Therme Oberlaa: Planung mit Aufguss

5. Juli 2007, 13:53
4 Postings

In Oberlaa entsteht eine der größten Thermenlandschaften Europas. Doch am Architektenverfahren gibt es scharfe Kritik

Wien – Das Projekt ist ein gewaltiges, ohne Zweifel: "Das wird eines der modernsten und attraktivsten Wellnesszentren Europas", präsentierte Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder (SP) am Dienstag die Pläne für die Erweiterung der Therme Oberlaa. Wien werde damit "die einzige Millionenstadt" sein, die eine derartige Thermenlandschaft auf "höchstem Niveau innerhalb ihrer Stadtgrenzen hat".

Eröffnung 2010

2007 wollen die Bauträger Wiener Holding und Vamed mit dem Aushub, 2008 mit dem Bau beginnen, Ende 2010 soll die neue Anlage in Betrieb gehen. Den Wettbewerb für die Thermenlandschaft hat das deutsche Architektenteam "4a" gewonnen, beim daneben geplanten Hotel erhielten Rüdiger Lainer & Partner den Zuschlag. Allein für die Therme sollen 130 Millionen Euro investiert werden; die Stadt schießt mehr als 40 Millionen für Aushub/Entsorgung und Infrastruktur zu.

Die Therme sei "sehr schwierig zu konzipieren" gewesen, berichtete Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP) vom Wettbewerbsverfahren. "Da war schon Qualität gefordert", dass sich das junge Team gegen "renommierte Teilnehmer" durchgesetzt habe.

Schwere Kritik am Verfahren kommt indes von den Grünen: "Das war wieder ein Fall, wo bei einem Vorzeigeprojekt nicht ordentlich agiert wurde", ärgert sich die Grünen- Planungssprecherin Sabine Gretner.

Abhängigkeit

Allein schon die Zusammensetzung der Jury sei nicht in Ordnung gewesen: "Ein Großteil der Fachrichter steht in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Auslobern." Schicker wiederum betont, dass sich "die Vertreter der Stadt Wien im Wettbewerb streng an die Leitlinien der Stadt gehalten haben". Gretner allerdings weiß, dass ein Vertreter der Stadt die Jurysitzung vorzeitig verlassen habe.

Weiters habe sie Hinweise, "dass dem Gewinner der ersten Wettbewerbsstufe dann wichtige Hinweise über die technischen Grundvoraussetzungen nicht kommuniziert wurden". Das Projekt wurde dann nach der zweiten Runde zwar architektonisch gelobt – aber wegen Probleme hinsichtlich der Umsetzung nur zweitgereiht. Gretner: "Das wäre allerdings sehr unwahrscheinlich, dass Weltklassearchitekten, die die erste Stufe gewinnen, dann wichtige Kriterien nicht berücksichtigen."

Integriertes Gesundheitszentrum

Bedenken gibt es allerdings auch, da einige andere Thermen derzeit mit Problemen kämpfen; der Therme Blumau etwa musste erst kürzlich wegen finanzieller Probleme vom Land unter die Arme gegriffen werden (DER STANDARD berichtete). Dazu Rieder: "Deshalb haben wir ein hohes Maß an zukunftsorientierter Stabilität eingeplant." Oberlaa werde kein reines Wellnesszentrum sein, sondern gleichzeitig Thermenzentrum und integriertes Gesundheitszentrum mit zusätzlichen Wellnessangeboten sein.

Bleibt die Frage der Verkehrsanbindung. Neben dem großzügigen Angebot an Garagenplätzen werde es eine direkte Busanbindung an die nach Rothneusiedl verlängerte U1 geben, kündigte Schicker an. Oberlaa neu soll bereits 2010 fertig sein – die U-Bahn werde es dann zwei, drei Jahre später geben, so Schicker. Auch hier zweifelt Gretner: "Dass die U-Bahn, die noch nicht einmal eine Finanzierungszusage hat, so rasch fertig sein soll, ist ja wohl mehr als optimistisch." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.12.2006)

  • Artikelbild
Share if you care.