Wiener Tierschutzverein meldet Konkurs an

20. März 2007, 12:52
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Zwangsausgleich und Weiterführung des Hauses in Vösendorf angestrebt

Wien/Vösendorf - Der Wiener Tierschutzverein (WTV) meldete am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt wegen Zahlungsunfähigkeit den Konkurs an. Das teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) in einer Aussendung mit. Sämtliche Gespräche mit möglichen Geldgebern seien ohne Ergebnis geblieben. Der Betrieb des Tierschutzhauses in Vösendorf und der Tierpension in Brunn am Gebirge soll aufrecht bleiben.

Durch einen Zwangsausgleich soll eine Schuldenbefreiung erreicht werden, so Kurt Haendel vom KSV. Die aktuell fälligen Verbindlichkeiten betragen 4,139 Mio. Euro. Davon entfallen knapp 3 Mio. Euro auf Leasingschulden, die vom WTV als strittig bezeichnet werden. Es gibt rund 160 Gläubiger. Wie es mit dem Verein und seinen 116 Mitarbeiter weitergehen werde, sei noch völlig unbestimmt, so Haendel.

Hohe Baukosten, offene Konflikte

Noch vor dem WTV selbst hatte bereits die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse wegen erheblicher Beitragsrückstände einen Konkursantrag gestellt, so der KSV weiter. Die Finanzschwierigkeiten dürften ihre Ursache in der 1998 erfolgten kostspieligen Übersiedlung in das Haus in Vösendorf haben. Seitdem kam es immer wieder zu öffentlich ausgetragen Streitigkeiten im Verein.

Zur Zukunft meinte Kurt Haendel vom KSV: "Vor dem Hintergrund, dass vom Verein jährlich insgesamt 15.000 Tiere versorgt und 4.000 täglich betreut werden und Tierschutzhäuser zu Weihnachts- und Ferienzeiten immer zum Bersten voll sind, werden die Rettungsbemühungen zu einer besonders heiklen Aufgabe. Selbst wenn der Konkursfall in eine Liquidation drehen sollte, hat Achtung vor dem Tier auch in einer Insolvenz zu gelten."

Suche nach Lösung

Das Sagen haben künftig der Masseverwalter und der Gläubigerausschuss. In den kommenden Tagen wird sich laut KSV entscheiden, ob die missliche Situation entschärft werden kann und ein Fortbetrieb im Konkurs ohne weitere Schädigung der Gläubiger möglich ist. Parallel dazu sei kurzfristig zu klären, ob für den geplanten Sanierungsausgleich, oder alternativ für eine Neuausrichtung über eine Auffanglösung, glaubwürdige finanzielle und organisatorische Perspektiven bestehen.

Der WTV ist die älteste private Tierschutzorganisation Österreichs. Gegründet wurde er 1846 vom Dichter Ignaz Franz von Castelli zu einer Zeit, wo in Wien noch öffentliche Tierkämpfe veranstaltet wurden. 1998 übersiedelte der WTV vom überbelegten Haus am Meidlinger Khleslplatz nach Vösendorf in Niederösterreich. Auf dem weitläufigen Gelände wurde mit 35.000 Quadratmeter verbauter Fläche ein neues Tierschutzhaus errichtet. Die Baukosten, einschließlich Zwischenfinanzierungskosten, lagen gegenüber geplant gewesener 10,9 Mio. tatsächlich bei rund 17,4 Mio. Euro.

Seit 2001 gibt es laut KSV einen schweren Konflikt wegen der Übernahme des kostspieligen Sanierungsaufwandes zwischen WTV und einer Leasing-Tochter der Hausbank, die den Neubau des Tierschutzhauses finanziert hat. Gestritten wurde um Baumängel. Immer wieder wurden die jahrelang gerichtlich ausgetragenen Unstimmigkeiten auch öffentlich deutlich.

Dies habe dazu geführt, so die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins Lucie Loubé laut KSV-Aussendung, dass Sponsoren und 35.000 Mitglieder - 40 Prozent der Gesamtzahl - seither abgesprungen seien. Für den Verein, der auch durch die Stadt Wien finanziert wird, sei der starke Rückgang an Mittelzufluss nicht verkraftbar gewesen.

Der Betrieb im Wiener Tierschutzhaus wird auch nach dem Konkursantrag normal weiterlaufen, versicherte Loubé weiters. Es sei auch ihre Entscheidung gewesen, den Konkursantrag zu stellen.

Der Verein könne die "Geschichte mit dem Hausbau" nicht verdauen, beklagte Loubé. Trotz der angespannten finanziellen Lage könne er aber nicht wie ein normales Unternehmen agieren - und etwa die Kapazitäten reduzieren: "Wenn ein Tier da steht, nehmen wir es auf." Die Mitarbeiter bleiben jedenfalls vorerst alle beschäftigt, so Loubé, die laut eigenen Angaben "schon ein bissl frustriert" ist.

Am Dienstag wird es laut Loubé ein erstes Gespräch mit dem Masseverwalter geben. Dabei soll die weitere Vorgangsweise geklärt werden. Die Präsidentin hofft, dass trotz des Konkursverfahrens auch die Verfahren um die - ihrer Ansicht nach zu hohen - Leasingraten für das Tierschutzhaus weitergeführt werden. (APA)

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