Die zweite Saliera blieb verschwunden

15. Juli 2007, 18:20
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Herr Vaugoin hat die Saliera verkauft, doch er verstarb noch am selben Tag - Seither sind sie verschwunden - die Saliera und das Geld

Die Silberschmiede Jarosinski & Vaugoin ist seit 1847 auf Handwerkskunst auf höchstem Niveau spezialisiert. Auch hier verschwand eine Saliera - im gleichen Jahr wie das Original. Die Kopie war in den 1960er-Jahren für die junge Queen Elizabeth angefertigt worden- von Roman David-Freihsl

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Wien - Die Saliera ist verschwunden. Nein, nicht schon wieder. Nicht das Original von Cellini. Es handelt sich vielmehr um eine - wenn auch nicht ganz so spektakulär wertvolle, so doch recht teure - Kopie des Salzfasses.

Die in der Wiener Zieglergasse 24 beheimatete Silberschmiede Jarosinski & Vaugoin hatte in den 1960er-Jahren drei Kopien der Saliera angefertigt: Eine überreichte der damalige Bürgermeister Bruno Marek seinem Staatsgast, der jungen Queen Elizabeth II. Die zweite Kopie wurde Marek 1970 zum Antritt seines Ruhestandes überreicht. Die dritte Salierera-Replika blieb aber im Besitz der Familie Vaugoin.

Verkauft - verstorben - verschwunden

Bis dann 2003 die echte Saliera von Robert Mang aus dem kunsthistorischen Museum geflaucht wurde. Das Aufsehen war groß, das Interesse an dem Stück wuchs sich ins Unermessliche aus - und so kam es, dass knapp zwei Monate nach dem Diebstahl Herr Vaugoin senior ins Geschäft kam und erzählte, er habe die Saliera verkauft, berichtet Verena Vaugoin. Doch ihr Mann sei noch am selben Tag verschieden. Seither sind sie verschwunden - die Saliera, wie auch die 20.000 Euro, für die der Verstorbene sie verkauft hatte.

Eine neue Saliera-Kopie

Inzwischen führt Sohn Jean-Paul Vaugoin die Geschäfte der traditionsreichen Silberschmiede - und preist nun eine neue Saliera-Kopie in der Auslage an. Es ist wiederum das letzte Exemplar einer mit zehn Stück limitierten und markenrechtlich geschützten Serie. Eine, die aber aus aktuellem Anlass auch mit kleineren und günstigeren Kopien ergänzt wurde. "Wir hatten das auch dem Kunsthistorischen Museum für den Shop angeboten", berichtet Vaugoin junior. Aber dort hatte man das Angebot - sozusagen ausnahmsweise - mit Glacé-Handschuhen angefasst.

Für ein Familienunternehmen wie jenes der Vaugoins, das seit 1847 Silber handwerklich veredelt, ist das mit der Saliera letztlich eine Episode. Wie auch das Modell des Donnerbrunnens, das ursprünglich 1955 anslässlich des Staatsvertrages den Vertretern der UdSSR als Staatsgeschenk überreicht worden war. Das Stück wurde 2004 noch einmal angefertigt, "vor allem um uns zu beweisen, dass wir das immer noch können".

Traditionsschmiede

Das, womit die Vaugoins tagtäglich ihr Können beweisen, sind Silberbestecke und Silbergeschirr, die in unzähligen Varianten im Schauraum präsentiert werden. "Allein von den Bestecken haben wir 200 Modelle", erläutert Jean-Paul Vaugoin - von historisch gediegenen Stücken bis zu modern gestalteten Varianten.

Ungewöhnliche Eigenproduktionen

Dass sie in Sachen Vollsilber die erste Adresse in Wien und Österreich sind, ist gewiss keine Übertreibung. Schließlich ist diese Silberschmiede inzwischen die einzige im ganzen Land, die fachgerechte Reparaturen durchführen kann. Und so können auch höchst ungewöhnliche Eigenproduktionen angepriesen werden: Vom Spargelheber bis zum Hendelhaxen-Halter. Vom Silberherz, das das malträtierte Zahnfleisch von Babies kühlt - bis hin zum Silberstrohhalm für Cocktails mit integriertem Filter gegen das Ansaugen von Crushed Ice.

nostalgische Handwerkskunst

Die eigentliche Handwerkskunst wird im Hintergrund dieses elegenten Verkaufsraumes durchgeführt - in den nostalgisch verwinkelten Werkstatträumen. Da wird noch wie vor Jahrhunderten gestanzt, gefeilt, geschliffen, gereinigt, geglänzt und galvanisch versilbert.

Der Silberschleifer, der hier mit seinem Zeitungs-Tschako werkt, ist eigentlich schon im Ruhestand. Trotzdem wird er immer wieder herangezogen, weil Fachkräfte, die die Kunst des Silberschmiedens beherrschen, rar geworden sind.

Umso mehr freut sich Jean-Paul Vaugoin über den einen Lehrling im Betrieb. "In unserer Branche hat seit viereinhalb Jahren keiner mehr abgeschlossen." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 9/10.12.2006)

Webtipp:

Vaugoin

  • Die Saliera als kostbare Kopie - Eine Original-Replika verschwand 2003
    foto: standard/ regine hendrich

    Die Saliera als kostbare Kopie - Eine Original-Replika verschwand 2003

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