Aceh-Rebellenführer vor Sieg

2. März 2007, 12:46
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Erste Gouverneurswahlen in indonesischer Krisenprovinz

Jakarta - Nach drei Jahrzehnten Bürgerkrieg sind in der indonesischen Krisenprovinz Aceh erstmals Wahlen unter Beteiligung der ehemaligen Rebellen abgehalten worden. Bei der Abstimmung über das Amt des Provinzgouverneurs am Montag zeichnete sich einer inoffiziellen Schnellauszählung zufolge der Sieg eines ehemaligen Rebellenführers ab.

39 Prozent der Stimmen

Irwandi Yusuf liege mit 39 Prozent der Stimmen weit vor allen anderen Kandidaten, sagte der Leiter des unabhängigen indonesischen Wahlbeobachtungsinstituts LSI. Kurz vor Beginn des Urnengangs explodierte im Norden der von der Tsunami-Katastrophe zerstörten Provinz eine Bombe, die jedoch keinen Schaden anrichtete. Insgesamt verlief die Wahl ruhig.

Er sei sicher, dass keine zweite Wahlrunde nötig sei, da Yusuf mit großem Vorsprung gewonnen habe, sagte Ali von LSI. Das Ergebnis sei eine Überraschung, da Yusuf und sein Vizegouverneurs-Kandidat Mohammed Nazar in fast jedem Bezirk von Aceh gesiegt hätten. Yusuf war Führer der "Jungtürken" innerhalb der Rebellengruppierung Bewegung Freies Aceh (GAM). 2003 wurde er zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, 2004 floh er jedoch während der Tsunami-Katastrophe aus dem Gefängnis. Es ist die erste Wahl nach dem Friedensabkommen zwischen der GAM und der indonesischen Zentralregierung vom August 2005. Erstmal stellten sich ehemalige GAM-Mitglieder zur Wahl.

Tsunami-Katastrophengebiet

Die Provinz im äußersten Westen Indonesiens war bei der Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004 mit fast 170.000 Toten das am stärksten betroffene Gebiet. Unter dem Eindruck des Unglücks einigten sich Rebellen und Regierung im August 2005 auf ein Friedensabkommen, das den Weg für die Wahlen ebnete. (AFP)

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