Alpen-Klima: Derzeit wärmste Periode seit 1.300 Jahren

Redaktion, 10. Jänner 2007, 12:14

Temperaturen bis ins 8. Jahrhundert errechnet - Meteorologen erwarten weiteren Temperaturanstieg - Umweltschützer schlagen Alarm - Touristiker suchen nach Auswegen

In den vergangenen 1.300 Jahren war es in den Alpen noch nie so warm wie jetzt. Zu diesem Schluss ist eine internationale, von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien geleitete Klima-Studie gekommen, die das Klima in den Bergregionen Mitteleuropas bis ins 8. Jahrhundert rekonstruierte. Die Reaktionen waren unterschiedlich: Während Wissenschafter von einer "konkreten Aussage" sprechen, schlugen Umweltorganisationen wie etwa der WWF Alarm. Die Tourismusbranche sucht indes nach Auswegen aus der drohenden Krise.

"Wir erleben gerade die wärmste Periode in den vergangenen 1.300 Jahren", zog Reinhard Böhm, ZAMG-Klimatologe und Leiter der "Alp-Imp"-Studie ("Multi-centennial climate variability in the Alps based on Instrumental data, Model simulations and Proxy data"), Bilanz. Bis 1890 regierte demnach die so genannte Kleine Eiszeit, also kaltes, natürliches Klima. So erreichten etwa um 1850 die Gletscher der Alpen ihre größte Ausdehnung in 8.200 Jahren. Danach setzte eine nicht vom Menschen herbeigeführte Erwärmung ein, die bis etwa 1950 andauerte.

"Dunkle Periode" Mitte des 20. Jahrhunderts

Mitte des 20. Jahrhunderts begann dann sprichwörtlich eine "dunkle Periode". Böhm: "Der menschliche Einfluss auf das Klima war stark, es wurden enorme Mengen Dreck in die Atmosphäre gejagt." Dies führte dazu, dass nicht mehr so viel Sonnenstrahlen auf die Erde gelangen konnten und somit die Temperaturen purzelten. Bis Anfang der achtziger Jahre wurden Heizöl und Kohle ungeniert verbrannt, dann setzte sich allmählich der Umweltgedanke durch. So absurd es klingen mag, aber erst dieser Prozess hat die Klimaerwärmung angekurbelt, denn der Himmel wurde rein, klar - und ließ die Sonne ungehindert passieren.

Die höheren Temperaturen sind eindeutig auf Einflüsse des Menschen zurückzuführen wie Autofahren und Industrieproduktion. Das von der EU geförderte Projekt hat die Klimageschichte im Großraum zwischen Nürnberg und der Toskana sowie zwischen dem Rhone-Tal und Budapest rekonstruiert.

Meteorologen erwarten weiteren Temperaturanstieg

Fazit: Auch im 10. und 12. Jahrhundert habe es Phasen der Erwärmung gegeben, sagte Böhm. Aber die seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu beobachtende Wärmeperiode habe zu noch höheren Temperaturen geführt als damals im Mittelalter. Ursache seien Emissionen von Kohlendioxid, Methan und anderen Treibhausgasen. "Die Modelle deuten darauf hin, dass es noch wärmer wird", prognostizierte der Klimatologe.

"Man muss die Ergebnisse sehr ernst nehmen. Sie liefern eine konkrete Aussage über die Situation im Alpenraum. Da ist etwas im Laufen, das es erst seit drei Jahrzehnten gibt", äußerte sich Herbert Formayer, Klimaforscher an der Universität für Bodenkultur in Wien, besorgt. "Die Resultate sind sehr gut. Die, die es bis jetzt nicht wahrhaben wollten, dass es Klimaveränderung gibt, haben es nun schwarz auf weiß." Die Studie sei mit den "besten Methoden, die derzeit zur Verfügung stehen", durchgeführt worden, so Formayer.

Touristiker suchen nach Auswegen

"Für mich kommt das alles nicht überraschend. Die Belege für Klimaerwärmung sind mittlerweile dermaßen erdrückend, dass es immer unverständlicher wird, wie zögerlich die Politik auf die Veränderungen reagiert", sagte Klimatologe Markus Niedermair vom Worldwide Fund for Nature (WWF). "Man sieht es ja schon überall, und die Wissenschaft sagt ganz klar, was zu tun ist. Der Klimawandel wartet nicht - es ist höchste Eisenbahn, um dagegen zu steuern."

Die Tourismusbranche hat sich längst auf die Suche nach Auswegen aus der drohenden Krise begeben: "Der österreichische Tourismus hat aus der Vergangenheit gelernt und stellt sich heute mit einem differenzierten Winterangebot dar, das nicht mehr nur an Schnee gebunden ist. Selbstverständlich hoffen wir auf Schnee und darauf, dass sich auch dieser Winter dank sehr guter Buchungslage in der Kernzeit zwischen Weihnachten und den Semesterferien positiv entwickeln wird", betonte Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung. (APA)

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meineMeinung1969
00
31.12.2006, 13:36
Sind das ...

... die Studien derselben hochintelligenten Experten, die diverse Sonden zwecks Messungen der globalen Luftverschmutzung am Hang eines aktiven (wenn auch aktuell nicht ausgebrochenen) Vulkans platziert haben, und dann die erworbenen Daten eins zu eins auf den ganzen Planeten umgerechnet haben? *grins*

mM

stauffenberg05
 
01
7.12.2006, 12:02
Schöne Grüße aus der Lobau!

Hoffe die Verantwortlichen erkennen bald die Zusammenhänge und handeln endlich. Einmal nicht nur an und bis zur nächsten Wahl denken wäre nötig.

Bernhard Keimel
00
7.12.2006, 10:48
Kurzssichtigkeit?

Ich beobachte folgendes: es tauchen laufend Studien verschiedenster Organisationen auf, die in der Essenz eines sagen: das Klima ändert sich, es wird ungemütlich für alle. Armut wird steigen, Flüchtlingswellen dank Umweltveränderungen werden massiv steigen. Das beobachte ich seit ein paar Jahren, anfangs noch vorsichtig, heute aber schon sehr konkret und mit Nachdruck.

Die Auffassung aber ist meistens "wir sind schuld, wir sind nicht schuld, wer ist schuld". Dabei ist das völlig irrelevant: die Tatsachen liegen am Tisch, handeln ist nun akut notwendig, nicht die Diskussion ob das menschliche oder natürliche Ursache hat.

Und auch wenn ich ein düsteres Bild vor mir hab, die Tendenz ist überraschend positiv, weiter so!

Der Oley
24
6.12.2006, 22:32
Derzeit wärmste Periode seit 1.300 Jahren

Und davor? 1300 Jahre sind ein bißchen dünn zur Beweisführung.

Im Grönlandeis (übrigens war Grönland zur Zeit seiner Entdeckung durch die Wikinger eine zumindest im Süden grüne Insel), im Grönlandeis also wurden Temperaturumbrüche von 15 Grand innerhalb von 5 Jahren entdeckt.

Der Mensch war daran sicherlich nicht Schuld, genausowenig wie er an den Eiszeiten Schuld hatte.

Aber anpassen mußte er sich immer ans Klima, egal wie schnell es sich gewandelt hat. Und das gleiche werden unsere Nachkommen machen. So einfach ist das mit der Evolution.

Alexander Hanschitz
00
5.12.2006, 22:21

ganz egal ob es sich um eine natürliche klimaerwärmung handelt, oder diese aufgrund der zunehmenden umweltverschmutzung entstanden ist u. vielleicht sogar zunimmt, braucht man mmn kein experte sein, um sich denken zu können, d. irgendetwas gegen den dreck, den wir unserer atmosphäre zumuten, getan werden muss. denn selbst, wenn diese erwärmung nicht folge dieses "drecks" ist, irgendwann werden folgen entstehen u wohl kaum zu unseren gunsten.

Brücke
01
5.12.2006, 19:49

Zur entscheidenden Frage
dieses Jahrhunderts bleibt :

Touristiker suchen nach Auswegen

fliegenphisher
00
5.12.2006, 20:38
Eine Möglichkeit wäre z.B.:

Skiabfahrten unterirdisch zu verlegen.
Kostet allerdings eine Menge Energie, die dann wieder eine negative Energiebilanz nach sich zieht.

Eine weitere Möglichkeit (die ich bevorzugen würde), wären technische Massnahmen um die Sonneneinstrahlung und die Erderwärmung zu begrenzen, speziell in den Gletschergebieten, und zwar solange, bis der Klimaschutz greift, d.h. weltweit weniger Energie verbraucht wird. Da gibts einige Ideen (Folien, Abschirmungen usw.) die man prüfen könnte (schön schauts nicht aus, aber es hilft;-). Chemtrails usw. zu produzieren halte ich für den allergrößten Unfug.

Avicenna
 
00
5.12.2006, 19:27
Zeitgerechte vernünftige Maßnahmen versus Management by Chaos

Über den Klimawandel kann man ja vortrefflich streiten oder inzwischen eher diskutieren, denn es gibt doch einige recht handfeste Befunde. Nur sollte das Streiten nicht das Handeln ersetzen. Die, die vor "grünen Apokalyptikern" warnen, sollten sich jetzt lieber für vernünftige Massnahmen einsetzen, denn eine Verschlechterung der Lage könnte auf Dauer tatsächlich zu einschneidenden Maßnahmen führen, die unsere Freiheit rapide einschränken. Und die Apokalyptiker werden dann ganz von selbst kommen. Erinnert sich noch jemand an die Auswüchse der Datumsumstellung 1999 auf 2000 in den USA? Gespenstisch! Diese Einschränkungen fürchten die Gegner der Klimawandel-Hypothese, aber sie tragen zu dieser Entwicklung leider selbst bei.

Idi Amin
43
5.12.2006, 19:02
Kälte?

Nein, Danke!

17+4
01
5.12.2006, 18:13
irgendwie ist das nicht ganz schlüssig,

aber in jedem Fall ist der meteorologische Stehsatz drinnen, dass der Mensch schuld sein muss.

Das erinnert irgendwie an Galileis "und sie dreht sich doch", wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen.

Wie war das mit dem Klima, als 50% der Landfläche Europas mit Mooren bedeckt war, die bekannterweise das Treibhausgas Methan ausstoßen?

Ivan Bukov
00
13.12.2006, 13:00

Wissen sie wenn sie C02 in die Luft pressen welches ueber Millionen von Jahren gesammelt wurde muss das schon einen Effekt haben, denn immerhin war ja nie alles gleichzeitig in der Luft. Ausserdem sehe ich nicht ein warum unsere limitierten fossilen Ressourcen ineffizient genutzt werden sollen!

17+4
11
13.12.2006, 14:43
die ineffiziente Nutzung ist ein Argument,

aber das Nichtnutzen ist kein Argument.

Sensationeller Fruchtstößel
 
00
5.12.2006, 17:25

Die Hoffnung liegt nun bei Anak Krakatau.

Helmut Huber
 
84
5.12.2006, 16:42
Danach setzte eine nicht vom Menschen herbeigeführte Erwärmung ein, die bis etwa 1950 andauerte.

Und was ist seither mit der natürlichen Periodik der Klimaschwankungen (oder wie immer man das beschreibt??); wäre es auch unabhängig von menschlichen Einflüssen weiter wärmer geworden? Oder wäre wieder eine kleine Eiszeit gefolgt? Gehen die Veränderungen nun in Summe (!) schneller oder langsamer (Effekt der zwischenzeitlichen "Dunklen Phase"!!) als ohne menschlichen Einfluß??

Darüber schweigt sich der Herr Klimatologe wohlweislich aus, denn das könnte die Sensationsgeilheit der grünen Apokalyptiker verletzen...

airam suan1
 
00
5.12.2006, 19:23
ja, sicher.

und die zunehmende co2-konzentration hat auch nicht mit steigerung der temperaturen nicht zu tun.

Helmut Huber
 
00
5.12.2006, 21:17
Nein, wieso?

Es gab schon einmal viel höhere Konzentrationen und die Welt ist auch nicht verbruzzelt.

airam suan1
 
00
6.12.2006, 15:09
und koennen sie sagen

wann diese "viel hoehere co2 konzentrationen" stattfanden?

es wäre schoen das zu wissen.

kernel_panic
00
6.12.2006, 19:41
zB im Karbon vor ca. 300 Mio. Jahren.

Damalige CO2 Konzentration: 1400 ppm, heutige Konzentration: 380 ppm.

Ivan Bukov
00
13.12.2006, 13:01

Wollen sie nun all dieses C02 wieder zurueckpumpen? Auf dem besten Weg dahin sind wir ja...

airam suan1
 
01
7.12.2006, 11:29
wou! ich glaubte, sie wollten das kambrium erwähnen

seit wenigstens 650.000 jareh lag der anteil immer unterhalb con 280 ppm. haben sie sich gefragt, seit wann ist der mensch auf der erde?

naja, warum nicht eine kehre zur zeit der farne?

kernel_panic
00
7.12.2006, 13:37
Ich hab mich das gar nicht gefragt...

Ich hab nur deine Frage beantwortet und nichts anderes. Dass die Umwelt da nicht sonderlich lebensfreundlich war weiß ich natürlich selber auch.

airam suan1
 
00
7.12.2006, 14:17
stimmt.

sie haben nur auf meine frage geantwortet.

gerhard maierhofer
10
5.12.2006, 18:58

keine sorge bush und andere mächtige leute haben lang genug versucht das thema wegzureden und viel geld darin investiert genehme resultate zu finden.

dass der mensch an der schnellen erwärmung der erde schuld hat könnens als wissenschaftlich erwiesen betrachten.

Helmut Huber
 
12
5.12.2006, 21:16
Aha. Und Hysteriker und Wichtigmacher

in der Wissenschaft gibts nicht?

Dem widerspricht meine Efahrung über 30 jahre.

gerhard maierhofer
00
6.12.2006, 12:04

sicher gibts die, aber hysteriker gibts ja überall.

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