Wein im Stift

22. Jänner 2007, 16:42
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In Tradition kann man erstarren oder daraus etwas Neues entstehen lassen. Die Benediktiner von Göttweig haben sich für den zweiten Weg entschieden

Benediktiner-Patres sehen selten den raschen Hype als Ziel. Also legten sie auch die Neuverpachtung der stiftseigenen Rebflächen an den Hängen des Göttweiger Bergs langfristig an. Das war durchaus im Sinne der Gesellschafter der "Weingut Stift Göttweig GmbH", welche die 26 Hektar jetzt auf 25 Jahre gepachtet haben. Wunsch der Patres ist es, den alten Glanz des Namens "Stift Göttweig" wieder aufleben zu lassen. Mit Fritz Miesbauer an der Spitze will man ein Weißweingut aufbauen, das in der Top-Liga spielen soll.

Miesbauer, "als Privatperson" an der GmbH beteiligt, wird weiterhin auch für das "Weingut Stadt Krems" verantwortlich sein, das er seit 2002, nach seinem Abgang bei den "Freien Weingärtnern Wachau", auf völlig neue Schienen gestellt hat. Er steht für klassische Weine, die Sorten und Lagen repräsentieren und ohne technisches Chichi auskommen. Stift Göttweig und Stadt Krems verarbeiten beide im Kremser Weingut, Vinifizierung und Vertrieb werden jedoch streng getrennt. Die Stadtgemeinde Krems vom Projekt zu überzeugen, "war nicht leicht", so Miesbauer. Schlussendlich stieg sie als Fünf-Prozent-Gesellschafter mit ein.

Seit der Stiftsgründung im 11. Jahrhundert war Wein wirtschaftliche Grundlage des Stifts. Bereits im 14. Jahrhundert erließ man "Qualitätsvorschriften": Rebschnitt, Zahl der Rebstöcke und Unkrautbekämpfung wurden per Urkunde festgelegt. Und ein Hofmeister kontrollierte die Weinhauer. Das Stift unterhielt mehrere Lesehöfe, so z.B. in Krems-Stein, und besaß das landesfürstliche Privileg des Tavernen-Ausschanks. 1730 begann man mit der Flaschenfüllung. Weinbau brachte so viel ein, dass man sich nach dem Großbrand 1718 sogar einen "Stararchitekten", Johann Lucas von Hildebrandt, für das neu zu errichtende Stift leisten konnte.

Die beachtliche Qualität des Rebbestandes, wie er von Petra Unger vom Weingut Dr. Unger mit Ende 2005 übergeben wurde, "war mit ein Grund, diesen Vertrag abzuschließen", so Miesbauer. Ungers Vater Wolfgang, der seit 1987 die Flächen des Stifts zusätzlich zu seinen eigenen gepachtet hatte, investierte einiges in Keller und Neupflanzungen. Nach seinem Tod machte Petra als studierte Önologin weiter, 2005 steckte sie aus familiären Gründen zurück. Bis zum Jahrgang 2005 kommen "Silberbühel" und "Gottschelle" vom Weingut Dr. Unger. Als "Stift Göttweig" füllt man ab heuer ab.

Der erste Wein von "Stift Göttweig" am Markt ist ein leichter, angenehm balancierter Grüner Veltliner "Messwein", der gemäß Kirchenrecht "naturrein und aus Weintrauben" ist, ergo nicht "aufgezuckert" oder aromatisiert. Das Potenzial der Lagen erkennt man an Riesling- und Veltliner-Jahrgängen früherer Jahrgänge, die durch Frische, Ausgewogenheit und Schmelz auffallen. So zeitgemäß man Weinidee und Marketing anlegt, so "barock" wünschen sich Patres und Gesellschafter die Ausstattung: Motive für Etiketten und Kapsel lieferte das Fresko in der Kaiserstiege, das Paul Troger 1739 gemalt hat. (Luzia Schrampf, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Dezember 2006)

Dies ist der erste Teil einer Serie über neue Weingüter und junge Betriebe, die im Weinguide von Viktor Siegl und Rudolf Steurer "Beste Weine Österreichs 2006 / 2007" angeführt werden, der soeben im Ueberreuter Verlag in Kooperation mit dem STANDARD erschienen ist. Weitere Betriebe werden einmal monatlich im RONDO vorgestellt.
  • Artikelbild
    foto: stift göttweig
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