Käsetoast am Laufsteg

16. Februar 2007, 10:00
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In der Mensa am Juridicum in Wien kann man bei gutem Kaffee oder belegten Broten die neuesten Modetrends beobachten

Es gibt einige Dinge die man als StudentIn gemacht haben muss: Die Montag-Vormittag-Vorlesung konsequent ein Semester lang schwänzen. Nächte in der Bibliothek verbringen. Und Tage in der Mensa. Futterstelle, Kontaktbörse, Lernrefugium: Die Mensa ist für Studierende so etwas wie das Multitalent der StudentInnenlokale. Am Wiener Juridicum nennt sich die Mensa verschämt Buffet, und das kommt so: Auf Grund diverser behördlicher Auflagen darf nicht wirklich gekocht werden, Abzug ist auch keiner vorhanden.

Es gibt also keine ermäßigten Studentenmenüs, sondern nur Snacks. Davon aber reichlich: Der angehende Jurist kann sich etwa an Gulaschsuppe um 2,10 Euro, Chilli, Würsteln, belegten Broten, Mehlspeisen oder Salaten aller Art laben. Besonders beliebt ist der Schinken-Käse-Toast, der zuerst an der Theke bezahlt und ein paar Minuten später mit einem charmanten "Toast, bitteeeee!" ausgerufen wird. "Wir versuchen uns immer etwas Neues für die Studenten zu überlegen", erzählt die engagierte Buffetleiterin Renate Müllner. Dass man nicht wirklich kochen könne, sei natürlich schade, aber trotzdem werden die StudentInnen am Juridicum mit Liebe versorgt. Aktuelles Projekt: Minipizzen.

Ein eindeutiges Highlight: Der Kaffee ist eine Wohltat im Vergleich zum Uni-typischen braunen Automatenwasser mit Milchweißer - Latte Macchiato und Co. werden mit viel Liebe und Schokostreusel zubereitet. Das hat allerdings seinen Preis: Beim Cappuccino ist man ab 1,40 Euro dabei, die Lattes kosten etwas mehr. Für die Feier nach der Prüfung oder nach der Sponsion: Das Buffet am Juridicum hat sogar Sekt im Angebot - 10,90 Euro für eine Flasche Hochriegel.

W-Lan ist am Juridicum überall verfügbar und wird auch eifrig genutzt - die Mensa ist, ebenso wie die Bibliotheken, voll von eifrig tippenden Menschen. Einer der gravierenden Nachteile am Juridicum-Buffet: Selbst als Raucher ist es nur schwer zu ertragen, dass man nach längerem Aufenthalt vor Ort wie ein Räucherstäbchen riecht. Eine Zeit lang gab es einen "Nichtraucherbereich", dieser war allerdings räumlich nicht vom Rest der Mensa abgegrenzt und wurde auch von vielen StudentInnen geflissentlich ignoriert. Jetzt gibt es in der Mensa gar keine Aschenbecher mehr und dafür Verbotsschilder - was aber ebenfalls von vielen Rauchern ignoriert wird. "Das ist ein großes Problem", bestätigt Müllner. Wie man es lösen wird, steht noch nicht fest.

Die Mensa ist so gut wie immer gut gefüllt, im Laufe des Nachmittags kann der Lärm- und Rauchpegel schon mal auf ein Maß ansteigen, der zumindest das Lernen unmöglich macht. Trotzdem sind immer diverse unermüdliche Lerngruppen da, die miteinander ihre Skripten durchgehen. Außerdem ist das Buffet am Juridicum so etwas wie eine große, als Mensa getarnte Partnerbörse. Aufwendig gestylte Mädchen treffen beim Latte Macchiato auf elegante Jungmänner.

Preisvergleich

Cappuccino - 1,40 Euro

Großes Bier vom Fass - 2,30 Euro

Mineralwasser 0,5 Liter - 1,30 Euro

Billigste Speisen auf der Karte - Suppen ab 95 Cent, Wurst/Käsesemmeln 1,10 Euro, Frankfurter mit Senf und Gebäck 2 Euro

Specials - Stammkundenkarte für den tollen Kaffee (Nach zehn Tassen eine gratis), immer wieder Aktionen (Getränk plus Weckerl zusammen billiger)

Bewertung

Studierendenfreundlichkeit: Gut. Ist ja auch eine Mensa. Der Kaffee ist super, die Speisenauswahl auflagenbedingt bescheiden. Besonderes Lob an die guten Geister hinter der Theke: Soviel Freundlichkeit ist man an der Uni sonst leider nicht gewohnt.

Ambiente: Es gibt eindeutig schönere Gebäude als das Wiener Juridicum. Dafür gibt es kaum schönere Studierende - oder solche die sich dafür halten... Wer hier in Jeans und mit ungewaschenen Haaren auftaucht, fühlt sich fehl am Platz.

Preis-Leistung: Sehr gut, vor allem bei Broten und Co. Kaffee ist nicht ganz billig, lohnt sich aber.

Fazit

Gulaschsuppe, Käsetoast, Kaffee. Darüber weht ein Hauch von Döbling. Top-Noten für das Personal: Freundlicher gehts nicht.

(Anita Zielina, derStandard.at, 13.2.2007)

Buffet Juridicum
Schottenbastei 16, 1010 Wien
Tel.: 01/533 85 18
Email: juridicum@mensen.at

Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr,
Freitag 8 bis 17 Uhr

  • Frische Brötchen für die StudentInnen.
    foto: standard.at/zielina

    Frische Brötchen für die StudentInnen.

  • Auch MehlspeisentigerInnen kommen auf ihre Kosten: Von Topfengolatsche bis Nussschnecke.
    foto: standard.at/zielina

    Auch MehlspeisentigerInnen kommen auf ihre Kosten: Von Topfengolatsche bis Nussschnecke.

  • Wichtigster Ort in der Mensa - die Kaffemaschine. Und die ist am Juridicum erstaunlich gut und wird auch heftig genutzt.
    foto: standard.at/zielina

    Wichtigster Ort in der Mensa - die Kaffemaschine. Und die ist am Juridicum erstaunlich gut und wird auch heftig genutzt.

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