Gewalt in PC-Spielen: Verbote machen neugierig

30. März 2007, 11:29
21 Postings

Seminar über Egoshooter mit überraschenden Erkenntnissen - Pädagogen haben bei Gewaltspiel "Blut geleckt"

"Verbote bringen gar nichts, sie machen nur neugierig." Das sagte der Wiener Spiele-Experte Clemens Schneidhofer (23) zu der Diskussion über "Killerspiele", die nach dem Amoklauf von Emsdetten (Deutschland) auch in Österreich geführt wird. "Wer Verbote von Software fordert, hat außerdem wenig Ahnung von Globalisierung und E-Commerce. Ein Spiel wie 'Counter-Strike' kaufe ich ja nicht im Geschäft, ich bekomme es per Internet", sagte der Fachmann zur APA. Schneidhofer nahm am Donnerstagabend an einer Gesprächsrunde im Rahmen eines Seminars zu diesem Thema teil.

Seminar

Unter dem durchaus provokant gemeinten Titel "Killen ist gesund?" organisierte das Wiener Medienzentrum ein zweitägiges Seminar zum Thema "Gewalt und Computerspiele". Die Veranstaltung im "Area 52" richtete sich in erster Linie an Pädagogen und Mitarbeiter von Jugendzentren und sollte Einblicke in die Hintergründe über die aktuelle Diskussion über mögliche Verbote von "Killergames" geben. Zur Einstimmung veranstaltete die Austrian Players League (APL) eine kleine LAN-Party - mit überraschendem Ergebnis: "Selbst erwachsene Pädagogen konnten sich für das umstrittene Spiel 'Counter-Strike' begeistern", sagte APL-Obmann-Stellvertreter Schneidhofer, der seit acht Jahren LAN-Events organisiert. "Manche haben sogar, wie sie selbst sagten, richtig Blut geleckt ..."

Wichtiger als Verbote sei, so Schneidhofer, "dass sich Eltern genau ansehen, welche Spiele ihre Kinder spielen. Spiele mit brutalem Inhalt gehören genau so wenig zur Erziehung wie Gewaltfilme." Einen Zusammenhang zwischen Gewalt in Computerspielen und aggressiven Verhalten von Jugendlichen sieht Schneidhofer ohnehin nicht: "Wir veranstalten pro Jahr 40 LAN-Partys mit durchschnittlich 250 Teilnehmern und hatten noch nie Handgreiflichkeiten oder andere Gewaltausbrüche. Und wir spielen auf diesen Partys nicht 'Pony Ranch' oder 'Prinzessin Lillifee' ..."

Kontraproduktiv

Teilnehmer an der Podiumsdiskussion war auch Herbert Rosenstingl, Projektleiter der Bundesstelle für Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (BuPP) im Sozialministerium. Er spricht sich - wie übrigens auch Bundesministerin Ursula Haubner (B) - gegen ein generelles Verbot von bestimmten Spielen aus: "Das wäre kontraproduktiv." Rosenstingl empfiehlt Eltern und Pädagogen, sich in Erlebniswelten der Kinder und Jugendlichen hinein zu versetzen: "Was am Computerbildschirm passiert, wird von Erwachsenen mit einer Sehgewohnheit wahrgenommen, die stark von Film und Fernsehen geprägt ist. Sie übersehen dabei aber einen wesentlichen Aspekt: In einem Computerspiel gibt es keine Tragödien, niemand ist seinem Schicksal hilflos ausgeliefert. Im Gegenteil: Der Spieler bekommt immer eine zweite Chance und die Möglichkeit, sich neu zu bewähren. Das ist, was Jugendliche oft so fasziniert, denn es sind Dinge, die ihnen in der Realität oft fehlen."

Rosenstingl plädiert für verstärkte Kommunikation zwischen Jugendlichen und Erwachsenen: "Wenn in bestimmten Computerspielen Gewalt als Weg zum Erfolgserlebnis vorgesehen ist, dann sollte man mit den jungen Spielern darüber reden, dass dieser Weg im wahren Leben nicht zielführend ist." Gleichzeitig weiß er aber, dass Jugendliche, die selbst schon Gewalt in der eigenen Familie erleben mussten, mit dieser Argumentation möglicherweise Probleme haben können: "In solchen Fällen ist das Computerspiel als Ursache von Aggression aber auszuschließen ..."

Siegel

Die BuPP hat zum Ziel, Spiele mit ihrem Gütesiegel zu versehen, die Spielspaß garantieren. Das Motto lautet "Gutes empfehlen statt Schlechtes verbieten". Die Spielerszene, sagt Clemens Schneidhofer, steht gesammelt hinter den Ideen der BuPP: "Das ist eine sehr gute Institution. In Deutschland kommen Spiele auf einen Index, das heißt, es wird negativ prädikatisiert. In Österreich wird das Positive hervorgehoben; das ist sicher der bessere Weg." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.