschiedener Bücher mit dem Schwerpunkt Tourismus.

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