Hintergrund

Nagorny-Karabach: Ältester der ungelösten Kaukasus-Konflikte

Redaktion, 20. Juli 2007, 09:47
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    "Präsident" Arkady Gukasyan

Umstrittenes "Verfassungsreferendum" am Sonntag - Armenien und Aserbaidschan reklamieren Territorium

Eriwan/Baku/Wien - Der Streit um die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörende, armenisch kontrollierte Enklave Nagorny-Karabach ist einer von vielen ethnischen Konflikten zwischen ehemaligen Sowjetrepubliken im Kaukasus - und der älteste. Die bisherigen Bemühungen unter Ägide der OSZE seit 1992 haben zu keiner Lösung geführt. Die Regierungen in Eriwan und Baku halten an ihrem territorialen Anspruch auf Nagorny-Karabach unvermindert fest.

 

Vor Kurzem fand das dritte Treffen auf Präsidentenebene in diesem Jahr statt. Die Präsidenten Armeniens, Robert Kotscharian, und Aserbaidschans, Ilham Alijev, trafen am 28. November am Rande des GUS-Gipfels in Minsk zusammen. Alle Aspekte des Karabach-Problems seien nun durchbesprochen worden, sagte Alijev danach. Baku fordere eine Lösung "innerhalb der territorialen Integrität Aserbaidschans". Der Bevölkerung der Exklave könne ein hohes Maß an Autonomie gewährt werden.

Kein Teil Aserbaidschans

Armenien sieht dies freilich anders. Es betrachtet Nagorny-Karabach, das vor dem 1988 ausgebrochenen Krieg mehrheitlich armenisch besiedelt war und heute praktisch zur Gänze armenisch besiedelt ist, als integralen Bestandteil seines Staatswesens. Der Botschafter in Österreich, Ashot Hovakimian, sagte kürzlich zur APA: "Es soll nicht wieder ein Teil Aserbaidschans werden." Die Regierung in Eriwan befürworte ein Referendum. "Das Volk hat ein Recht auf Selbstbestimmung." Der Krieg um Nagorny-Karabach endete 1994 mit einer Feuerpause. 30.000 Menschen starben, eine Million Aserbaidschaner flüchteten ins Mutterland.

Die Republik Armenien hat seit dem Waffenstillstand von 1994 viel in das nur durch einen acht Kilometer langen, militärisch gesicherten Korridor mit Armenien verbundene Gebiet investiert. Der armenische Präsident Robert Kotscharian stammt selbst aus Nagorny-Karabach. Das Gebiet "war, ist und wird armenisch sein", lautet seine Position. Aserbaidschan, das den Krieg um das Gebiet, das 20 Prozent seines Territoriums ausmachte, zwar militärisch verloren hat, hofft dagegen auf das Faktum, dass es das Völkerrecht auf seiner Seite habe.

Das Außenministerium in Baku erklärte anlässlich der für Sonntag geplanten "Volksabstimmung über die so genannte Verfassung" in Nagorny-Karabach: "Diese Tat verletzt die Verfassung von Aserbaidschan und Grundsätze des Völkerrechts und beeinträchtigt den laufenden Friedensprozess." Aserbaidschan werde "solche illegale Taten Armeniens, die auf Praktiken des fait accompli beruhen", niemals akzeptieren.

"Ethnische Säuberungen"

Der Karabach-Konflikt begann gegen Ende der Sowjet-Ära 1988 mit Demonstrationen, in denen die Vereinigung mit der Republik Armenien gefordert wurde. Ab 1991 kam es zu bewaffneten Zusammenstößen. 1993 war das schlimmste Kampfjahr, mit Massenvertreibungen und Plünderungen. Menschenrechtsgruppen sprechen ab 1993 von einer Internationalisierung des Konflikts, weil Truppen Armeniens am Vormarsch der Karabach-Tuppen in aserbaidschanische Gebiete beteiligt waren. "Human Rights Watch" konstatierte beiderseits schwere Menschenrechtsverstöße und "ethnische Säuberungen" durch die Armenier. 1992 erklärte der "Schwarze Garten" seine Unabhängigkeit.

Das ehemals autonome Gebiet Nagorny-Karabach hat eine Ausdehnung von 4.400 Quadratkilometern und rund 190.000 Einwohner. Hauptstadt der gebirgigen Enklave im Kaukasus ist Stepanakert. Seit der Ausrufung der "Unabhängigkeit" gab sich das Gebiet eine Verfassung, ein Parlament und eine eigene Regierung. 2002 wurde Amtsinhaber Arkadi Gukassian als "Präsident" wiedergewählt. (APA)

Igor Gassner
11
11.12.2006, 07:30
Die GRenze wurde von Stalin gezogen

da er die Armenier für ihren Unabhängigkeitskampf gegen die damals junge UDSSR bestrafen wollte. Da Karabach nur durch Bergen von Armenien getrennt ist kann man nicht wirklich von einer Enklave sprechen eigentlich ist es mehr eine Art Südtirol der Armenier.

V. S.2
11
11.12.2006, 10:13
Halbe russische Wahrheit

Karabach war bis zur russischen Eroberung und Siedlungspolitik 1828 zu 91 % von Aseris bevölkert. Erst durch die Siedlungspolitik der Zaren, die einen christlichen Vorposten zum Osmanischen und Persischen Reich schufen, wurde Karabach zu einer "armenischen Enklave".

Zeev Jabotinsky
12
11.12.2006, 10:46
halbe Wahrheiten ?!

auch bei ihnen, vs2. Karabach war ursprünglich nicht von aseris bevölkert. wenn man nämlich in der historie zurückgeht, was sie anscheinend gerne machen (mal im Ernst: kann der zustand von vor 1828 wirklich noch relevant sein für die Politik des Jahres 2006?!), so stellt man fest, dass Bergkarabach mindestens seit dem Mittelalter mehrheitlich armenisch besiedelt war und dem christlich-armenischen Kulturkreis zugehörig war. Erst in Folge der arabischen Besetzung im 8. Jahrhundert stand Karabach unter der Kontrolle verschiedener vorwiegend islamischer Völker, z. B. Kurden, Araber, Lesgier, Perser und ins Niederkarabach zugewanderten nomadischen Turk–Stämme. Wenn ihre Seite revisionistisch ist, können wir das auch.

V. S.2
21
11.12.2006, 14:33

Nur mit dem Unterschied, dass man Armenier systematisch in Berg-Karabach angesiedelt hat.

1918 war der aserische Bevölkerungsanteil im russischen Gouvernement Eriwan schon auf weniger als die Hälfte abgesunken.

Warum?

Und was hat "General Andranik" in Zangesur so alles verbrochen?

Zählen Sie mal auf...

Zeev Jabotinsky
34
8.12.2006, 17:36
ABSICHTLICH VEERGESSENE MASSAKER?!

DER WAHRHEITSLIEEBE HALBER HÄTTE DERSTANDARD.AT ABER AUCH ERWÄHNEN KÖNNEN, DASS ES 1988 NICHT BLOSS ZU DEMONSTRATIONEN KAM, SONDERN ZU ANTI-ARMENISCHEN POGROMEN IN DER ASERBAIDSCHSNISCHEN STADT SUMGAIT MIT DUTZENDEN ARMENISCHEN OPFERN, WORAUFHIN DIEE VERTREIBUNGEN UND SOG. EHTNISCHEN SÄUBERUNGEN AUF BEIDEN SEITEN BEGANNEN. AUSSERDEM SOLANGE ALIEV IN ALLER ÖFFENTLICHKEIT VOM "VÖLKERMORDMÄRCHEN" SPRICHT, SOLLTE ARMENIEN ÜBERHAUPT NICHT MIT DEM TÜRKEI-FREUND SPRECHEN.

V. S.2
42
11.12.2006, 10:11
Wieder einmal die armenische halbe Wahrheit

Vor Sumgait wurden bereits Aseris aus Armenien vertrieben.

Es ist wirklich unerträglich, wie sich Armenier am unschuldigen Opfernarrativ festklammern.

april
00
25.6.2010, 22:02

das stimmt nicht

V. S.2
22
8.12.2006, 15:55
Absichtlich vergessener Krieg

Außer in russischen Nachrichtenagenturen, scheint man diesen Konflikt absichtlich unter den Teppich zu kehren, gerade weil Armenien immer wieder in den Schlagzeilen auftaucht, nämlich als Faustpfand gegen die Türkei. Es handelt sich hier jedoch um zwei völlig verschiedene Themen.

Von daher ist es dem Standard hoch anzurechnen, dass diese Zeitung immer wieder aus der Region berichtet. Es gibt nicht viele Zeitungen, die die „ethnischen Säuberungen“ seitens der armenischen Einheiten ansprechen. Das Thema Berg-Karabach hätte schon längst an ein UN-Kriegsverbrechertribunal überwiesen werden müssen.

Ich hoffe, dass der Standard auch in Zukunft über diesen „vergessenen Krieg“ berichten wird.

Joseph EU
00
Ich stimme Ihnen.....

völlig zu - und die unseelige Verwendung des Wortes "Nagorny" in diesem Zusammenhang involviert die Russen wo sie eigentlich gar nichts zu sagen haben....
Berg Karabach ist die im Deutschen richtige Bezeichnung- punkt !

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