"Wir sind richtig eingefahren"

8. Februar 2007, 14:01
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Martin Hofer gehört zu jenen Investoren, die während des Internet-Booms Aktien fast blind gekauft haben. Die Risikofreudigkeit hat er verloren, den Spaß am Investieren nicht

Martin Hofer (37) ist AHS-Lehrer für Mathematik und Physik. Dass Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik in der Anlegerwelt nicht alles ist, hat Hofer mittlerweile gelernt. Das Interesse für den Kapitalmarkt kam in der Studienzeit. Damals hat er mit Freunden begonnen, heimische Aktien zu kaufen. Mit viel Eigenrecherche und einem Gespräch mit seinem Bankberater kaufte Hofer Aktien von der VA Stahl und von Austria Tabak.

Frei nach dem Motto "Wenn schon, denn schon" hat Hofer jeweils knapp 4000 Euro in die Titel gesteckt. Im Depot geblieben sind die Aktien lange. Beide brachten beim Verkauf etwas Gewinn. Vom guten Start angetan, wollte Hofer mehr: "Meine richtige Aktienzeit ist gekommen, als in Deutschland der Neue Markt eröffnet hat", erinnert sich Hofer im Standard-Gespräch zurück. Dem Run auf Internet-Aktien ist auch Hofer, der vier Jahre in Guatemala in einer österreichischen Schule unterrichtet hat und derzeit an einer deutschen Schule in Barcelona lehrt, gefolgt. "Zuerst kamen große Gewinne, dann Verluste und dazu viele Fehler."

Leichen im Depot

Denn, so wie viele andere Anleger auch, hat der Mathematiker damals alles in die gleiche Branche investiert und an eine Diversifikation im Portfolio nicht gedacht. "Die ersten Gewinne haben eine Gier erzeugt." Auch an Basisinformation über die jeweiligen Unternehmen hat Hofer damals nicht gedacht. "Mit dieser Strategie sind wir alle richtig eingefahren, von da an war ich für eine Zeit lang geheilt." Weil Hofer dachte beziehungsweise hoffte, dass zumindest die Wertpapiere jener Internet-Unternehmen, die das Platzen der Blase überlebt haben, irgendwann auch wieder steigen werden, liegen heute noch "einige Leichen aus dieser Zeit" im Depot des Lehrers.

Mit der Erholung der Aktienmärkte im Jahr 2003 hat auch Hofer wieder begonnen, an den Kapitalmarkt zu glauben, allerdings diversifizierter. Im Portfolio liegen heute Fonds, die in Osteuropa und Schwellenländer investieren, Mischfonds, Anleihen und Aktien. Obwohl es in den vergangenen drei Jahren ob der guten Marktentwicklung nicht schwierig gewesen sei, Gewinne zu lukrieren, "liege ich unterm Strich noch immer nicht im Plus", rechnet Hofer vor. Investiert wird jetzt vorsichtiger. Bevor eine Aktie gekauft wird, informiert sich Hofer über das Unternehmen. Bei Fonds zählt die Langzeitperformance. Für die Pension hat Hofer mit der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge begonnen. 40 Prozent der Anlegergelder fließen dabei in ATX-Aktien. Das sorgt Hofer: "Drehen die Märkte vor der Pension, kann die Rente mager werden."

In seinem Job lernt Hofer auch von seinen Schülern: "Als mich meine Schüler vor einigen Jahren gefragt haben, ob ich schon einen iPod habe, habe ich gelächelt. Heute habe ich zwar einen, wäre aber froh, hätte ich damals den Trend der Jugend erkannt und Aktien von Apple gekauft." (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.12.2006)

  • Wie viele Anleger ist Martin Hofer dem Internet-Hype gefolgt und hat dabei auch viel Geld verloren.
    foto: standard

    Wie viele Anleger ist Martin Hofer dem Internet-Hype gefolgt und hat dabei auch viel Geld verloren.

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