"Es war vorgesehen, dass ich gewinne"

10. Juli 2000, 01:14

Venus Williams über Rassismus und ihre Hoffnung, Nachahmer zu finden


Der erste Dank der Siegerin galt Schwester Serena.

Wimbledon - Das Kleid für den festlichen Championsball am Sonntagabend hatte Venus Williams bereits vor ihrer Abreise nach Wimbledon in Florida gekauft. "Da wusste ich bereits, dass ich hier gewinne. Ich hatte es mir versprochen", erzählte die 20-Jährige am Samstag, nachdem sie das Versprechen gehalten hatte.

Mit dem 6:3, 7:6 (7/3) Erfolg über die entthronte Titelverteidigerin Lindsay Davenport in einem eher enttäuschenden Finale holte sie den ersten Wimbledon-Titel für das Tennis-Unternehmen Williams. Und nach eigener Einschätzung auch für die ganze farbige Gemeinschaft. "Es war so vorgesehen, dass ich hier gewinne", sagte die ältere der Schwestern. "Ich habe mein ganzes Leben hart dafür gearbeitet und Opfer gebracht."

Venus Williams ist die erste afro-amerikanische Siegerin auf dem so genannten "Heiligen Rasen" seit der heute 72 Jahre alten Althea Gibson (1958). "Ich empfinde es als Privileg, dass ich hier gewinnen konnte, solange sie noch am Leben ist", sagte die neue Weltranglisten-Dritte.

Gibson ist angeblich verarmt, krank und einsam, an der Champions Parade mit 63 ehemaligen Siegern am vergangenen Samstag auf dem Centre Court nahm sie nicht teil. "Es muss für sie vor 40 Jahren sehr hart gewesen sein, weil die Leute nicht über die Hautfarbe hinaus gesehen haben", sagte Venus und schloss ein politisches Bekenntnis an: "Grundsätzlich hat sich seitdem immer noch nicht viel geändert. Ich bekomme auch mit, dass nicht jeder sich freut, wenn ich oder Serena gewinnen. Aber uns ist bewusst, dass wir von der schwarzen Bevölkerung stark unterstützt werden. Wir sind schwarz, wir haben für alles gekämpft, was wir erreicht haben."


Richard Williams lobte das Publikum.
Weißer Sport

Als Tennisspielerin ist sie wie Golf-Star Tiger Woods in ein Metier eingedrungen, das trotz Gibson, Arthur Ashe und Zina Garrison und einiger anderer im Wesentlichen ein weißer Sport geblieben ist. "Ich hoffe, dass einige Farbige uns und unsere Erfolge sehen und selbst Tennis spielen", sagte Venus. "Mein Vater und ich werden sicher dabei helfen, Programme zu starten." Zweifel am Erfolg sind nicht erlaubt im Hause Williams, waren es nie. "Mein Daddy hat mir immer gesagt, dass ich hier gewinnen werde." Und dass sie die Nummer eins wird und alle anderen Grand Slams auch gewinnt und eben sowieso die Beste ist - oder eben die 18 Jahre alte Schwester Serena. "Warum sollen wir spielen, wenn wir nicht versuchen, die Besten zu sein?"

Auf jeden Fall haben die Schwestern das Damen-Tennis in eine neue Dimension gehievt. Niemand spielt athletischer, schlägt die Bälle so hart. Martina Hingis ist sicherlich die elegantere, technisch feinere Spielerin, was aber in Wimbledon nicht unbedingt ausschlaggebend ist. Venus gewann das Viertelfinale gegen die Schweizerin. "Die beiden Schwestern sind auf Jahre hinaus nicht zu stoppen, wenn sie so weitermachen", sagte Martina Navratilova: "Das war ein weiterer Durchbruch."

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