Streichquartett und Jazz

19. Jänner 2007, 17:55
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John Patitucci: "Line By Line"

Seit den neunziger Jahren ist der Bassist John Patitucci sowohl am akustischen als auch am elektrischen Bass einer der wichtigsten Vertreter des Instruments. Sein virtuoser Legato-Stil, sein klarer Ton und seine instrumentale und stilistische Vielseitigkeit sind beeindruckend. Schon Anfang der Achtziger Jahre ist Patitucci ein gefragter Studiomusiker; größere Bekanntheit in der Jazzwelt erlangte er 1985 im Zuge seiner fünfjährigen Zusammenarbeit mit Chick Corea. Seit dem Jahr 2000 ist Patitucci gemeinsam mit Danilo Perez (Piano) und Brian Blade (Schlagzeug) Mitglied im Quartett von Wayne Shorter.

Neben der Arbeit mit Wayne Shorter wollte Patitucci wohl etwas Ruhigeres probieren. Das Album "Line By Line" wirkt auch eher meditativ und sanft, manchmal aber auch gewagt und spiegelt Patituccis vielseitige musikalische Identität wieder.

Patitucci spielt mit unterschiedlichen Besetzungen - wechselt zwischen Kontrabass und sechssaitigem E-Bass. Im Trio ist er mit dem Gitarristen Adam Rogers und dem Schlagzeuger Brian Blade auf den Nummern "The Root", "Circular", "Dry September" und "Evidence" von Thelonious Monk zu hören. Für die Nummern "Agitato", "Folklore" und "Line By Line" erweitert er das Trio um den Tenorsaxophonist Chris Potter.

Brian Blade ist schon seit einigen Jahren einer der interessantesten Jazz-Schlagzeuger der jüngeren Generation. Er hat einen sehr leidenschaftlichen Zugang zum Instrument und es ist ein wahres Vergnügen, ihm auch live bei der Arbeit zuzusehen. Blade verleiht Patituccis Kompositionen die rhythmische Komplexität und er ist es oft, der die Stücke des Trios mit seinen Akzenten interessant hält, was besonders bei der Nummer "Circular" zu hören ist.

"Nana" spielt Patitucci im akustischen Duo mit Rogers und auf "Jesus Is On the Mainline" und "Tone" ist er als Solist zu hören. Für die Kompositionen "Theme and Variations for 6-String Bass and Strings", "Incarnation" und "Soaring" bezieht Patitucci ein Streichquartett (zwei Violinen, eine Viola und Cello) ein, das von seiner Frau Sachi am Cello gleitet wird.

Patitucci studierte auch klassischen Bass und komponierte Stücke für klassische Streich- und Kammerorchester. Die Einbeziehung eines Streichquartetts in den Jazz zeigt auch sein Interesse für "Third Stream", eine in den 1950er Jahren von dem US-amerikanischen Komponisten Gunther Schuller initiierte so genannte "dritte Strömung", die eine Verbindung zwischen europäischer Musik und modernen Jazz darstellen sollte.

Für Patitucci widersprechen sich Jazz und klassische Musik nicht und "Line by Line" ist ein durchaus gelungenes Beispiel für die Einbeziehung eines Streichquartetts in den Jazz. Neben Patituccis hinlänglich bekannten instrumentalen Fähigkeiten am elektrischen und akustischen Bass zeigt "Line By Line" auch den hervorragenden Komponisten. (Georg Bacher)

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