Die neuesten Kreationen für Herbst/Winter 2000/2001 aus Paris

20. Juli 2000, 13:26
ANSICHTSSACHEN
Foto=APA
Gallianos Kollektion für Dior

Foto=APA
McQueens Kollektion für Givenchy

Foto=APA
Versace in Paris

Foto=APA
Gaultiers Kreationen

Foto=APA
Karl Lagerfeld für Chanel

Foto=APA
Christian Lacroix

Foto=APA
Jean-Charles de Castelbajac

Foto=APA
Emanuel Ungaros Herbst/Winter Kollektion

Paris - Das beängstigende Gewühl vor dem Hause Dior war der passende Auftakt für ein Defilee voll beklemmender, dekadenter Ästhetik à la Fellini oder Visconti. Wie immer gab sich John Galliano provokant - diesmal rechnete er vor allem mit Kirche und Ehe ab: Ein Brautpaar wurde von einem goldüberladenen Bischof beweihräuchert - so wie die zweifelhaften Gäste aller Altersstufen in kunstvoll schräg genähten Satinroben, Fantasieuniformen, Fracks aus einer seltsam verzerrten Belle Epoque.

Wie aus einem Totentanz die gruselige Stickerei in Form eines Skeletts! Was wohl der Ehrengast Steven Spielberg davon gedacht hat?

Etwas zeitgemäßer die wilde Techno-Party bei Givenchy. Zu den tanzenden Leder-Boys und Hippies gesellten sich die Models in möglichst schrillen, bauchfreien, glitzernden, hautengen Overalls und Hosenanzügen, wie man sie bei Love Parades sehen kann - durchzogen von blinkenden optischen Fasern, besetzt mit glitzernden Pailletten in Leopard-, Python-, Schildpattmuster, bedruckt mit schillernden Hologrammen aus metallisch glänzendem Leder, Gold- und Silberlurex oder aus mit Strass besetztem Tüll, dazu "Kriegsbemalung" in Silber.

Dagegen nahmen sich die sonst so ausgeflippten Kreationen von Donatella Versace geradezu bürgerlich aus. Tragbare Haute Couture mit kunstvoll drapierten, plissierten, asymmetrischen Mousseline-Roben in Pastell oder psychedelisch bedruckten à la 70er-Jahre mit Straußenfedern - aber auch schlichten Kaschmir-Kostümen mit raffiniert verknoteter Jacke und Trapezrock für prominente Gastgeberinnen in Saint Tropez, Miami oder New York.

Der meiste Applaus galt Jean-Paul Gaultier, der mit eleganter Schlichtheit und kunstvollen Details die typische Pariserin der 30er-Jahre, die berühmten Malermodelle von Pigalle oder Montparnasse wieder aufleben lässt - mit kleinen behüteten Köpfchen à la van Dongen, viel schwarzem Tüll über bemalten oder bestickten Satin-Roben oder schwarzen Hosenanzügen.
Linda Koreska

Share if you care.