Ex-tele.ring-Chef rechnet mit Zusammenschluss von One und Drei

12. Jänner 2007, 11:04
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Krammer sieht noch Marktchancen in Österreich - Zukäufe seines neuen Arbeitgebers KPN hängen von "Preis und Möglichkeiten" ab

Der ehemalige Chef von tele.ring, Michael Krammer, rechnet fest mit weiteren Zusammenschlüssen im österreichischen Mobilfunk. Nach dem Verkauf seines früheren Unternehmens an den Konkurrenten T-Mobile glaubt er, dass auch die Nummer Drei und Nummer Vier - One und Drei - fusionieren werden. Drei werde nur noch mit chinesischem Doping der Hongkonger Mutter Hutchison im Rennen gehalten. "Aber irgendwann verliert, der Arzt, der ständig spritzt auch seinen Spass", sagte Krammer.

Interesse

Sein neuer Arbeitgeber, der niederländische Telekom-Konzern KPN, gilt als Interessent für eine Übernahme von One. Krammer hielt sich dazu in einem Pressegespräch bedeckt. Es gebe eine Reihe von interessanten Akquisitionszielen für KPN in Europa. Wo und wann das Unternehmen tatsächlich zukaufen werde, sei "eine Frage des Preises und der Möglichkeiten", sagte er vor österreichischen Journalisten in Düsseldorf.

"Der Markt ist in seiner Entwicklung noch nicht am Ende."

Am österreichischen Markt sieht Krammer, seit Mai Chef der deutschen KPN-Tochter E-Plus, durchaus noch Potenzial: "Der Markt ist in seiner Entwicklung noch nicht am Ende." Sämtliche Mobilfunkbetreiber hätten schon viel in den Netzausbau investiert, die Technik sei deshalb am neuesten Stand. Selbst angesichts dessen und des stark abgesenkten Preisniveaus, seien das Geschäft noch profitabel, selbst One habe einen positiven Cash Flow.

Hohe Nutzung

Krammer führt das auf die hohe Handy-Nutzung in Österreich zurück. Während inÖsterreich schon 62 Prozent aller Telefon-Gesprächsminuten über das Handy abgewickelt würden, seien es in Deutschland erst 16 Prozent. Daraus würden sich völlig andere Möglichkeiten in der Tarifgestaltung ergeben. Während man in Österreich ohne Anmeldung heute schon um weniger als 7 Cent pro Minute in alle Netze telefoniert, zahlt man in Deutschland dafür noch 16 Cent pro Minute.

"0-Euro-Handys"

Dass bei einem Rückgang des Wettbewerbs die österreichischen Handy-Tarife wieder steigen könnten, glaubt er nicht. Großen Spielraum sieht er aber noch bei den Kundengewinnungskosten - Stichwort "0-Euro-Handys". Bei nur noch drei Betreibern würden sich relativ rasch "vernünftige Handy-Preise" einstellen bzw. die "Sim-Only-Angebote" zunehmen, wo der Kunde nur noch einen neuen Vertrag aber kein Handy mehr erhält. Immerhin habe ohnehin schon fast jeder Österreicher mehrere Handys daheim.

Die Kundengewinnungskosten bei E-Plus in Deutschland sind für Vertragskunden zuletzt von 248 auf 146 Euro pro Neukunde (Postpayed) und 14 Euro (Prepaid) gesunken. Zum Vergleich, bei One liegen die Subscriber Acquisition Costs derzeit (Postpaid und Prepaid zusammengerechnet) bei etwas mehr als 150 Euro.

Aktiv

Die niederländische KPN, die derzeit neben ihrem Heimatmarkt und Deutschland nur noch in Belgien aktiv ist, hat im Sommer angekündigt, ihr Auslandsgeschäft forcieren zu wollen. Dafür zuständig ist im KPN-KOnzern der deutsche E-Plus-Geschäftsführer Thorsten Dirks. Als aussichtsreichste Märkte gelten aus regulatorischen und wettbweberblichen Gründen Spanien und Portugal. Ebenso wie der österreichische Markt gelten diese Länder auch als beliebte Urlaubsziele und sind daher für die Niederländer besonders interessant. Weil KPN - anders als Vodafone, T-Mobile oder O2 nicht in einem Roaming-Verband mit anderen europäischen Mobilfunkern ist, muss das Unternehmen für Roaming derzeit hohe interne Gebühren an die Konkurrenten zahlen.

Ausstieg

Der Mehrheitsaktionär von One, der deutsche Energiekonzern E.On, hatte bereits vor Jahren einen Ausstieg angekündigt. Neben der holländischen KPN soll es auch weitere Interessenten, unter anderem die spanische Telefonica, geben. Auch France Telecom, die über die Tochter Orange derzeit 17,45 Prozent an One hält, hatte im Sommer gemeinsam mit der US-Investmentgruppe Carlyle vorübergehend schon exklusive Übernahme-Gespräche mit den anderen Anteilseignern geführt.(APA)

  • Michael Krammer
    federico gambarini

    Michael Krammer

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