Humanitäres Ablaufdatum

10. Juli 2000, 23:21

Lisa Nimmervoll

Es geht um nicht mehr als 700 Menschen. Sie sind im Zuge des Kosovo-Krieges in Österreich gelandet und wurden in der so genannten "Kosovo-Aktion" betreut. Caritas-Präsident Franz Küberl sprach damals von "Momenten, wo Humanität aufblitzt". Was jetzt noch fehle, sei der "gute Abschluss". Denn am Horizont taucht bedrohlich das Ablaufdatum dieses Humanitätsmoments auf. Am 31. Juli 2000 läuft die Aktion aus.

Dem Papier nach müssten die Flüchtlinge dann dorthin zurück, wo ihre Heimat war. Rund die Hälfte wird dies ohnehin freiwillig tun, auch wenn im Kosovo nicht mehr als das bloße Überleben gesichert scheint. Zukunft, in den dortigen Dimensionen gedacht, erstreckt sich bestenfalls auf den nächsten Tag. Dass es sich bei jenen, die noch hier sind, um besonders schwierige Schicksale handelt, dürfte selbst im Innenministerium bekannt sein: Traumatisierte, Alte ohne Familien, ethnisch Verfolgte. Andere haben hier in der Zwischenzeit Arbeit gefunden.

Dass das Innenministerium jetzt auf gezählte 226 Menschen kommt, die aus humanitären Gründen bleiben dürfen, die Caritas aber etwa 700 Kosovaren ein Bleiberecht in Österreich geben will, deutet nicht nur auf offenbar unterschiedliche "Humanitätskategorien" der beiden Institutionen hin. Hier die nichtstaatliche Caritas, dort ein bürokratischer Staatsapparat. Nötig wäre eine rasche und unbürokratische Entscheidung. Gefragt ist nicht gönnerhafte Gnade, sondern gelebte Humanität.

Innenminister Ernst Strasser zeigte sich bisher bei Flüchtlingsfragen erstaunlich oft als "gesprächsbereit" und wollte "sensibler hinhören" auf die berechtigten Einwände der Betreuungsorganisationen. Jetzt wäre ein idealer Zeitpunkt, den Worten Taten folgen zu lassen. Humanitäre Lippenbekenntnisse allein sind zu wenig.

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