Allein gegen das Händlersterben

24. September 2007, 14:59
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Um das Ortszentrum zu beleben, wandelte eine Lustenauer Familie ihr Haus in ein Geschäftszentrum um

Lustenau ist keine Metropole. Dass es in einer Stadt, in der immerhin knapp 21.000 Menschen leben, aber kaum Einkaufsmöglichkeiten gab, wurmte Nina Zadra dann aber doch. Und anstatt weiterhin Richtung Gewerbepark, Dornbirn und Bregenz auszuweichen, fassten sie und ihre Familie einen Entschluss: Es mussten mehr Geschäfte her.

Heute sind im Geschäftszentrum "vis-à-vis" mitten im Lustenauer Ortszentrum ein Buchgeschäft, ein Blumenladen, ein Schuhhändler, ein Café und ein Spielegeschäft angesiedelt - in einer Umgebung, wo es laut Zadra vorher "nichts gegeben" hat.

Die Zadras hatten einen Traum und ein Haus. Jenes Gebäude, in dem sich die von Nina Zadras Urgroßvater gegründete Stickereifirma befunden hatte. Anstatt jedoch die Immobilie - ein stattliches, zentral gelegenes Haus mit Garten - als Wohnobjekt zu vermieten, entschloss sich die Familie, den Platz kleinen GeschäftsinhaberInnen zu widmen.

"Mehr Aufenthaltsqualität"

"Es gab einfach zu wenig Shoppingerlebnis in Lustenau", begründet Zadra, die eigentlich in Deutschland lebt und nur in Abständen nach Vorarlberg kommt, die Entscheidung. Man wollte "mehr Aufenthaltsqualität im Zentrum von Lustenau" schaffen - unter anderem auch, um jenen LustenauerInnen, die mehrere Jahre in Wien oder anderen größeren Städten verbracht hatten, die Rückkehr in die Kleinstadt zu erleichtern. Zadras Lebensgefährte, ein Architekt, erstellte ein Nutzungskonzept. Das Gebäude wurde saniert, 1995 zog als erstes Geschäft der "Bücherwurm" ein.

Das Konzept ging auf. "Die Leute kommen gern hierher, weil alles unter einem Dach ist", sagt Annette Trost. Ihr Spieleladen "Bunterkunt" ist erst seit Anfang November geöffnet und das jüngste Mitglied der Geschäftsgemeinschaft. Ihr Motiv, hier einzuziehen: "Es sind einfach nette Räumlichkeiten, und man ist nicht allein."

MieterInnen gesucht

Eine neue Gemeinschaft soll auch im ersten Stock des Hauses entstehen. Auf rund 150 Quadratmetern möchte Zadra "ein flexibles Bürokonzept" verwirklicht sehen - am besten mehrere Start-ups, die hier nicht nur Kosten sparen, sondern auch die "Vorteile einer Bürogemeinschaft" genießen könnten, sagt Zadra, die weiß, wovon sie spricht: Als selbstständige Psychologin, die in der Marktforschung tätig ist, hat sie selbst ihren Arbeitsraum schon mit anderen Menschen geteilt. "Man kann vom Austausch miteinander profitieren, auch wenn man aus ganz unterschiedlichen Branchen kommt."

Auch die HändlerInnen führen ihre Geschäfte weniger nebeneinander als miteinander: Es gibt Events, gemeinsame Feste und persönlichen Austausch. Die KundInnen spüren das - und werden auch eingebunden: So wurde, als es darum ging, für das Zentrum einen Namen zu finden, ein Online-Wettbewerb ausgeschrieben.

Dass die Entscheidung auf "vis-à-vis" fiel, könnte zukunftsweisend sein: Denn was das leer stehende gegenüber liegende Gebäude, eine ehemalige Buchdruckerei, betrifft, haben Zadra und ihr Lebensgefährte nun einen weiteren Traum. Gespräche auf höchster Gemeinde-Ebene werden bereits geführt. Ohne zu viel zu verraten, erklärt Zadra den Grundgedanken des Zweitprojekts: "Mehr Aufenthaltsqualität im Zentrum von Lustenau." (Maria Sterkl)

  • Das "vis-à-vis" bei Nacht
    foto: vis-a-vis

    Das "vis-à-vis" bei Nacht

  • Der "Bücherwurm" war das erste Geschäft, das ins ehemalige Stickerei-Gebäude einzog. 1995 wurde der Laden eröffnet
    foto: vis-a-vis

    Der "Bücherwurm" war das erste Geschäft, das ins ehemalige Stickerei-Gebäude einzog. 1995 wurde der Laden eröffnet

  • Bei "Haemmerles" gibt es neben Schuhmode auch Spezialitäten aus dem Bregenzerwald und ein Café-Eck
    foto: vis-a-vis

    Bei "Haemmerles" gibt es neben Schuhmode auch Spezialitäten aus dem Bregenzerwald und ein Café-Eck

  • Die "Blumenwerkstatt" nützt den Garten, um jahreszeitgemäße Pflanzen aus Eigenproduktion anbieten zu können
    foto: vis-a-vis

    Die "Blumenwerkstatt" nützt den Garten, um jahreszeitgemäße Pflanzen aus Eigenproduktion anbieten zu können

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