Airline fliegt auf Do&Co

16. Jänner 2007, 09:35
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2007 wird der Nobel­caterer Do&Co die gesamte AUA-Gruppe beliefern. Vereinheitlicht werden auch die Uniformen

Wien - AUA-Chef Alfred Ötsch wünscht sich bereits vor Ablauf der Verträge mit Do&Co und Airest, 2009, dass die AUA-Gruppe nur von einem Caterer beliefert wird. Und er macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, dass Do&Co sein Favorit ist, der bisher nur die Lauda Air bekochte, für den Rest ist die Airest zuständig. Nun ist also wieder Do&Co-Chef und Mehrheitseigentümer Attila Dogudan am Zug, der zu Jahresbeginn noch das Nachsehen hatte, als die AUA ihre Catering-Tochter um 30 Mio. Euro an die italienische Save verkaufte. Die komplizierte Dreiecksbeziehung könnte bald ein Ende haben: Dem Vernehmen nach soll Dogudan noch vor Jahresende die Airest der Save abkaufen. Ötsch selbst wollte sich dazu nicht äußern. Glaubt man aber Insidern, so behält sich Do&Co die Catering-Sparte, die zwei Drittel des Umsatzes ausmacht, und gibt den Restaurant- und Gastronomiebereich wieder an die Save ab.

Keinesfalls fix ist für Ötsch, dass die Marke Lauda Air verschwindet, zur kolportierten Umbenennung in Austrian Holidays wird es möglicherweise doch nicht kommen. Um nach außen den gemeinsamen Auftritt bessert zu dokumentieren, sollen ab 2007 auch die Lauda Air Flugbegleiter AUA-Uniformen tragen. Nicht ganz die gleichen aber ähnliche, "mit einem durchgehenden roten Akzent" werden auch Tyrolean-Flugbegleiter neu eingekleidet.

Skeptisch beurteilt Ötsch im Gespräch mit dem Standard die Zukunft von SkyEurope, die ab 2007 auch von Wien abheben will: "Die sollten erst einmal schauen, was im kommenden März, April los ist, wenn das Geld aus der jüngsten Kapitalerhöhung verbraten ist. Wenn die nicht einmal die Abschreibungen verdienen, wird mit jeden Flug neues Geld vernichtet." Das Argument, dass auch bei der AUA (wie bei SkyEurope) seit der jüngsten Kapitalerhöhung Hedgefonds Aktien halten, lässt der AUA-Chef nicht gelten: "Die Hedgefonds, die bei der AUA einstiegen, wollen nicht kurzfristig abzocken, sondern haben einen langfristigen Anlagehorizont." Laut Ötsch wurden nur drei Prozent der Aktien aus der Kapitalerhöhung von Kleinaktionären gezeichnet, der Großteil (außerhalb der ÖIAG und dem Syndikat) ging an Fonds.

Keine Kündigungen

Wie viele Piloten und Flugbegleiter nun tatsächlich das Unternehmen nach der jüngsten Gesundschrumpfung verlassen, wollte Ötsch nicht kommentieren. Fix sei nur, dass es keine Kündigungen gibt. Und sollte der Spritpreis auf dem jetzigen, wieder tieferen, Niveau bleiben, so sei nächsten Jahr sogar wieder mit einem Gewinn zu rechnen, nachdem im Vorjahr ein Minus von 129 Mio. Euro erzielt wurde. Heuer, so versichert Ötsch, werde der Verlust ohne Restrukturierungskosten geringer sein. Gestärkt durch frisches Kapital geht die AUA Anfang 2007 daran, die Typenentscheidung auf der Mittelstrecke zu treffen: Derzeit werden 20 Airbusse und zehn Boeings eingesetzt. Ötsch will 30 Flieger eines Typs, dieser Prozess soll spätestens 2008 abgeschlossen sein. Für die Modernisierung dieser Flotte werden bis zu 70 Mio. Euro verwendet. Gegen Ende 2007 muss die Entscheidung für die Langstrecke getroffen werden. Hier steht der Dreamliner, die Boeing 787 und der neue Airbus A350 zur Disposition, die bis 2012/13 geliefert werden.

Vorsichtiges Wachstum

Nachdem heuer etliche unrentable Langstrecken-Routen gestrichen wurden, nahm sich Ötsch vor, "künftig nur auf profitablen Strecken" zu wachsen. "Wir sind gut in der Kurz- und Mittelstrecke mit dem ,Focus East' und werden auf der Langstrecke sehr vorsichtig bei der Hereinnahme neuer Destinationen sein. Wir werden nicht mehr in die Wachstumsfalle gehen," sagte der AUA-Chef. Und: Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass das Einzugsgebiet von Wien beschränkt sei. Mit der Restrukturierung wurden "alle Verlustbringer eliminiert" und "wir konzentrieren uns auf die Geldbringer." Weitere "schmerzliche Maßnahmen" schloss Ötsch aus. Gleichgültig ist es Ötsch, ob die AUA Teil der angedachten Infrastrukturholding mit ÖBB, Verbund, Asfinag etc. sein könnte. "Ich berichte dem Aufsichtsrat, egal ob dahinter die ÖIAG oder eine Holding steht. Ich sehe bei der Holding keine Synergieeffekte, mit Ausnahme bei der Bahn, wenn etwa auf der Weststrecke ab Linz der Flughafen in 80 Minuten erreicht werden kann. Das erweitert das Einzugsgebiet und die Passagiere, die dann bereits in Linz einchecken können, haben keinen Grund mehr, mit der Lufthansa ab München zu fliegen."

Bei dem Streit mit der OMV über angeblich zu hohe Kerosinpreise will der AUA-Chef klagen, sollte es im Jänner zu keinem Vergleich kommen. Die Airline warf der OMV vor, durch illegale Absprachen und überhöhte Kerosinpreise die AUA mit 35 Mio. Euro pro Jahr geschädigt zu haben. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.12.2006)

  • Ab 2007 werden die Kolleginnen der Lauda Air AUA-Uniformen tragen.
    foto: standard/andy urban

    Ab 2007 werden die Kolleginnen der Lauda Air AUA-Uniformen tragen.

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