Luxemburg startet schon am Samstag ins Kulturhauptstadtjahr

23. Juli 2007, 17:38
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"Nacht der offenen Tür" - Hermannstadt plant für Silvesternacht Spektakel mit Feuerwerk, Musik und Tanz

Luxemburg - Mit Paraden, Fanfaren und einer Riesenparty startet Luxemburg an diesem Samstag (9. Dezember) als erste der beiden Kulturhauptstädte Europas 2007 in das Festivaljahr. Bei einer "Nacht der offenen Tür" in Museen, Theatern und Konzerthäusern sollen die Besucher Lust auf die rund 5000 kulturellen Programmpunkte bekommen, mit denen Luxemburg und die benachbarten Regionen aus Deutschland, Frankreich und Belgien im Jahr 2007 aufwarten. Luxemburg und die Großregion teilen sich den Titel der europäischen Kulturhauptstadt mit dem rumänischen Hermannstadt (Sibiu). Für Rumänien, das erstmals eine europäische Kulturhauptstadt stellt, markiert der Beginn des Kulturjahrs am 1. Jänner auch den gleichzeitig wirksam werdenden Beitritt zur Europäischen Union (EU).

Mit "Luxemburg und Großregion" trägt erstmals nicht eine Stadt, sondern eine ganze Region den Titel Kulturhauptstadt Europas. Auf deutscher Seite beteiligen sich Rheinland-Pfalz und das Saarland an dem Kulturfestival. Die vier Phasen des Kulturjahres, dessen Budget sich auf 45 Millionen Euro beläuft, werden jeweils mit einem Fest eingeläutet. Das Zentrum für kulturelle Aktivitäten in Luxemburg sind die beiden Kuppelbauten der Rotunden. Mehr als 100 der insgesamt 450 Projekte sind grenzüberschreitend. Kooperationen gibt es auch mit Hermannstadt, etwa gemeinsame Fotoausstellungen, ein rumänisches Filmfestival und Theater-Kreationen. Luxemburg war bereits 1995 Kulturhauptstadt.

Hermannstadt in Siebenbürgen hat sich auf das Kulturjahr vor allem mit Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro zur Sanierung der mittelalterlichen Altstadt vorbereitet. Es ging den Stadtvätern darum, das Kulturjahr zu nutzen, um der Weltöffentlichkeit den bisher heruntergekommenen, aber als sehr romantisch geltenden Stadtkern in neuem Glanz zu zeigen und damit etwas Bleibendes zu schaffen. Die Stadtmitte ist daher der wichtigste Schauplatz der insgesamt 250 Projekte aus Theater, Musik und bildender Kunst mit mehr als 1000 Veranstaltungen.

30 Projekte entstehen zusammen mit der Partnerstadt Luxemburg, die mit Hermannstadt gemeinsame historische Wurzeln hat. Denn aus dem Moselgebiet um Luxemburg wanderten vom 12. Jahrhundert an viele Menschen nach Siebenbürgen aus. Von ihren Nachkommen, den Siebenbürger Sachsen, leben noch rund 2000 in Hermannstadt. Einer von ihnen, Klaus Johannis, ist dort seit dem Jahr 2000 Bürgermeister.

Zur Eröffnung in der Silvesternacht ist in Hermannstadt ein grandioses Spektakel mit Feuerwerk, Musik und Tanz der französischen "Groupe F" geplant, die unter anderem die Feiern zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen mitgestaltet hat. Danach folgt ein Konzert der rumänischen Rockgruppe Phoenix. Am 1. Jänner schließt sich der eher offizielle Teil an unter Beteiligung des rumänischen Ministerpräsidenten Calin Popescu Tariceanu und Politikern aus dem Ausland, mit einem Konzert der "Philharmonie der Nationen" unter dem Taktstock von Justus Frantz. Den Titel Kulturhauptstadt Europas gibt es seit 1985. Linz ist 2009 Europas Kulturhauptstadt. (APA/dpa)

Hintergrund: Luxemburg und Großregion - Hermannstadt

Luxemburg und Großregion
Elf Millionen Menschen leben in dem Raum zwischen Rhein, Maas, Mosel und Saar

Trier - Vier Staaten treffen in der Großregion aufeinander: Luxemburg, Deutschland, Belgien und Frankreich. Gut elf Millionen Menschen leben in dem immer stärker miteinander vernetzten Raum zwischen Rhein, Maas, Mosel und Saar, der sich auf einer Fläche von 65 400 Quadratkilometern erstreckt. Zu der Großregion gehören neben dem Großherzogtum Luxemburg das Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen und Wallonien in Belgien. Der Verbund wird auch oft verkürzt "Saar-Lor-Lux" genannt, auch wenn im Namen Rheinland-Pfalz und Wallonien nicht auftauchen.

Rund 120.000 Berufspendler überschreiten in der Großregion täglich Grenzen, wovon etwa 90.000 Luxemburg zum Ziel haben. Seit 1995 kommen die Regierungschefs der Teilregionen alle eineinhalb Jahre zu einem Gipfeltreffen zusammen, bei dem eine Teilregion für 18 Monate den Vorsitz übernimmt. Einzige feste Anlaufstelle für die Großregion ist das "Haus der Großregion" in Luxemburg, in dem Vertreter der Länder zusammenarbeiten. Den Raum, den der luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker als "einzig wirkliche europäische Kernregion" bezeichnet, wächst seit Anfang der achtziger Jahre enger zusammen.

Die Einwohner sind unterschiedlich stark auf die Einzelregionen verteilt. Die höchste Bevölkerungsdichte hat das Saarland mit 408 Einwohnern je Quadratkilometer, am niedrigsten ist sie in Lothringen mit 98 Einwohnern. Die größte Stadt in dem Verbund ist Charleroi in Belgien mit 210.000 Menschen.

Link: Großregion

Hermannstadt
Stadtkern mit mächtigen Wehranlagen gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO

Bukarest - Hermannstadt (Sibiu) liegt in den rumänischen Südkarpaten, etwa 300 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bukarest. Am südlichen Rand des früheren Fürstentums Siebenbürgen gelegen, stand die Stadt wie auch die Region unter habsburgischem Einfluss, bis 1918 als Teil Österreich-Ungarns. Der zum Teil mittelalterliche Stadtkern mit mächtigen Wehranlagen gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Wahrzeichen sind das klassizistische Palais Brukenthal, benannt nach dem siebenbürgischen Gouverneur Samuel von Brukenthal (1721-1803), sowie die gotische evangelische Stadtpfarrkirche, erbaut vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.

Im Jahr 1191 wurde Hermannstadt erstmals erwähnt, in einer Urkunde von Papst Coelestin III., in der dieser die Existenz einer deutschen Gemeinde bestätigt. Der Ort und die Region wurden nach und nach von Einwanderern aus dem deutschen Raum besiedelt, deren Nachkommen Siebenbürger Sachsen genannt werden. Bis zum Zweiten Weltkrieg bildeten diese etwa die Hälfte der Bevölkerung. Nach Deportationen durch die Kommunisten und massiven Auswanderungswellen sind nur noch etwa 2000 der insgesamt 170.000 Einwohner Sachsen. Bis zum Zweiten Weltkrieg blühten in Hermannstadt Maschinenbau und Leichtindustrie. Nach einem dramatischen Niedergang während des Kommunismus und in den Wendejahren entwickelte sich die Stadt vom Jahr 2000 an zu einem der begehrtesten Standorte für Auslandsinvestitionen in Rumänien. (APA/dpa)

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