Top-Ergebnis mit roten Zahlen

10. Jänner 2007, 14:59
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Siemens Österreich schrieb im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit Jahren rote Zahlen - Kommunikationssparte kostet Umsatz und Beschäftigte

Wien - Brigitte Ederer legt ihre erste Bilanz und landet gleich eine Premiere: Siemens Österreich hat im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit Jahren rote Zahlen geschrieben und keine Dividende an den Mutterkonzern in München abgeliefert.

Grund dafür sind allerdings nicht operative Verluste, sondern der Kauf der VA Tech um knapp eine Milliarde Euro. Er verwandelte die 195,61 Millionen Euro Bilanzgewinn der Siemens AG Österreich im Geschäftsjahre 2005 in 111,79 Mio. Euro Bilanzverlust, und die 190,98 Mio. Euro Jahresüberschuss in 640,8 Mio. Euro Verlust. Die Laune der Siemens-Österreich-Chefin vermochte dies freilich nicht zu trüben: Sie ist sicher, dass die für sieben ehemalige Ostblockländer zuständige Siemens-Österreich-Gruppe nicht nur ein Top-Ergebnis abgeliefert hat, sondern auch im laufenden Geschäftsjahr (bis 30. September 2007) eines abliefern werden.

Volle Auftragsbücher

Der Optimismus fußt vor allem darauf, dass der Umsatz der Gruppe zwar um 49,9 Prozent auf 6,946 Milliarden Euro leicht hinter Vorjahr geblieben ist, dank Anschaffung von Doppelstockwaggons und des neuen Schnellzugs Railjet durch die ÖBB und der sensationellen Stahlkonjunktur aber die Auftragsbücher voll sind. Dank Verkaufs der Siemens Transportation Services um 69,7 Mio. Euro an das Stammhaus stieg das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Siemens AG Österreich um 34,2 Prozent auf 483,6 Mio. Euro - obwohl das Betriebsergebnis um 7,3 Prozent auf 199,94 Mio. Euro zurückgegangen ist.

"Siemens Österreich hat wesentliche Veränderungen durchlaufen und die Integration der VA Tech erfolgreich abgeschlossen", sagte Ederer, die ihr Zahlenwerk - hörbar erleichtert - als "absolutes Topergebnis" bezeichnete.

Stahlwerksbau in Linz

Ein wesentlicher Ergebnisbeitrag kam wie erwartet vom Stahlwerksbau in Linz. VAI spielte brutto fast 100 Mio. Euro Profit ein, von denen nach Abzug der Umstrukturierungskosten immerhin 70 Mio. Euro Ergebnis blieben.

2007 wird auch spannend, denn mit Ausgliederung und Verkauf diverser Einheiten der Kommunikationssparte verliert Siemens in Österreich und den Ostländern mittelfristig bis zu 6300 Beschäftigte und eine Milliarde Euro Umsatz. Abgänge stehen auch im Vorstand an: Mit Christian Habegger und Gerhard Falch scheiden Mitte 2007 die letzten VA-Tech-Vorstände aus. Der Vertrag von Franz Geiger hat der Aufsichtsrat um drei Jahre verlängert. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2006)

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Siemens
  • Muss das Telefongeschäft kompensieren: Siemens-Chefin Brigitte Ederer
    foto: standard/cremer

    Muss das Telefongeschäft kompensieren: Siemens-Chefin Brigitte Ederer

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