Boltz: Kunden lassen 400 Millionen Euro liegen

11. Jänner 2007, 13:33
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400 Millionen Euro könnten Haushalte und Gewerbebetriebe beim Wechsel zum jeweils günstigsten Stromanbieter pro Jahr sparen

Wien – Trotz steigender Energiepreise ist der Spargedanke bei vielen Haushalts- und Gewerbekunden nicht besonders stark ausgeprägt. Das lässt zumindest eine Hochrechnung der Regulierungsbehörde E-Control vermuten. Diese hat nämlich errechnet, dass allein durch den Wechsel zum jeweils günstigsten Stromanbieter 400 Millionen Euro pro Jahr gespart werden könnten.

"Die Leute sind zum Teil zu wenig informiert, außerdem gibt es oft die Sorge, dass bei einem Lieferantenwechsel plötzlich der Strom wegbleiben könnte", sagte der Chef der E-Control, Walter Boltz, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl. "Dabei", so Boltz, "wird die Versorgungssicherheit vom Netzbetreiber bestimmt, und den wechsle ich ja nicht."

"Raubrittertum"

Das größte Sparpotenzial weist die E-Control derzeit für das Versorgungsgebiet der Linz AG aus: Beim Wechsel eines dort ansässigen Haushaltskunden zum günstigsten Anbieter kann dieser bei einem Jahresstromverbrauch von 3500 Kilowattstunden 88 Euro sparen. Am geringsten ist das Sparpotenzial in Innsbruck: Die Kommunalbetriebe sind um 24 Euro pro Jahr teurer als der günstigste Anbieter im Versorgungsgebiet.

Von den etwa 400 Millionen Euro Sparpotenzial entfalle gut die Hälfte auf Gewerbebetriebe, das seien etwa 20 Prozent der Stromkosten, sagte Leitl. Für einen Kleinstbetrieb mit 30.000 kWh seien Einsparungen von bis zu 800 Euro im Jahr möglich.

Durch mehr Energieeffizienz könnten die Klein- und mittelgroßen Unternehmen, die im Gegensatz zu Industriebetrieben von der Liberalisierung des Strommarktes bisher so gut wie gar nicht profitieren konnten, weitere 100 Millionen Euro einsparen.

Remonopolisierung

Nach der im Jahr 2000 bejubelten Öffnung der Strommärkte gebe es inzwischen in Europa und auch in Österreich eine Re-Monopolisierung der Strommärkte. Leitl warf der Branche "Raubrittertum" vor, Wettbewerb sei ein "Fremdwort". Viele Klein- und Mittelbetriebe seien mit bis zu 50-prozentigen Erhöhungen der Strom-Arbeitspreise konfrontiert. Leitl geißelte auch die öffentliche Hand, die an den Preiserhöhungen kräftig mitschneide. So habe sich der Steuer- und Abgabenanteil in den vergangenen sechs Jahren von acht auf 25 Prozent mehr als verdreifacht.

Im Jänner will die Wirtschaftskammer mit einer breit angelegten Informationskampagne in Wien starten. Bis zum Sommer soll es in jedem Bundesland zumindest eine Veranstaltung mit Vorträgen von Experten zu Energieeffizienz und Versorgerwahl geben. (Günther Strobl, DER STANDAD, Print-Ausgabe, 15.12.2006)

  • E-Control-Chef Walter Boltz.
    foto: standard/urban

    E-Control-Chef Walter Boltz.

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