Sitzungsbericht

18. April 2007, 15:39
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Das Einheitssofa, auf dem man einfach nur sitzen kann, hat ausgedient - Die Sofas und Sitzlandschaften der neuesten Generation müssen mehr können: skulpturale Formen und neue Variabilität sind die neuen Trends

Nachdem Muster und Ornamente jahrzehntelang zu den absoluten Don'ts in der Designszene gehörten, wird jetzt wieder darauf abgefahren. Das trifft zwar nicht auf alle Hersteller zu, aber selbst ein für klare Linien und unifarbene Stoffe bekannter Polstermöbler wie COR bekennt sich nun zu gemusterten Oberflächen. Spannend wird es, wenn sein sachlicher Klassiker "Conseta" durch die Blumenranken des holländischen Designers Tord Boontje und neue Zusatzfunktionen zum abwechslungsreichen Sitzen und Liegen belebt wird. "Wir möchten die Faszination vermitteln, wie das Spiel mit Textilien gewohnte Formwahrnehmung ändern kann, wie Stoffdessins Möbel überraschend anders in Szene setzen können", sagt Berthold Strüve von COR.

Einen weniger dezenten Gestaltungsansatz hat Moooi auf Lager. Marcel Wanders lang gestrecktes "Naked Sofa" kann mit einer Reihe von Stoffvariationen bekleidet werden, die die Grenze zum Kitsch mit lauten Farbkombinationen und aufdringlichen Mustern bewusst überschreiten. Beim Modell "Snowwhite & the seven giants" verzieren sieben große Knöpfe und eine knallrote Schleife die blumengemusterte Stoffbespannung. Für "Royal Blood" kombiniert Marcel Wanders glänzend braunen Stoff mit rosa Kissen, die königliche Dekors aufzuweisen haben.

Assymetrische Ausrichtung

Futuristisch und skulptural präsentieren sich dagegen das Sofa "RPH" von Cappellini und die Sitzlandschaft "Circle" von Walter Knoll. Beide Modelle stehen ohne Füße direkt auf dem Boden. Ein im Inneren verborgenes Metallgestell hält die asymmetrische Ausrichtung von "RPH" in Form. Der Möbelkorpus besteht aus Polyurethanschaum mit einer breiten Sofaseite, die sich bis zum gegenüberliegenden Ende stark verjüngt. Seine Seitenteile heben sich durch eine grellrote Farbgebung von der schwarz-weißen Bespannung ab. Durch starke Farbkontraste wie Orange / Grau oder Mint / Gelb fällt auch die geometrisch angelegte Sitzskulptur "Circle" auf. Sie kann aus Viertelkreiselementen in konvexen und konkaven Formen individuell aufgebaut und beliebig verlängert werden. Die Neigung und Sitztiefe verändern sich fließend vom aufrechten Sitzen bis zum entspannten Liegen. Das Endlosmöbel eignet sich besonders für große Räume wie Bars oder Lounges, die auf Lifestyle setzen. "Circle" kann aber auch kreisförmig im Wohnzimmer aufgestellt werden.

Mehr Möbel braucht man (theoretisch) nicht: Das variable Sofaprogramm "Dono" von Rolf Benz eignet sich zum relaxten Liegen und Sitzen, als Schlafplatz und kann durch die umlaufende Reling sogar als Essecke genutzt werden. Aufsteckbare Rückenkissen und lose Seitenkissen ermöglichen verschiedene Sitzpositionen und machen das Multimöbel zum Mittelpunkt der Wohnung. Dono gibt es in vielen Stoff- und Lederfarben.

Komfortable Liegelandschaft

Ebenfalls wandelbar, wenn auch ohne integriertes Tischelement, ist das von Carlo Colombo für Poliform entworfene Sofa "Shanghai". Es steht auf kaum sichtbaren Metallfüßen und wirkt vor allem durch seine voluminösen Stoff- oder Lederoberflächen. Beim Aufklappen eines Seitenteiles entsteht eine komfortable Liegelandschaft mit vielen Kissen zum Lesen oder Fernsehen.

Alles andere als flächendeckend, dafür aber klein und repräsentativ sind Konstantin Grcics Zweisitzer "Odin", der bei ClassiCon produziert wird, und das Relaxmöbel "Marie Long" von Christophe Marchand für Wittmann.

Bei "Odin" handelt es sich um ein sehr kompaktes Möbel, das durch seine hohen Lehnen auch am Rande eines Großraumbüros für etwas Privatsphäre bei Besprechungen sorgen kann. Als eine Insel der Ruhe und Geborgenheit, aber auch der Kommunikation versteht der Münchner Designer Grcic seinen Entwurf: Die spezielle Geometrie der Sitzfläche führe dazu, dass die Gesprächspartner nicht parallel nebeneinander sitzen, sondern sich gegenseitig zuwenden.

Auch das Sofa "Marie Long" aus der neuesten Kollektion von Wittmann kann als Solitär im Büro oder Wohnung dienen, auf dem man sich bei Bedarf auch einmal "lang machen" kann, wie der Name schon andeutet. Ein einfacher Mechanismus verwandelt das kleine Sofa mit den klaren Farben und Formen in ein noch bequemeres Loungemöbel oder in eine Sitzgelegenheit für die ganze Familie. Ganz gleich in welcher Größe - Sofas dominieren den Raum, in dem sie stehen mehr als andere Möbel. (Heike Edelmann/Der Standard/Rondo/07/12/2006)

  • "Circle" von Walter Knoll (UN Studio)
    foto: hersteller

    "Circle" von Walter Knoll (UN Studio)

  • "Conseta" von COR (Tor Boontje)
    foto: hersteller

    "Conseta" von COR (Tor Boontje)

  • "RPH" von Cappellini (Fabio Novembre)
    foto: hersteller

    "RPH" von Cappellini (Fabio Novembre)

  • "Royal blood" von Moooi (Marcel Wanders)
    foto: hersteller

    "Royal blood" von Moooi (Marcel Wanders)

  • "Marie Long" von Wittmann (Christophe Marchand)
    foto: hersteller

    "Marie Long" von Wittmann (Christophe Marchand)

  • "Dono" von Rolf Benz (Christian Werner)
    foto: hersteller

    "Dono" von Rolf Benz (Christian Werner)

  • "Shanghai" von Poliform (Carlo Colombo)
    foto: hersteller

    "Shanghai" von Poliform (Carlo Colombo)

  • "Odin" von ClassiCon (Konstantin Grcic)
    foto: hersteller

    "Odin" von ClassiCon (Konstantin Grcic)

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