Richard Stallman: Novell-Abkommen mit Microsoft verstößt - noch - nicht gegen die GPL

8. Februar 2007, 10:20
22 Postings

Gründer der Free Software Foundation bestätigt derzeitige rechtliche Unbedenklichkeit - GPLv3 soll aber extra gegen den Deal angepasst werden

Die ursprünglichen Vermutungen mancher KritikerInnen, dass der Microsoft-Novell-Patentdeal gegen die freie GNU General Public License verstoße, ist nun wohl endgültig vom Tisch: Dies bestätigte Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation (FSF) in einem Vortrag auf der 5. internationalen GPLv3-Konferenz in Tokio.

Trickreich

Dadurch, dass Novell ja selbst kein Patentabkommen mit Microsoft eingegangen ist, sondern nur die KundInnen des Linux-Distributors geschützt werden, komme der entsprechende Paragraf 7 der GPLv2 nicht zum Tragen. Kurz nach der Bekanntgabe des Deals hatte der FSF-Anwalt Eben Moglen Novell den Bruch der GPLv2 vorgeworfen.

Chat

Von dieser Meinung scheint aber auch Moglen selbst mittlerweile abgekommen sein. So wies der Leiter der Desktop-Entwicklung bei Novell, Nat Friedman, bereits Anfang der Woche im Rahmen eines Chats des openSUSE-Projekts darauf hin, dass der FSF-Anwalt den Vertrag selbst gelesen habe, und seitdem keine entsprechenden Behauptung mehr aufgestellt habe.

Ausschluss

Das heißt freilich nicht, dass sich die Verärgerung über den Microsoft/Novell-Deal bei Stallman und Moglen nun gelegt hat: Man wolle die GPLv3 im nächsten Entwurf so anpassen, dass sie solche Abmachungen explizit ausschließt. Insofern habe die ganze Angelegenheit vielleicht sogar etwas Gutes, könne man doch noch entsprechende Anpassungen vornehmen. Bisher hätte das Patentabkommen nämlich nicht einmal gegen die GPLv3 verstoßen.

Abwarten

Bei Novell gibt man sich solchen Ankündigungen gegenüber vorerst abwartend: Die GPLv3 sei derzeit noch in Bearbeitung, insofern müsse man erst einmal abwarten, wie eine endgültige Fassung aussehen werde, so Ron Hovsepian, CEO von Novell. Komme der angekündigte Ausschluss, so könnte dieser aber weitreichende Folgen haben, immerhin bieten zahlreiche im Linux-Bereich tätige Unternehmen – wie Oracle, Red Hat und HP – einen Schutz gegen Patentklagen an. Dieser würde dann wohl auch Probleme mit der GPLv3 erzeugen, zeigt sich zumindest Nat Friedman überzeugt.

Überblick

Unterdessen hat Novell eine eigene Verantwortliche für die Koordinierung der Zusammenarbeit mit Microsoft genannt: Susan Heystee, bisher schon Vizepräsidentin des Unternehmens für strategische Parntnerschaften soll künftig dafür sorgen, dass die angekündigten gemeinsamen Unterfangen – etwa die Verbesserung der Linux-Windows-Interoperabilität – entsprechend umgesetzt werden. (apo)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.