Frankreich greift ein

5. März 2007, 12:21
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Ausweitung des Darfur-Konfliktes soll verhindert werden - Zusätzliche Fremdenlegionäre versandt

Die Meldungen aus der Konfliktzone im Herzen Afrikas sind sporadisch. "Französische Mirage-F1 haben in den vergangenen Tagen mehrmals das Feuer gegen Rebellen eröffnet", meinte ein Armeesprecher unlängst in Paris; ein anderes Mal hieß es: "Ein französischer Unteroffizier, dessen Überleben nicht in Gefahr ist, wurde verletzt."

Immerhin geht daraus hervor: Frankreich beteiligt sich an den Kämpfen im Dreiländerdreieck Sudan, Tschad und Zentralafrikanische Republik (ZAR). Staatschef Jacques Chirac äußert sich aber seltsamerweise nicht öffentlich. Der Regiomalkonflikt droht sich laut Kennern der Lage zu einem regelrechten Flächenbrand auszuweiten, denn Milizen aus der sudanesischen Darfur-Provinz dringen immer wieder über die Grenze in die beiden westlichen Nachbarländer Tschad und ZAR ein; tschadische Gegenschläge machen die militärische Lage noch chaotischer, das Los und Leiden der Einwohner noch härter.

Aufgrund bilateraler Militärabkommen hat Paris nun den Truppenstützpunkt im Tschad auf 1200 Mann verstärkt und zusätzliche Fremdenlegionäre in die ZAR geschickt. Diese greifen offenbar auch direkt in die Kämpfe ein: Ein Mirage-Kampfflugzeug stürzte kürzlich ab. Es sei ein Unfall gewesen, hieß es von offizieller Seite in Paris nur.

Schweigen in Paris

Warum dieses auffällige Schweigen in Paris? Zum einen sicher, weil der tschadische Präsident Iris Déby nicht der Salonfähigste ist. Die Korruption auf der Basis nationaler Erdölschätze und die Verfolgung Oppositioneller lösen auch in Paris Kopfschütteln aus. Dem Vernehmen nach verlangte Déby - wie auch ZAR-Präsident François Bozizé - noch mehr französische Truppen, nachdem er im April selbst Opfer eines Umsturzversuches geworden war. Chirac billigt ihm aber offensichtlich nur ein paar hundert zusätzliche Legionäre zu.

Die faktische Handlungsunfähigkeit der UNO im Raum um Darfur zwingt Frankreich aber, selbst einzugreifen. Der einstigen Kolonialmacht geht es um mehr als um Débys Kopf oder die wertvollen Wasser- und Ölvorkommen in der Grenzregion: Auf dem Spiel steht der "geostrategische Hinterhof" Frankreichs. Konfessionelle Motive spielen kaum mit; hinter dem sudanesischen Regime von Omar al Baschir vermuten die Franzosen jedoch libyschen und chinesischen Einfluss. Nicht erst seit dem chinesisch-afrikanischen Gipfel im November fürchtet Paris um seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen in Schwarzafrika. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2006)

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    Rebellen posieren im Kampfgebiet in der Zentralafrikanischen Republik

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