Pius Strobl

5. März 2007, 12:13
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Schlüsselrolle für den ORF und die Grünen - Gediegene Optik war nicht immer sein Geschäft

So streichelweich wie nun erlebte man den bürgerlichen Zentralbetriebsratschef Heinz Fiedler selten, wenn man ihn auf den Grünen Pius Strobl (50) ansprach. Oft warf er ihm bisher vor, Strobl verquicke seine ORF-Funktion als Aufsichtsrat mit geschäftlichen Interessen.

Als Betriebsratschef der Generaldirektion muss Fiedler ab 1. Jänner 2007 auch Strobl vertreten. Dann wird aus dem Stiftungsrat der Grünen der Kommunikations- und Marketingchef der Anstalt. De facto ein Generalsekretär, vermutet auch Fiedler. Strobl weist das zurück. Dem politisch erfahrenen Strategen ist aber zweifellos bewusst: Für die Präsenz der Grünen in der Öffentlichkeit ist der ORF zentral.

"Sehe mich nicht als grünen Angestellten"

Strobl ist offiziell ihr Gründer: Das frühere SP-Mitglied, ein Exgendarm aus dem Burgenland, hat am 20. September 1986 den Antrag dafür beim Innenministerium eingebracht. Er war ihr Pressesprecher, später Bundesgeschäftsführer (und nebenbei spektakulärer Wehrdienstverweigerer). "Ich sehe mich nicht als grünen Angestellten, sondern als Angestellten des ORF", betont er nun. Das wird Fiedler gerne hören: Dieser spricht oft von der "ORF-Partei".

Auf seine Art gehört Strobl der ORF-Partei seit 1989 an, als er dort Aufsichtsrat der Grünen wurde (und beruflich 1990 die Politik mit dem Vorstand der Immobiliengruppe Conwert tauschte). Dank hervorragender Verbindungen auf allen Ebenen des Küniglbergs, dank seiner Beharrlichkeit gegenüber Generaldirektoren und andersfarbigen Mehrheiten galt er als effektivste Einmannfraktion im obersten ORF-Gremium.

Architekt der Wahlkoalition

Im Sommer bastelte Strobl heftig an der Wahlkoalition von Rot, Orange, Blau, Grün, die Monika Lindner in Pension schickte und Alexander Wrabetz zum General machte. VP-Klubchef Wilhelm Molterer vermutete also im neuen Job "Stimmenkauf", "verheerende Optik". Strobl spielte auch "eine dubiose Doppelrolle" als "Co-Veranstalter, Auftragnehmer des ORF und gleichzeitiger Stiftungsrat".

Gediegene Optik war nicht immer sein Geschäft: Als Strobl 1998 den ORF-Aufsichtsrat verließ, hatte er sich die Rechte für öffentliche Sportübertragungen vom ORF gesichert. Das erste "public viewing" in Europa, betont er. Den "Eistraum" auf dem Wiener Rathausplatz erfand er - mit ORF-Unterstützung. Er arbeitete für eine Agentur, die dem ORF Kundenbindungsprogramme strickt. Er war Geschäftsführer eines Telefondienstleisters, der Votings für den ORF abwickelt; vor seiner Rückkehr in den Stiftungsrat 2004, betont er. Das Radiocafé im Funkhaus führte er danach.

Nun will er alles verkaufen oder stilllegen, das Unternehmertum aufgeben. So auch seine PR-Firma, die Beteiligung an einer Lobbying-Agentur. Waisenknabe war Strobl nur, solange ihn seine Großmutter in Mattersburg aufzog. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.12.2006)

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