Nikolo ist kein "Rächer"

2. Jänner 2007, 16:38
45 Postings

Das Nikolaus-Hausverbot in Kindergärten habe es nie gegeben, sagt die Wiener Jugendstadträtin Grete Laska

Die Wiener Jugendstadträtin Grete Laska nimmt "nichts zurück, weil ich nichts verboten hab". Der Nikolaus sei natürlich weiterhin Teil der Jahresfeste - nur: als freundliche Figur. Angst und Strafe seien falsche Erziehungsmittel. Lokalverbot hat nur der Krampus.

***

Wien - Der Nikolaus bekomme "Hausverbot" in den Wiener Kindergärten, weil die Kinder - sinngemäß - vor ihm scheppern wie die Kluppensackerln. So die verkürzte Darstellung der ursprünglichen Agenturmeldung, mit der die große Aufregung um das angebliche Nikoloverbot begann. Allerdings: Ein bisserl falsch war's halt. "Da haben ein paar Medien entschieden, das is a gute Gschicht, da mach ma ein Thea-ter draus", resümiert Wiens Ju-gendstadträtin Grete Laska (SP) im Standard-Gespräch. "Ich brauch nichts zurücknehmen, weil ich nichts verboten hab."

"Unser Kulturkreis"

Nur eines gebe es laut Laska "mit Sicherheit nicht: Dass der Nikolo als Rächer der Nation auftritt". Denn "Angstmachen und Strafen sind falsche Erziehungsmittel". Daher werde im Vorfeld gebastelt, würden Geschichten erzählt, und dann werde "in allen Kindergärten das Nikolofest gefeiert. Einerseits, weil er "zu unserem Kulturkreis gehört", betont Laska, aber auch aus einem anderen Grund: "Natürlich muss das ein Thema im Kindergarten sein. Auch die evangelischen, orthodoxen und muslimischen Kinder gehen ja einkaufen und sehen jeden Tag das wirtschaftliche Getue rund um dieses Fest.

Dass der Nikolo aus Rücksicht auf muslimische Kinder verboten werde, versuche die FPÖ seit Jahren zu verbreiten, so Laska, "aber das versuchen sie ja auch mit den Schnitzeln und dem Schweinefleisch".

Nur einer hat in den Wiener Kindergärten wirklich nichts verloren: der Krampus. Wer ihn dennoch vermisst, kann am Dienstag zum Kunsthandwerksmarkt auf dem Karlsplatz gehen. Dort gibt's eine große "Krampus-Feuershow". Aber ums Angstmachen geht es auch hier nicht. Schließlich lautet ein Motto am Karlsplatz: "Liebe lernen im Advent". (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 01.12.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Nikolos kehren nicht nach Wien zurück - denn sie waren nie weg. Die Nachfahren vom heiligen Nikolaus von Myra müssen allerdings gütig sein und dürfen nicht mehr als "Rächer der Nation" auftreten

Share if you care.