Schwerelose Süße aus Oberösterreich

16. Jänner 2007, 17:38
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Rumbapflaumen im All, Lebkuchen im Supermarkt: Firma Kastner besetzt Nischen und hat - gerade zur Weihnachtszeit - alle Hände voll zu tun

Bad Leonfelden/Wien – Franz Weglehner, Geschäftsführer der Lebzelterei und Confiserieproduktion Franz Kastner, ist im Stress. Gerade zur Weihnachtszeit hat der Lebkuchenhersteller alle Hände voll zu tun – obgleich die rund 90 Mitarbeiter bereits seit Mai im Zwei-Schicht-Betrieb Lebkuchen produzieren. Weglehner: "Die stärkste Zeit bei der Auslieferung August bis Dezember."

Das Traditionshaus, das sich in den heimischen Supermärkten gegen Branchenriesen wie Bahlsen, Manner und de Beukelaer behaupten muss, vertraut auf alte österreichische Rezepturen und Qualität. Zu schaffen machen dem Betrieb aber vor allem die hohen Rohstoffpreise. "Die Energiekosten wurden dieses Jahr für Gewerbe und Industrie um rund 50 Prozent erhöht. Das gefährdet den Standort Österreich", sagt Weglehner. Auch die hohen Lohnkosten und unflexiblen Arbeitszeiten seien Stolpersteine für Unternehmen.

Die Firmengeschichte des Betriebes reicht bis in das Jahr 1559 zurück. Damals gab es noch die Zunft der Lebzelter, Wachszieher und Meterzeuger. Und wohl nicht viele heimische Firmen können in ihrer Historie darauf verweisen, den 30-jährigen Krieg (1618–1648) „miterlebt“ zu haben.

Da Lebkuchen ein saisonales Geschäft ist, hat sich Kastner ab den 1970er-Jahren auf neue Produkte konzentriert und etwa die Rumbapflaumen ins Sortiment geholt. Die blau verpackten Süßigkeiten flogen 1993 per Versorgungsrakete zur russischen Raumstation Mir, um den Kosmonauten das Weihnachtsfest zu versüßen. Doch der Weltraum (das All) allein ist nicht genug zum Überleben. Kastner exportiert daher Süßigkeiten in knapp ein Duzend Länder, darunter Deutschland, Dänemark, Italien, England, Finnland, Kanada und USA. Der Exportanteil beträgt derzeit 35 Prozent, 2007 sollen es 50 Prozent sein. Schaffen will Weglehner das mit dem Ausbau der Sortimente Biokekse, Früchteconfiserie und Waffelerzeugung. (Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.12.2006)

  • Kosmonaut Sergei Konstantinowitsch Krikaljow hat 1993 in der Raumstation Mir in Rumbapflaumen gebissen.
    foto: standard/kastner

    Kosmonaut Sergei Konstantinowitsch Krikaljow hat 1993 in der Raumstation Mir in Rumbapflaumen gebissen.

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