Streit in Polen um Religionsunterricht

16. Juli 2007, 11:15
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Bildungsminister Giertych will Berücksichtigung für den allgemeinen Notendurchschnitt - Änderung ab kommenden Schuljahr

Warschau - Religion wird in Polen zu einem entscheidenden Unterrichtsfach. Eine entsprechende Direktive hat Bildungsminister Roman Giertych von der nationalklerikalen LPR ("Liga Polnischer Familien") angekündigt. Das Fach soll künftig für den allgemeinen Notendurchschnitt berücksichtigt werden, der über das Aufsteigen in die nächst höhere Klasse entscheidet. Die Änderung soll vom kommenden Schuljahr an in Kraft treten, erklärte das Ministerium nach Angaben der Warschauer Tageszeitung "Rzeczpospolita".

"Wohlwollende Benotung"

Die Aufwertung des Unterrichtsfachs geht auf eine Initiative des katholischen Episkopats zurück. "Warum sollen die Anstrengungen der Schüler ausgerechnet im Fach Religion nicht belohnt werden?", sagte Bischof Tadeusz Nycz gegenüber "Rzeczpospolita". Die Opposition im Parlament übt dagegen Kritik. Die Noten in Religion hätten keine Aussagekraft, weil die Lehrer dort sehr wohlwollend seien, erklärte die Abgeordnete der linksorientierten SLD (Bündnis der Demokratischen Linken) Krystyna Lybacka.

Kirche bestimmt über Lehrplan

Das Unterrichtsfach Religion kehrte nach der kommunistischen Ära Anfang der neunziger Jahre in die Schulen zurück. Über den Lehrplan bestimmt die Kirche. Auch dies stößt auf Kritik. "Wenn die Religionslehrer nicht unter ministerielle Kontrolle kommen und der Unterricht weiterhin einzig vom intellektuellen Potenzial des Lehrer abhängt, dann führen die Pläne des Ministeriums zu Ungerechtigkeiten", so die Ethik-Professorin Magdalena Sroda von der Universität Warschau. (APA)

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    Bildungsminister Roman Giertych will den Religionsunterricht aufwerten.

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