Wahrer Luxus muss nicht teuer sein…

21. Juni 2007, 13:49
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…zumindest, wenn es um Schnaps geht. Bei Hans Reisetbauer kann man beides haben: Sündhaft teuren Trebernschnaps und wohlfeilen Luxus-Gin. Vene Maier hat beides probiert

Als Laie sollte man eventuell nicht über so ehrfurchtsvolle Sachen wie große Lagen und darauf gewachsene teure Weine schreiben. Also überlassen wir das jenen, die dieses Kapitel studiert haben und durch langes Training in der Lage sind, das Gute vom sehr Guten und auch vom noch Besseren unterscheiden zu können.

Der Scharzhofberg ist so etwas wie der heilige Gral des deutschen Riesling und liegt an der Mosel, nicht allzuweit entfernt von Trier. Eine Handvoll Weingüter teilen sich die Lage, zwei davon hat Alois Kracher ausgewählt, um sie über seine Firma „Fine Wine Trade“ zu vermarkten. Dies wohl deswegen, weil es sich um – rieslingmäßig gesehen – Ausnahmeweine handelt. Ja gut, das Zeug (pardon) ist teuer, aber auch der Altwein-Laie merkt, dass in diesen Flaschen ein Stoff liegt, der auch nach 30 oder 40 Jahren noch höchst lebendig ist. Voller Saft und Kraft, fest im Fleisch und fruchtig im Ausdruck, mit feiner Säure und schmelzigem Zucker ausgestattet – und die Jahre haben das komplexe Werk mit einer beeindruckenden Balance austariert.

Kost was, natürlich. Scharzhofberger Rieslinge beginnen bei € 12,70 für die trocken ausgebauten Weine und bei € 20,60 bei den Ausleseweinen. Für die Auslese des Jahrgangs 2005 vom Weingut Egon Müller muss man aber schon 102,00 Euro hinlegen, und für die TBA vom Scharzhofberg-Riesling gar noble 1040,00 Euro. Jetzt sind da aber nur 0,375 Liter im Fläschchen, also wird man schon drei davon brauchen, um die Gäste zu beeindrucken.

Kraft, Wärme, Luxus

Naja, Luxury halt. Da ist der Trebernschnaps vom Scharzhofberger TBA mit seinem Preis von 390,00 Euro schon fast wieder günstig. Immerhin ist das Destillat von einer kraftvollen Dichte, wie sie nur wenige vergleichbare Brände haben. Zur Kraft und Wärme kommen noch tiefe Würzkomponenten, abgeleitet von den dominanten Botrytistönen, die sich nachhaltig auf der Zunge und dem Gaumen eingraben. Entsprechend lang ist der Abgang, so lang, dass er kaum wieder weg zu bekommen ist.

Insgesamt voll okay, auch wenn es mir persönlich zu teuer ist. Aber ein Glück: Es gibt nur 150 Flaschen davon, so dass die Produktion auch schon ausverkauft ist, und sich die Frage also gar nicht stellt. Wer so ein Stamperl aber dennoch verkosten will, kann dies im Palais Coburg tun, im Restaurant Bauer und bei Meinl am Graben. Oder beim Dallmayr in München kaufen.

Da ist es wesentlich einfacher (und um vieles günstiger), sich einen Blue Gin zu vergönnen. Der ist auch von Reisetbauer, und dahinter steckt sicher ein ähnlich hoher Aufwand, ist aber wesentlich billiger. Für wohlfeile 28 Euro kann dieses kleine Ginwunder im Handel erstanden werden. In der Vinothek St. Stephan zum Beispiel (diese steht übrigens in Wien). O,7 Liter notabene! Das ist angesichts der mehrjährigen Entwicklungsarbeit an dieser so klaren wie vielschichtigen Angelegenheit durchaus bemerkenswert.

Die Würze des Waldes

Reisetbauers Blue Gin schmeckt fein und deutlich nach Wacholderbeeren, so frisch, als würden diese direkt vom Wacholderbusch am Mieminger Plateau stammen. Mit exakt dieser bitteren Würze und einem Anflug von Süße, die ich – bis ich kürzlich im Mieminger Wald welche zerkaut habe – nie in einer Wacholderbeere vermutet hätte. Und wenn Hans Reisetbauer eine persönliche Garantie abgibt, dass in seinem Blue Gin zwar viele Gewürze – darunter Limonen- und Zitronenzesten, Koriander, Zimtrinde und Angelikagewürz – drin sind, aber kein Gramm Fremdzucker, so glaub ich das aufs Wort.

So eine frische Wacholderbeere ist allein schon super. Mit der richtigen Würzmischung lässt sich das auch in einem neutralen Weizenbrand konservieren. Schmeckt sehr würzig, finessenreich und vielschichtig. Anders gesagt: Sehr gut. Wenn man Wacholder mag sowieso, und für alle anderen: ausprobieren! (Vene Maier)

  • Erdig und exotisch: Der Blaue Gin von Reisetbauer.
    foto: reisetbauer

    Erdig und exotisch: Der Blaue Gin von Reisetbauer.

  • Trebernbrand vom Scharzhofberg: Limitierter Luxus.
    foto: scharzhofberg

    Trebernbrand vom Scharzhofberg: Limitierter Luxus.

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