Essen gegen das Programm

von Redaktion  |  02. Mai 2007, 15:40
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Zuerst die Raucher, jetzt die Dicken: Wie man von einem Menschen mit Laster zur Bedrohung für die gesundheitsbewusste Gesellschaft wird - Eine Erzählung

"Nur du bist ein Risikofaktor", und ich sage, jawohl, ein richtig fetter Risikofaktor, der auf Krankenversicherung und Altersvorsorge und staatliche Cannabisprophylaxe verzichtet. Eine Erzählung von Paulus Hochgatterer.

Seit einiger Zeit stehe ich am Morgen um Viertel nach fünf auf. Das hat nichts mit meiner reduzierten Beweglichkeit zu tun, sondern einzig und allein mit der Langsamkeit, in der ich frühstücken möchte. Außerdem gehört mir auf diese Weise die Wohnung ganz allein, für eine knappe Stunde zumindest. Keine Eltern, keine Schwester; nur die Fische im Aquarium schauen dich an und denken sich was. Gestern habe ich die Waage getauscht. Die alte hat "120+" angezeigt. Ein kleiner Triumph, eine Zwischenetappe auf dem Weg nach oben. Zur Belohnung habe ich mir im Badezimmerspiegel freundlich zugelächelt. Das Display der neuen Waage ist leuchtend blau. Das irritiert mich ein wenig.

Warum ich inzwischen so fett bin, ist leicht erklärt. Es hat mit dem Ausstieg aus dem Programm zu tun. Natürlich gibt es Leute, die sagen, die Sache mit dem Programm bilde ich mir nur ein und überhaupt bin ich ein Fall für die Klapsmühle; denen entgegne ich dann: "Was gestern noch Phantasie war, ist heute Realität. Das war immer schon so!" Sie denken vermutlich: "Aha, er ist sich selbst nicht sicher!", und ich sehe, wie sie alle drinstecken bis zum Kragen und nicht die Spur einer Ahnung haben.

Tisch decken

Ich decke den Tisch, fein säuberlich mit dem bunten, italienischen Porzellan, Untertasse grün, Tasse blau, Teller ziegelrot. Meine Schwester nimmt immer alles in Gelb. Das passt zu ihr. Sie ist so ein gelber Mensch. Während jeder Mahlzeit steht sie zirka zwanzigmal auf und hopst herum. Dazu singt sie Lieder von Robbie Williams. Auf Dauer hält das keiner aus. Kakao, Orangensaft, Toast, ein kleiner Briochezopf, den ich mir im Rohr aufbacke, Rührei. Mein Rührei mache ich ganz speziell, aber das erzähle ich vielleicht später. Auf der Straße fährt ab und zu ein Auto vorbei, sonst ist es still. Nicht einmal die Amsel, die auf der Balkonbrüstung landet, sagt etwas. Anfang Dezember gehört das so, – draußen ist es finster, und die Amseln sprechen nicht mit dir.

Hütte im Wald

In einigen Jahren, wenn ich das alles durchgezogen habe und aus dem Programm ausgestiegen bin, werde ich um diese Jahreszeit in meiner Hütte sitzen, mitten in einem dieser Wälder, von denen keiner annimmt, dass jemand freiwillig drin wohnt, in Saskatchewan oder auf der Halbinsel Kola, und werde Rebhühner essen und Bohnen aus der Dose. Die wenigen Leute, die von mir wissen, werden sich vielleicht fragen, ob ich Bomben baue oder die Leichen junger Frauen vergrabe, und ich werde einfach nur dort sein und darüber nachdenken, worauf es wirklich ankommt.

Familie

Wenn knapp vor halb sieben meine Familie auftaucht, wird es ungemütlich. Mein Vater setzt sich keine Sekunde hin, und meine Mutter versucht mit gereiztem Blick zu rekonstruieren, was ich alles gefrühstückt habe. Wobei ich sagen muss, dass sie dieses "Du frisst uns arm!" sein lässt, seit wir getrennte Vorräte haben. Auf die Frage, woher das Geld für meine Einkäufe stammt, habe ich gesagt: "Von Nachhilfestunden", und auch damit war sie zufrieden.

Streitsubjekt

In der Straßenbahn passiert es mir seit einiger Zeit, dass mir die Leute einen Sitzplatz anbieten. Das fühlt sich komisch an, wenn du vierzehneinhalb bist, und die anderen sind zumindest dreimal so alt. Zuletzt sind zwei Frauen meinetwegen sogar in Streit geraten. "Er soll weniger essen", hat die eine gesagt, und die andere: "Ja, sehen Sie nicht, dass er eine Stoffwechselstörung hat!?", darauf die erste: "Ha, das schau ich mir an, der und ein Stoffwechsel!", und die andere: "Sie sind eine herzlose Person!" Ich hocke mich einfach hin, ohne Worte und mit gesenktem Kopf, denn so etwas ist nicht lustig, ganz egal, ob du einen Stoffwechsel hast oder nicht.

Fabian

Der Einzige, mit dem ich vernünftig über das Programm reden kann, ist Fabian. Er hat den Platz rechts neben mir und interessiert sich für Weiße Zwerge und gesteinsbildende Silikate. "Du bist eine irregulär kristalline Masse mit oben einem Kopf und unten dem Gang eines Außerirdischen", sagt er, und dann sage ich, Letzteres liegt daran, dass ich mir in einer Phase, in der ich noch vorhatte, das Programm auszutricksen, blöderweise angewöhnt habe, die Schuhsohlen dezentral zu belasten. "Wegen der Mini-G-Card?", fragt er, und ich sage ja, weil die Mini-G-Card, die seit der Programmeinführung in jeden zugelassenen Schuh eingearbeitet sein muss, mitten über dem Fußgewölbe sitzt und das Gewicht misst, und ich der Meinung war, wenn ich den Fuß über der Innenkante belaste, zeigt sie falsch an. "Und jetzt hast du X-Beine", sagt Fabian, und ich sage ja, zumindest vorübergehend.

Er schaut zufrieden, und dann kommt diese Sequenz zwischen uns, die in ihrer Stereotypie mehr wie Zähneputzen ist oder wie Adventkranzkerzenanzünden. "Gelt, Essen ist super?", fragt er. Ich sage ja, und er sagt: "Aber Sex ist noch superer." Darauf sage ich, dass er sich verhält wie ein typischer Wissenschaftler: Wenn ihnen die unmittelbare Anschauung fehlt, stellen sie irgendeine Theorie auf. Er lacht und sagt, ich muss mir keine Sorgen machen, er hat mein exzessives Essen noch nie als Triebbefriedigungssurrogat aufgefasst, sondern immer als die Darstellung einer ideologischen Position, als Essen gegen das System gewissermaßen. „Essen gegen das Programm“, sage ich dann, und er fragt mich, woher ich das Programm eigentlich so gut kenne. "Von meinem Onkel." "Wieso von deinem Onkel?"

Ich erzähle, dass mein Onkel Verfassungsjurist ist und über alle wichtigen Gesetzesdinge perfekt Bescheid weiß, unter anderem darüber, wer ins Programm kommt und wer nicht, und dass im Grunde erst einmal alle ins Programm kommen, denn den Menschen drängt es von Natur aus nach der Gemeinschaft, und der Gemeinnutzen ist im Streitfall immer höher zu bewerten als der Individualnutzen. So sagen zumindest die Wirtschaftskammer und die Sozialversicherung, und die müssen es wissen, denn sie haben das Programm erfunden. Da das Gesetz per definitionem keine Willkür kennt, also auch das Programm nicht, müssen Risiko und Nutzen operationalisierbar gemacht werden, sagt mein Onkel, und dafür gibt es neben der Nanotechnologie die Formel. Die Formel stellt sicher, dass nur derjenige aus dem Programm eliminiert wird, bei dem das Risiko den Nutzen überwiegt. "Nur die wirklich Nutzlosen und die echten Risikofaktoren fliegen hinaus", sage ich, Fabian sagt: "Wir an dieser Schule sind alle Nützlinge, nur du bist ein Risikofaktor", und ich sage, jawohl, ein richtig fetter Risikofaktor, der auf Krankenversicherung und Altersvorsorge und staatliche Cannabisprophylaxe verzichtet und, seit er die Formel kennt, nur ein Ziel hat, und dieses Ziel liegt mitten im Wald.

Vacherin

Irgendwann steht dann Reif in der Klasse und holt mich an die Tafel. Er tut das ständig, obwohl er weiß, dass ich in Mathematik besser bin als er. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass er selbst es schick findet, diese Fünf-Hauben- oder Drei-Sterne-Kreationen zu sich zu nehmen, die mehr Medikamente sind als Nahrungsmittel. Meine Auffassung von Essen scheint ihn jedenfalls zu bedrohen. Ich stehe dann da, rechne zum Beispiel ein Kreisintegral, und er sagt: "Laurenz, du siehst aus wie ein Vacherin, der eine Woche über der Zeit ist." Als ich darauf nicht antworte, fragt er: "Weißt du überhaupt, was ein Vacherin ist?" Ich sage immer noch nichts und stelle mir vor, wie bei Reif alles am richtigen Platz sitzt: In seiner rechten Schlüsselbeingrube, direkt unter der Haut, der I-Chip, über den sämtliche Sende- und Empfangsvorgänge laufen, in seinen beiden unteren Hohlvenen die Biosensoren für die Blutbefunde, Triglyzeride, Gamma-GT, und so fort, und in seiner Harnblase der Suchtmitteldetektor. Er hat von all dem und davon, wie das Programm sein Leben bestimmt, nicht die geringste Ahnung.

"Ein Vacherin ist ein runder, französischer Weichkäse", sagt er, "der mit jedem Tag mehr auseinander läuft. Irgendwann fängt er an zu stinken." Ich mache den Schwamm feucht, lösche das Kreisintegral von der Tafel und schreibe groß hin: KG = IQ. "Was soll das sein?", fragt Reif, und seine Abneigung schwappt schmutzig an mir hoch. "Die Formel für den Vacherin", sage ich. Dann drehe ich mich um und gehe.

Wenn dein Körpergewicht zumindest gleich hoch ist wie dein Intelligenzquotient, fliegst du aus dem Programm, so ist es. Das klingt nicht allzu schwierig, aber bei den Leuten, die in so eine Schule gehen wie ich, kommen da einige Kilos zusammen. "Du kannst immer noch so lange mit dem Kopf gegen die Wand rennen, bis du zweistellig bist", sagt Fabian, aber das ist keine wirklich sympathische Variante.

Hütte im Wald

Ich gehe langsam in Richtung Zentrum. Manchmal schaut mich jemand kurz an. Möglicherweise fällt demjenigen auf, dass ich vorne die Jacke nicht mehr schließen kann. Mir ist das egal. Es beginnt zu schneien. Ich denke an meine Hütte im Wald, an einen schwarzen Holzofen und an Bohnen aus der Dose. Jetzt könnte ich vielleicht erzählen, wie ich mein Rührei mache, aber es freut mich nicht. Nur so viel: Gewürfelte Tomaten sind drin und eine Chilischote. Hintennach spüre ich jedenfalls, wie diese angenehme Spannung von innen gegen meine Hülle drückt, oben und unten und bis in die Finger hinein. Für einen Moment weiß ich genau, wer ich bin. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2006)

Zum Autor: Paulus Hochgatterer ist Schriftsteller und Kinderpsychiater. Er lebt in Wien. Zuletzt erschien von ihm der Roman "Die Süße des Lebens" im Verlag Deuticke.
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saxifraga
18.04.2007 18:58

was ist eigentlich wirklich, nüchtern betrachtet, dagegen einzuwenden, dass leute ihr risikoverhalten moderat über dem standard selber absichern? für meine freizeitrisiken muss ich mir auch eine private unfallversicherung leisten und wenn ich besonders riskante gegenstände zuhause habe, auch eine höhere haushaltsversicherung und für ein stärkeres auto zahl ich auch mehr. also, warum sollten raucher und dickleibige nicht einen kleinen aufschlag auf ihre krankenversicherung zahlen? dieses allgemeine aufschreien dagegen scheint mir doch sehr unüberlegt angesichts der massiven kosten, die rauchen und fettleibigkeit verursachen. hat ja nichts mit strafe zu tun, sondern nur mit versicherungsmathematik, wie beim auto, der haushaltsversicherung etc

chelene chirsch
19.04.2007 10:28

... weil sie damit das solidaritätsprinzip komplett zum kippen bringen.

warum sollte man etwa zustimmen, ihnen einen bypass zu finanzieren, wenn sie nicht mehr arbeiten ? oder eine niere ? teure krebstherapien...

warum sollten raucher überhaupt pensionen für andere einzahlen ?

sie sehen, am meisten würden sie wohl selbst unter der tollen idee leiden.

saxifraga
19.04.2007 17:14

sie haben mich nicht verstanden oder wollen mich missverstehen. die rede ist von MODERATEM aufschlag, der niemanden an den rand des ruins bringt. ihre zweite anmerkung ist einfach nur dumm. ich zahle auch ein, wenn ich nicht arbeite. schon was von pflichtversicherung gehört? ihre dritte bemerkung hat mit dem thema überhaupt nichts zu tun. alles in allem: eine völlig unüberlegte wortmeldung

chelene chirsch
20.04.2007 08:20

es gibt 2 möglichkeiten:

v1, sie haben nicht kapiert, das das wahre problem der sozialversicherer ausstehende beiträge von firmen sind - und wollen diese beim opfer der volkswut einholen. das ist recht dumm.

v2, sie meinen, weniger zahlen zu müssen. irrtum - denn im fall einer op bekommen sie die kosten nachverrechnet und leben fortan in einer teureren risikoklasse.

in beiden fällen tun sie sich keinen gefallen.

das sie angesichts des obigen die rentabilitätsfrage nicht verstehen, verwundert nicht - ich empfehle hier einen blick in länder, wo schon heute gespart wird. da sind operationen ab einem gewissen alter eben nicht rentabel genug.

also erweitern sie mal ihren horizont, bevor sie knieschüsse fordern.

militanter nacktposter
11.12.2006 00:27
hatz gegen raucher?

raucht hr hochgatterer?

kiwi99
11.12.2006 10:59
Kompliment

Hab den Text schon im Wochenendstandard gelesen und muss sagen, er ist wirklich sehr gut.

militanter nacktposter
11.12.2006 15:33
wo ist der zusammenhang?

fettleibige sind sind arme hunde, die man gerne unterstützt.

raucher hingegen verpesten anderen leuten die atemluft. ich kann hier kein mitleid aufbringen:
die stigmatisierung der raucher ist selbstgemacht, denn wer wegen seines "genusses" anderen wissentlich schadet, macht sich zwangsläufig unbeliebt.

Eristoferl
10.12.2006 19:59
Der Text ist gutt, ...

schlicht und einfach aufgezeigt wie es weitergehen könnte.

metacomet
10.12.2006 18:50
@threonin

diese ganze raucherhetze grenzt bereits an verhaltensauffälligkeit und ist zutiefst unglaubwürdig, damit entsteht nämlich der eindruck jeder nichtraucher ist einer, der in keinsterweise direkte oder indirekte gefährdung anderer betreibt und macht sich so ein wenig zum märtyrer,........wieviele nichtraucher fahren z.b. mit ihren dieselbetriebenen kfz (ohne partikelfilter) und vielleicht auch noch dann und wann alkoholisiert...haben einen öl-oder holzofen,etc.etc....im unterschied zu einem freiwilligen lokalbesuch, bei dem sich ein nichtraucher vor dem ungesunden passivrauchen schützen kann, müssen nämlich alle auf die straße und in die öffentlichkeit, wo sie ebenfalls ungesunden einflüssen ausgesetzt sind....

Max Meier
11.12.2006 07:50

Sie sind Raucher, das liest man zwischen den Zeilen.

Gibril
11.12.2006 08:13

Und? Darf man jetzt nicht mehr rauchen??

The Unsinkable Rat
11.12.2006 08:42

nein, darf man nicht, das ist nicht politisch korrekt!

Thomas Doppler
10.12.2006 15:53

Da müssen wir durch um zu erkennen dass "gutgemeinte" Regelungswut des Staates am Ende eine Diktatur schafft in der alle gleich arm sind. Aber Haupstache keinem geht es besser;-)

Thomas Haele
10.12.2006 13:17
thema verfehlt

der titel müsste wohl eher lauten: essen gegen die vernunft und die gesundheit

Threonin 
10.12.2006 13:05
Der Unterschied:

Wenn ich mit jemand am Tisch sitze, der Raucht, gefährdet er meine Gesundheit.

Wenn ich mit jemand am Tisch sitze, der Fett ist, und viel isst, gefährdet er seine Gesundheit.

Wie die Krankenversicherungen auf solch ein Risikoverhalten reagieren, ist eine andere Sache und wird wohl auch gesellschaftlich entschieden werden. Auf Grundlage von sozialem Verhalten. Ob in einem System mit Pflichtversicherung als umfassenden Krankenversicherungsschutz, Risikoverhalten sozial ist, wird immer wieder neu bewertet werden müssen.

presonic
10.12.2006 13:50
schöner text

es lebe die freiheit (heißt, die größtmögliche freiheit, die ein mensch heutzutage haben kann. die ist nicht groß, aber meistens doch groß genug)

Aufreger
10.12.2006 11:06
Das regt mich auf...

den Menschen jegliches Suchtverhalten bzw. jegliches "Fehlverhalten" abzugewöhnen wird nicht funktionieren.

Aber man kann sehr wohl Menschen mit gesteigerten bzw. exzessivem Risikoverhalten zwingen, sich selbst zu versichern. Wer raucht soll selbst eine Krankenversicherung abschließen.

Das setzt aber auch voraus, das wirklich jeder weiß z.b. über die Schulbildung, was gewisse Verhaltensweisen bewirken.

Wenn ich z.b. mit dem Fallschirm abspringe, muss ich mich schließlich auch selbst versichern.

chelene chirsch
10.12.2006 16:18

und nun denken sie ihren gedanken zu ende: als raucher kann man dementsprechend problemlos geringere pensionsbeiträge fordern....

die folgen ? jeder zahlt sich im endeffekt alles selbst, leisten kann sichs keiner. und genau da geht es momentan hin.

mukl
10.12.2006 18:48

da muss ich ihnen leider zustimmen.

aber, ich verstehe nicht, warum (vor allem von rauchern) immer wieder erfunden wird, dass rauchen verboten werden soll. jeder kann rauchen so viel er will, nur halt nicht dort, wo er andere belästigt.

chelene chirsch
13.12.2006 08:09

die aufregung der raucher ist ja zwiegeteilt:

1, sie sollen für alles zahlen, aber erleichterungen gibts keine - und das nennt man dann "gerechtigkeit"... *rofl*

2, sie sagen selbst "nicht rauchen, wo es andere belästigt". wenn ich jetzt irgendwie konstruiere, das ich in meinem garten bei günstigem wind ihre kinder "belästige", greifen sie mit sowas bereits massivst in meine eigentumsrechte ein. und das ist weder auch nur ansatzweise zu befürworten, noch zu verteidigen.

es läuft ja im endeffekt eh nur auf prohibition und geldmacherei aus, wenn wir uns ehrlich sind interessieren die eigentlichen interessen der nichtraucher doch keinen.

mukl
13.12.2006 13:35

also 2. kommt mir schon sehr wackelig konstruiert vor. aber im grunde haben sie wahrscheinlich leider recht.

ich bin aber trotzdem der meinung, dass in restaurants nicht geraucht werden sollte und dass sich keiner den ersten schritt machen traut. daher: ein temporäres (5jähriges?) rauchverbot um die "tradition" zu durchbrechen und dann sich den markt entwickeln lassen.

chelene chirsch
13.12.2006 13:46

die "wackelige konstruktion" haben auch viele geglaubt, als es hiess, das die amis jobs nur an nichtraucher vergeben - ist aber mittlerweile bei einigen firmen gängige praxis.

nichtraucherlokale gibt es übrigens - warum muss man mit gewalt hier pressen ? mir persönlich reichts schon, das hdtv, drm und der gesundheitswahn im gesamten "gepresst" werden, da muss nicht noch weiter eingegriffen werden, nur um des bevormundens willen.


sind halt alles viele "aber" und "theoretisch", mit recht praktischen folgen. wenn die nicht wären - gerne, solange es ein kompromiss und nicht bevormundung wäre. aber so ?

jörg fidel
10.12.2006 10:20
irgendwann

wird der tag kommen, an dem man bestimmten menschen vorwirft, dass sie IN SUMME die allgemeinheit mehr kosten als sie selber einzahlen.

vor diesem tag fürchte ich mich jetzt schon.

(aber nicht, weil ich betroffen sein könnte, ich gehöre eher zu denen, die mehr einzahlen).

RH84  
10.12.2006 13:51

Irgendwann wirds es sogar soweit sein, dass sogar die Menschen als Summe mehr kosten als bringen... dann müssen harte Maßnahmen her, um das System zu retten!

Chanel3
09.12.2006 22:35
Und wieder Mark Twain dazu..

"Nichts bedarf so sehr der Reform wie die Gewohnheiten der Mitmenschen."

Langsam frage ich mich, ob das die Rache dafür ist, daß alle traditionellen Diskriminierungsgruppen den Leuten langsam abhanden gekommen sind, weil's gesetzlich verboten wurde? Mich betrifft die neue Hatz zwar nicht, aber das macht sie nicht weniger widerlich.

Laßt sie doch fr/essen - wer sagt, daß jede/r in einer Welt uralt werden will, in der schon 45jährige rausgeschmissen werden?

Ich plädiere endlich für eine Ahndung der Arbeitssüchtigen und Zwangsjogger! Sind auch massiv gestört und richten sich auch zugrunde, auch wenn's vorübergehend die Dividenden steigern kann.

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