One-Chef : "Drei flächendeckende Mobilfunknetze sind ausreichend"

9. März 2007, 13:48
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Jörgen Bang-Jensen im Interview weshalb bei vier Anbietern am Mobilfunkmarkt genau einer zuviel ist und Ones Strategie

Der österreichische Mobilfunkanbieter One http://www.one.at setzt auf mobiles Breitbandinternet. In den kommenden beiden Jahren will One insgesamt 260 Mio. Euro in die Aufrüstung seines 3G-Netzes stecken. Bereits Ende 2008 soll das HSDPA-Netz 90 Prozent der österreichischen Bevölkerung abdecken. Im Rahmen der Ankündigung zum Start des HSDPA-Ausbaus bat pressetext den One-Chef Jörgen Bang-Jensen zum Gespräch über die österreichische Mobilfunklandschaft, das Preisniveau und das Potenzial für mobiles Breitbandinternet.

Frage: Wieviele Netzbetreiber verträgt Österreich? Wird es zu einer weiteren Konsolidierung auf dem österreichischen Markt kommen?

Bang-Jensen: Unserer Meinung nach sind drei Netzwerke für Österreich ausreichend. Es gibt derzeit vier. Das spricht also für eine weitere Konsolidierung. In welcher Form, das will ich nicht weiter beurteilen. Ein Eigentümerwechsel bei One ist jedenfalls derzeit kein Thema. Langfristig, das heißt, in den kommenden fünf bis zehn Jahren, sehen wir aber eher drei flächendeckende Netzwerke als das Optimale.

Frage: Rechnen Sie mit weiterer Konkurrenz, etwa durch neue Billiganbieter?

Bang-Jensen: Das Preisniveau erlaubt eigentlich gar keine weiteren klassischen MVNOs. Spezielle Angebote im Datenbereich will ich aber nicht ausschließen. Man muss betonen, dass es in Österreich derzeit 13 kommerzielle Funknetzfrequenzen, darunter GSM, UMTS oder WiMAX, gibt. In Zukunft werden wir eine andere Netzwerkstruktur sehen, auch im Funknetz. Es wird mehr städtische Netzwerke geben.

Frage: One will mit massiven Investitionen in den Netzausbau im mobilen Breitbandbereich punkten. Sehen Sie das Angebot von WiMAX als Bedrohung?

Bang-Jensen: Wir sehen WiMAX nicht als direkte Konkurrenz. Wir glauben nicht an ein flächendeckendes WiMAX. Wir glauben aber schon, dass WiMAX-Angebote auf den Markt kommen werden. WiMAX hat sicherlich einen Platz im Markt, wird sich aber eher in Ländern mit einer geringen Festnetzpenetration durchsetzen, wie in Osteuropa oder Afrika.

Frage: Kann mobiles Breitband dem Festnetz die Stirn bieten?

Bang-Jensen: Für manche Kunden wird mobiles Breitband das Festnetz ersetzen, aber für andere wird es lediglich eine Ergänzung sein. Das Festnetz wird immer die Möglichkeit haben, höhere Geschwindigkeiten als im Mobilfunkbereich zu liefern. Das One-Netzwerk wird den Kunden aber genügend Geschwindigkeit anbieten.

Frage: Gibt es auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt noch Spielraum für Preissenkungen und sind die Kunden bereit, für ein Mehr an Datendiensten tiefer in die Tasche zu greifen?

Bang-Jensen: Im Sprachbereich sind wir beim Preisniveau fast am Boden. Im Datenbereich sind wir in Österreich auch schon sehr aggressiv unterwegs. Es werden wohl eher Pakete mit mehr Leistung zum gleichen Preis geschnürt, als Preissenkungen durchgeführt. Das Potenzial für ein verstärktes Angebot von Datendiensten ist jedenfalls da. Mittlerweile wollen die Kunden Applikationen über mobiles Breitband abwickeln, die sie früher nur zu Hause erledigt hätten.

Frage: Der Tarif 4 zu 0 hat One seit Juni rund 200.000 Kunden gebracht. Dadurch konnte die Schallmauer von zwei Mio. Kunden früher als erwartet durchbrochen werden. Mit welcher Entwicklung rechnen Sie für 2007?

Bang-Jensen: Wir werden wahrscheinlich im nächsten Jahr um 100.000 Kunden zulegen. Vielleicht auch mehr. Wir sehen beim mobilen Breitbandinternet einen riesigen Markt. Unsere Zielgruppe sind vor allem mobile Kunden, die unterwegs surfen, E-Mails schreiben oder Musik herunter laden wollen. (pte)

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