Zurück in keine Steinzeit

10. Juli 2007, 12:15
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Von einer Reise an den Rand einer vergessenen Welt

Wo liegt Irian Jaya? Oder Papua Barat? Oder West-Papua, wie es auch genannt wird? Vielleicht sogar Neuguinea? Der unnahbare, zerfurchte Koloss im fernen Osten des Staates Indonesien, gleichzeitig drittgrößte Insel der Erde und – wie kann es anders sein – Hot Spot der Artenvielfalt, trägt viele Namen.

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Erst kürzlich ist die wie die Silhouette eines Laufvogels geformte Insel durch ein neuentdecktes Tal in die wissenschaftlichen Schlagzeilen geraten. In den sogenannten Foja-Bergen sollen Tiere existieren, die, ganz so wie auf Galapagos, keine Scheu vor Menschen zeigen. Längst als ausgestorben geglaubte Baumkängeruhs, seltene Ameisenigel, Vögel mit gelben Ohrläppchen und allerhand kleines, sperriges Getier.

Als würde mich die Zeit ins 15. Jahrhundert zurückschleudern, begegne ich einer Terra Incognita mit kartierten Küsten, aber unzähliger weißer Flecken im Hinterland. Unendlich weite Sumpfwälder, deren Bezwingung schon allein aus menschlich-psychologischen Gründen scheitern muss, und Täler, die so scharf eingeschnitten sind, dass sich hinter jedem neu erklommenen Pass ein neues Shangri-La vermuten lässt. Im östlichen zentralen Hochland der Insel, dort, wo aus einer völlig unergründbaren Gnade heraus das für Neuzeit-Abenteurern wohlbekannte Baliem-Tal in eine dem Wiener Becken ähnliche Landschaftswanne mündet, befindet sich der Knotenpunkt der Insel – Wamena.

Von hier aus starten fast alle Expeditionen, Helikopter und Mini-Flugzeuge. Genau hier wird geplant, eingekauft, vorbereitet, werden Träger und Führer angeheuert. Fast so wie in Kathmandu, doch stets verborgener, unbekannter. Das sich dieser Zustand sehr schnell ändern kann, liegt nicht nur auf der Hand, sondern auch im Sinne der javanischen Bevölkerung, welches das größte Territorium Melanesiens in den 60er Jahren besetzt und seit dem nicht mehr verlassen hat. Eine Provinz, die danach schreit, in den Pazifik abzudriften, um jene indonesische Politik abzuschütteln, die der Quantität willen einen Vielvölkerstaat errichtet hat. Doch die befreiende Tektonik lässt auf sich warten. Und so müssen mehr als tausend Völker, von denen sich viele tief in die Täler zurückgezogen haben oder seit jeher gar nicht erst aufgetaucht sind, mit einer unerwünschten, doch stärkeren Übermacht zusammenleben. Viele von ihnen wissen gar nicht, dass sie es tun. Viele wissen nicht mal, dass man ihr Land zu Indonesien rechnet. Und viele wissen auch gar nicht, dass es Indonesien gibt, oder das sich der Inselstaat auf einem Planeten befindet, der sich um die Sonne dreht.

Doch das sind andere Geschichten. Ich hingegen widme mich einem Volksstamm, der seine Bekanntheit in der westlichen Welt einem Österreicher zu verdanken hat: Heinrich Harrer. In den 60er Jahren, kurz nachdem Irian Jaya oder West Papua von Indonesien annektiert worden war, unternahm der längst zum Abenteurer geeichte große Entdecker eine erste Expedition vom zentralen Hochland bis an die Flachlandküsten im Süden der Insel. Sein Weg führte ihn der Länge nach durch ein majestätisches, atemberaubendes Tal, in dessen Talkessel ein bräunlich schäumender, unruhiger Fluss auf brutal anmutende Art und Weise das üppige Grün der Landschaft spaltet: der Baliem-Fluss.

Das nach dem Fluss benannte Tal ist die Heimat zäher, genügsamer Bergbauern, die zum Volk der Dani gehören. Gemeinsam mit den Lanis, die im Wettbewerb ums Überleben die steilen Wald- und Wiesenhänge der Baliem-Schlucht räumen mussten, spiegeln sie wie kein anderes Volk die Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Zukunft wider. Was Harrer vielleicht damals schon prophezeit hat, ist mittlerweile bei den Danis, und zur Gänze schon bei den Lanis eingetreten.

Die Aufgabe steinalter Traditionen hallt wie Axtschläge durch den immerfeuchten Nebelwald des Hochlandes. Der Donner ist ohrenbetäubend. Wie leicht geht es von der Hand, einen Baum zu fällen, der tausend Jahre lang überlebt und in mühsamster Geduld ein sensibles Buch aus Jahresringen geschrieben hat? Ein Donner, der lange anhält, wird irgendwann nicht mehr wahrgenommen. Es passiert, und es ist unausweichlich.

Ich selbst hatte das Glück, zu einer Zeit nach West-Papua zu reisen, in welcher sich die Übergabe der alten Werte an die neue Generation noch nicht ganz vollzogen hat. Die Wanderung durch eine monumentale und ebenso mythische wie peotische Welt hat mich selbst zu einem Harrer der Gegenwart werden lassen, zu einem Berichterstatter akuter Verhältnisse.

Die Designierung eines Häuptlings

Wir sitzen uns gegenüber. All die weißen Europäer, die wir waren, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite, wie durch eine unsichtbare Glaswand getrennt, die Danis. Klein, von gelblich-dunkelbrauner Farbe, dunkler Lehm, schwere, feuchte, dichte Erde. Das krause Haar schwarz, die Nasen breit und knorpelig. Viel zu groß im Verhältnis zu den kleinen, gelben, blutunterlaufenen Augen, die uns verstohlen musterten.

Alle hocken sie auf dem Boden, die älteren von ihnen nackt bis auf ein Penisfutteral, genannt Koteka, welches ihr bestes Stück verhüllt und um Bauch und Hoden gebunden wird. Manche Kotekas haben seltsame Formen, winden sich um die eigene Achse, machen irgendwann einen großen Bogen zu den Knien hinunter oder zielen kerzengerade unter das borstige Kinn der Männer. Den Danis ist kalt, sie frieren. Ihre von kleinen Kratzern, Schnitten und Wunden übersäte Haut zittert, genauso wie vor Hunderten von Jahren, zu einer Zeit, als im Westen noch niemand wusste, dass die Erde rund ist. Zum traditionellen Erbe gehört das Zittern vor der feuchten Kälte, die, eingebettet in tief hängende Wolkenfetzen, zum Kampf des Menschen gegen die Natur aufruft.

Die Tradition bewahren, um jeden Preis. So denken die Alten. So lieben sie es. Und sehen sich gleichzeitig machtlos ihren Söhnen gegenüber, die in zerschlissenen, kurzen Hosen und schmutzigen T-Shirts neben der Geschichte ihrer Kultur kauern. Ein buntes Bild, wie wahr. Ein Bild, in dem irgend etwas nicht ist, wie es sein soll. Doch es ist so. Es gehört so und so soll es sein. Kein Mensch weiß, wie die Alten denken. Wahrscheinlich wissen es nicht mal die Jungen.

Zuerst verschwinden die visuellen Aspekte. Koteka und Kopfschmuck aus Vogelfedern liegen in Wamena neben den schnell geschnitzten Souvenirs, während im Dorf bereits Musik aus einem generatorbetriebenen Radio das Alltagsleben versüßt. Wir sitzen in einem Dorf namens Kilise. Mehr eine Siedlung, einen halben Kilometer oberhalb des Baliem-Flusses, den man nicht mal mehr hört. Schwalben segeln durch den geisterhaften Nebel, sonst bewegt sich nichts. Wir hatten das geradezu unverschämte Glück, bei einer Allerheiligenfeier als neutrale Beobachter gebilligt zu werden. Nicht zuletzt ist das unserem Guide und Dolmetscher Scorpio zu verdanken, der, selbst ein Dani, mit viel Gefühl und Respekt seinem eigenen Volk begegnet.

Und genau in diesem Moment, in dieser Episode einer Reise in eines der vielen Herzen dieser Welt, vollzieht sich eine beeindruckende Gratwanderung, die trotz fortschreitendem Verlust der äußeren Identifikation traditionellen Handlungen mehr Überlebenschancen einräumt, als man vermuten möchte.

Das Leben der Danis ist beeinflusst durch die immerwährende Anwesenheit der Verstorbenen. Da die meisten der in den Bergen lebenden Danis bis vor nicht allzu langer Zeit weder Lesen noch Schreiben konnten, ist die Ahnengalerie einzig und allein durch mündliche Überlieferung weitergereicht und ergänzt worden. Irgendwann und einmal im Jahr gibt es eine Zeremonie des Gedenkens, bei welcher mehrere Schweine geschlachtet und in sogenannten Mumus, Erdlochöfen, gegart werden. Schweine zu essen ist besonderen Feiertagen vorbehalten, das übrige Jahr wird allerhand angebautes Gemüse, Kräuter und vor allem Süßkartoffeln verzehrt, die, einer überdimensionalen Kartoffel ähnlich, süß, saftig und manchmal von dottergelber Färbung sind.

Geduld braucht der Mensch. Das Schlachten, Ausnehmen, Würzen und Garen ist eine Sache, das Ausheben des Erdloches, das Auslegen mit brennheißen Steinen und essbarem Grünzeug eine andere, alles zusammen ein unverwechselbares, opulentes Ritual, bei welchem jeder einzelne Dorfbewohner seine unverzichtbare Aufgabe hat. Nichts zelebriert die Gemeinschaft so sehr wie dieses Ereignis, das aufgrund seiner Intensität in unseren Breiten seinesgleichen suchen würde. Der Duft von Erde, Stein, Blut und Gras liegt in der Luft. Vergeblich versucht immerwährender Nieselregen das Konglomerat an Gerüchen auseinanderzureißen.

Liegt das Schwein unter mehreren Blatt- und Steinschichten im Erdloch, ziehen sich die Bewohner des Dorfes ins Männerhaus zurück. Eine kreisrunde Grashütte, das Dach eine aus langen, fasrigen Halmen drapierte Beatles-Frisur. Im Innern der Hütte ist es stockdunkel, Rauchschwaden dringen aus der niedrigen, kanaldeckelgroßen Öffnung. Für uns Europäer ist das Innere tabu. Auch wenn dem nicht so wäre, hätte der scharfe Rauch womöglich unsere verwöhnten Lungen geschädigt.

Der Platz vor der Hütte ist leer. Stille und Erwartung liegt in der Luft. Aus dem Inneren dringt monotones Gemurmel, schwere, tiefe Stimmen. Eine andere Welt liegt zum Greifen nah. Ich stelle fest, es gibt sie noch. Andererseits aber ist es ein Dorf von vielen. Nirgendwo sonst, in keiner anderen Niederlassung, habe ich noch einmal so viele Danis in ihrer traditionellen Tracht angetroffen. Dieses Dorf lebt davon, seine Echtheit und Originalität zu zelebrieren. Es nährt den Geist, es nährt das Selbstbewusstsein.

Nach einiger Zeit kommen die Danis wieder zum Vorschein, fast wortlos und in stiller Übereinkunft wird der Mumu von meterlangen Holzgreifzangen von den immer noch glutheißen Steinen befreit. Der wohlriechende Dampf weichgekochter Gräser und gedünstetem Schweinefleisch verteilt sich über den Dorfplatz. Hungrige, feingliedrige Hände schnüren das Grünzeug zu handlichen Paketen zusammen, um sie an die Anwesenden zu verteilen. Irgendwann wird das Schwein herausgehoben, flach wie eine Flunder, grünlich grau, mit schartiger Haut und halbem Kiefer. Das Tier ist klein, doch schlussendlich wird jeder satt.

Still kauern sich die Männer zu kleinen Gruppen zusammen, dicht an dicht, um sich mit zarten, scharfen Bambusmessern ein Stück Fett oder Fleisch herunterzuschneiden. Ich weiche zurück, benehme mich so unauffällig wie möglich. Der gemeinsame Verzehr scheint mir wie ein intimer Vorgang. Wir sind Zeuge einer Dorfgemeinschaft, deren Regeln und Gesetze Jahrhunderte hindurch bis in die Gegenwart intakt geblieben sind. Ein letztes Stück unentdecktes Land, ein letztes Stück Lebensweise, deren Philosophie ein bewahrtes Geheimnis bleibt.

Aus aufrichtiger Gastfreundschaft heraus wird uns ein Stück Schwein mit Gemüse angeboten. Wohlwissend, dass wir beim Verzehr dieses Tieres ein gesundheitliches Risiko eingehen, lotst uns die Neugier an unserer Vernunft vorbei und wir greifen zu. Herb, rauchig, salzig und saftig, um das graue Stück Fleisch in meinem Mund mit wenigen Worten zu beschreiben. Die Schwarte, unmöglich zu durchbeißen. Das Gemüse, an Spinat erinnernd.

Die Initiation

Ein junger Mann in zerschlissenen westlichen Kleidern, Dreadlocks und einem zarten, bildhübschen Gesicht, erhebt sich aus der hockenden Menge. Es fallen Worte, der Dorfälteste, nackt, mit Hakennase und roter Wollmütze ersucht mit lautstarker Stimme die anderen, sich ebenfalls zu erheben.

Der Ahnen zu gedenken war beileibe noch nicht alles. Vergangenheit ist Vergangenheit, ihr wurde Genüge getan. Da das Leben sich unaufhaltsam vorwärtsbewegt, und mit ihm die Traditionen unsicheren Schrittes wie ein Hund an der Leine mitgerissen werden, muss das zähe Dani-Volk wohl oder übel an Morgen denken.

Irgendwann gehen die Alten in ein Jenseits, von dem keiner weiß, wie es aussieht. Was übrig bleibt ist Geschichte im Kopf der Jüngeren, Überliefertes, Wertvolles, kaum greifbar, dafür umso angreifbar.

Im dem jungen Dani mit den Dreadlocks soll die Zukunft des Dorfes liegen. Er soll die Festigkeit der Gemeinschaft sichern und bewahren. Ob er wissen wird, was er tut?

Er zieht das schmutzige T-Shirt aus. Die anderen umringen ihn, dicht gedrängt, sie wollen ihm so nah wie möglich sein. Der junge Dani schließt die Augen, neigt den Kopf. Wie ein sakrales Gemälde, wie ein El Greco, nur allem Manierisumus beraubt und auf naturalistische Symbolik reduziert. Erdige Finger greifen in einen Tiegel mit Schweinefett, um den sehnigen Körper einzureiben. Rauch quillt aus der Hütte und fegt über die Schar der dicht gedrängten. In dicken Bahnen rinnt das Fett über Hals, Brust und Bauch. Hände betasten ihn, fühlen die Form seines Kopfes, seiner Wangen, seiner Schultern. Das Bild wird traumartig, bizarr, und ich ertappe mich dabei, das Geschehene zu idealisieren.

Mit langen Speeren bewaffnet führen sie ihn auf die Mitte des Platzes. Der Alte mit der roten Mütze sagt irgend etwas. Und aus dem Nichts heraus beginnen die anderen wie eine Schar kleiner Kinder, die es nicht erwarten können, von einem guten Gönner ein Bonbon zu erhaschen, mit ihren gestauchten, sehnigen Körpern in reger Unordnung auf und ab zu hüpfen. Was folgt, ist ein jammerndes Geschrei aus mindestens einem Dutzend Kehlen. Jeglicher Rhythmus wird in den Boden gestampft, es geht nicht um eine Darbietung ihrerselbst willen. Ich stehe weit im Hintergrund, seit Längerem schweige ich. Am Liebsten würde ich mit der Steinmauer hinter mir verschmelzen, oder zumindest ihre Farbe annehmen. Irgendwann finden sie zu einer synchronen Abfolge keuchender Rufe. Noch einmal, und noch einmal. Manche lachen. Viele wirken wie abwesend. Der designierte Häuptling hält immer noch die Augen geschlossen.

Die Bibliothek von Jiwika

Es ist fast Mittag. Rechts von mir erstrecken sich die Ausläufer der Baliem-Bergkette in dunstigem Licht, das Gras der weitläufigen Hügelkuppe, auf der wir stehen, ist von sattem Grün. Es duftet nach Erde und feuchter Hitze. Irgendjemand hat die Zeit zurückgedreht, ich befinde mich inmitten vergangener Tage. Oder besser gesagt, in einer Bibliothek riesigen Ausmaßes. Kein verstaubter, zwielichtiger Raum mit Regalen, die keiner erklimmen kann. Hier gibt es keine Bücher, die es zu lesen wert wäre. Bibliotheken funktionieren auch anders. Das einzige, was beide Arten von Bibliotheken gemeinsam haben, sind Wörter. Nur, hier in dieser windigen, sattgrünen Wildnis, ist es das gesprochene Wort, dem ich begegne. Man blättert für mich Seite für Seite weiter. Ich lese, und es wachsen Gestalten aus dem Gras. Kräftige, dunkle Silhouetten. Sie stehen im Gegenlicht. Ich sehe Speere, Schilder, und überdimensionalen Kopfschmuck.

Beim Begrüßen nehmen die Danis die Hand des anderen, führen diese an ihre Brust und flüstern ein melodisches „Whaa – Whaa“, was soviel heißt wie „Willkommen“.

Jiwika ist der Ort, an dem Geschichte zelebriert wird. Überlieferte Traditionen können nicht geschrieben werden, daher muss man sie darstellen. Ein Dorf hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Selbstbewusstsein eines Volkes im Angesicht von Adidas-Shirts und Videophone nicht sterben zu lassen. Mit Akribie und Liebe zum Detail zeigt Häuptling Yali Mabell, ein kleiner, kerniger, gutmütig dreinblickender Mann mittleren Alters, was es heißt, Dani zu sein. Die gesamte Gemeinschaft – Frauen und Männer jeden Alters sowie deren Kinder – spüren und leben eine Zeit nach, die sich unweit des Dorfes in den schwer zugänglichen Tälern immer mehr und sichtlich verabschiedet.

In diesem üppigen Fest, in dieser authentischen Zeremonie, liegt die Zukunft einer schwer nachvollziehbaren, aber wertvollen Vergangenheit. Von Kriegstänzen und Scheinangriffen über archaische Tänze bis zum kultischen Verzehr erdofengedünsteter Schweine reicht das Spektrum der dargebotenen Kultur. Eine Lektion im Zeitraffer, ohne aber auch nur einen Moment lang oberflächlich zu sein. Es ist die Liebe zur Identität, die mich vergessen lässt, einer falschen Gegenwart zum Opfer gefallen zu sein. Die Momentaufnahme liegt in den engen Tälern hinter den Bergen. Im weiten Becken des still dahinfließenden Baliem-Flusses aber liegt die Wehmut des Vergänglichen.

Wie das Mammut im Eis oder die Fliege im Bernstein konserviert Jiwika den Stolz eines Volkes. Vielleicht bis in alle Ewigkeit. Abhängig ist diese Prognose aber einzig und allein vom Interesse westlicher Besucher. Bleibt aber auch dieses aus, wird die ewige Flamme der geglückten Selbstdarstellung langsam, aber stetig verblassen.

Wir hocken inmitten barbusiger, mit weißen Tupfen bemalten Frauen. Sie lächeln uns an, zögerlich, schüchtern, manche mit nackten, rotznasigen Babys auf dem Schoß. Das Schwein liegt unter zentnerschweren Steinen, inmitten schwitzendem Gemüse. Der Klang eines fremden Dialekts schwebt schwerelos an uns vorüber. Jiwika ist eine Besonderheit, ein lebendiges Museum. Es sollte seine Pforten niemals schließen müssen. (Michael Grünwald)

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    foto: michael grünwald
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