Das Spiel mit der Unterhaltung

18. Juli 2007, 16:22
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Nintendo-Präsident Satoru Iwata und "Mario"-Erfinder Shigeru Miyamoto über den Start von Wii, warum Playstation und Xbox keine Konkurrenz sind und das Image von Videospielern

Die langen Warteschlangen vor den Geschäften und die ersten Verkaufszahlen müssten Nintendo-Manager Satoru Iwata in Hochstimmung versetzen. Dennoch bleibt er trotz des sensationellen Verkaufsstarts der neuen Nintendo-Spielkonsole Wii in den USA, Japan und Europa vorsichtig: "Es ist zu früh, um unsere Verkaufsziele zu kommentieren," erklärte er unmittelbar nach dem Marktlaunch vergangener Woche gegenüber dem Standard. Sechs Millionen Stück sollen bis Ende März abgesetzt werden. Eine Zahl, die auch Sony für seine Playstation 3 trotz Lieferproblemen bis dahin erreichen will.

Hochstilisiertes Match

Während sich Nintendos Konkurrenz Sony und Microsoft (Xbox 360) bei der jüngsten Konsolen-Generation einen Hightech-Wettlauf geboten hatte, setzte das japanische Elektronikunternehmen aus Kioto auf neuartige Spielentwicklungen. Daher sieht Satoru Iwata auch keine direkte Konkurrenz zu den beiden Elektronikherstellern. Das sei ein Match, dass die Presse gern hochstilisiere. Statt die Konsole technologisch immer weiter aufzurüsten, versuche Nintendo sich auf ein intensive- res Spielerlebnis rückzubesinnen, erklärt der Präsident den Unterschied.

Dieses Konzept wurde schon vor zwei Jahren mit der aufklappbaren Konsole DS umgesetzt, die sich nach konzerninterner Prognose bis Ende des Geschäftsjahres 20 Millionen Mal verkauft haben soll.

Neuer Zugang

"Wir wollten auch mit Wii eine neue Form der Unterhaltung schaffen, nicht bloß ein neues Videospiel." Was Grafik und integrierte Zusatzfunktionen anlangt, sei ein absoluter Sättigungsgrad erreicht. "Die Kluft zwischen anspruchsvollen Spielern und den Noch-Nicht-Spielern wurde zu groß", ergänzt "Mario"-Erfinder Shigeru Miyamoto. Das bedeute, die einen wollen wissen, wie viele Farben das Gerät darstellen kann; den anderen ist das egal, die wollen einfach Spaß haben.

"Wir mussten neuen Kunden den Zugang zum Computerspiel ermöglichen. Spiele, die das Gedächtnis trainieren, wurden anfangs gar nicht als Computerspiele betrachtet", erinnert sich Iwata, "aber wir haben damit einen Riesenmarkt geöffnet. Frauen und Senioren kommen jetzt in Kaufhäuser, um sich in der Spielabteilung zu informieren." Das Stereotyp des "wie verrückt computerspielenden Teenagers im dunklen Zimmer, dessen Gesicht nur von der Spielkonsole erleuchtet wird, hat ausgedient", meint Miyamoto.

Gewinnträchtig

Auch wenn die beiden Spieldesigner Iwata und Miyamoto in ihren Prognosen für den Verkauf der Wii zurückhaltend sind, hat Nintendo seine Zahlen für das laufende Geschäftsjahr nach oben korrigiert. Für den operativen Gewinn wird ein Zuwachs um 60 Prozent auf 954 Millionen Euro (1,26 Milliarden Dollar) erwartet, die Verkäufe gesamt sollen um 45 Prozent steigen. Analysten aus der Elektronikbranche sahen bis vor Kurzem das Problem, dass die bisherige DS-Handkonsole von Nintendo und die neue Wii-Konsole einander konkurrenzieren und also Käufer wegschnappen könnten - was sich aber bis jetzt als unbegründet herausstellte. "Übertriebene Zuversicht ist vielleicht fehlt am Platz", meint Iwata, "aber es besteht die Chance, dass wir unsere Verkaufsschätzungen noch übertreffen."(Andrea Waldbrunner aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe vom 12.12.2006)

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    Nintendo-Präsident Satoru Iwata (li.) und "Super Mario"-Erfinder Shigeru Miyamoto zeigen den neuen bewegungsempfindlichen Controller der Spielkonsole Nintendo Wii.

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