Es kocht der Koch ein Ei

14. März 2007, 13:08
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Frühstücken konnte man ja auch schon früher im Theatercafe. Auch mit Ei. Aber jetzt mit vielerlei Ei. Und das macht genau den Unterschied. Eine Betrachtung von Vene Maier

Wer nämlich glaubt, ein Ei ist ein Ei, ist ein Ei – und irrt. Und sollte sich wer fragen, was da jetzt zuerst war, braucht in diesem Fall gar nicht lange zu rätseln: Zuerst war das Ei, und dann erst der Koch. Alte Dialektiker wissen jetzt auch gleich, wie das eine auf das andere und dieses auf jenes einwirkt, und dass dabei immer was anderes herauskommt, und sind gespannt auf die Ergebnisse im Theatercafe.

Das Ei im Kopf

Weil hier, seit Herbert Malek sich um das Ei kümmert, zwar die Hegelsche Dialektik nicht von den Füssen zurück auf den Kopf gestellt wird und auch weiterhin gilt, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, bestimmt im konkreten Fall doch mehr das Bewusstsein des Kochs das Sein des Eis. Ergebnis: Kein Ei gleicht dem anderen und es präsentiert sich in immer neuen und sehr vielfältigen Formen des Seins.

Einmal abgesehen davon, dass das Ei in total unterschiedlichen Größen auftritt und vom Singvogelei über das Hühnerei bis zum Straußenei reicht, kann es auch alle denkbaren Seinsformen annehmen, von der flüssigen Emulsion bis zum kalkharten Fossil. Und in vielfältigen Abstufungen dazwischen.

Das Ei im Wasser

Da kommt’s jetzt ganz drauf an, wer das Ei in die Pfanne haut. Oder ins Wasser wirft. Oder ins Rohr schiebt. (Das mit dem Stickstoff lassen wir jetzt mal beiseite). Dann gibt’s eben ein gerührtes Ei oder ein gebratenes Ei, ein weiches Ei oder ein hartes Ei, ein Wachsei oder ein Spiegelei. Auch wenn im Theatercafe (bisher) nur das Hühnerei Verwendung findet, kommt auch dieses nicht nur in den verschiedensten Aggregatzuständen, sondern auch in vielen Kombinationen auf den Tisch.

Als weiches Ei in der Schale schon mal in drei bzw. sechs oder – wenn man so will – in neun Variationen. Süß: mit Orangenmarmelade und geröstetem Sesam. Würzig: mit Gemüsesugo, Thymian und Majoran. Exotisch: mit Lachs und Sesamglace und Ingwer. Oder als getrüffeltes Ei, als gekräutertes und als geräuchertes Ei.

Das Ei inhaliert

Das nenne ich übrigens einen schönen Zug vom Ei: Es inhaliert! Wahrscheinlich könnte man es im Zigarrenclub oder in der Selchkammer auch gut Aroma annehmen lassen, das tut aber niemand, man wird schon wissen, warum. Warum aber die getrüffelten Eier meistens mit diesem Solala-Trüffelöl aromatisiert werden, ist mir leidlich unklar, weil das Ei, legt man es mit einer Trüffelscheibe in eine Box, die ganze Zeit dieses schöne Aroma inhaliert und im Ei speichert. So macht man aus einem (wer genug davon hat nimmt zwei) Gramm Trüffel, den man dann bitte auch ins Ei reibt und nicht fast nutzlos obendrauf dekoriert, eine herrliche Speise für zwei verliebte Frühstückseier.

Das Ei im Glas

Dies war jetzt aber nur ein Exkurs, der nichts weiter mit dem Ei des Kochs vom Cafe im Theater an der Wien zu tun hat. Der nämlich serviert das Ei auch im Glas mit köstlichen Aromen: mit Karottenfonds und Curry und Koriander zum Beispiel, mit Paradeisfonds und Parmesan oder mit Kalbsbeuscherl und Weizenchips. Das wachsweiche Ei wiederum kann schon mal mit Roastbeef und einer Senfvinaigrette, mit rosa gebratenem Lamm und Ruccolapesto oder mit einer Portulak-Minze-Honig-Vinaigrette serviert werden. Die Preise für die gekochten Eier, die gerührten Eier und die Eier im Glas liegen zwischen 1.50 und 3.50 Euro.

Das Ei ist gesund

Was man noch wissen sollte, bevor man sich den großen Malekschen Eierwürfen aussetzt: Eier sind viel gesünder als der gemeine Glaube an das schädliche Cholesterin und die bösen Salmonellen immer suggerieren, denn das Hühnerei liefert wichtige Nährstoffe für den menschlichen Organismus: „Es gehört sogar zu den wertvollsten Lebensmitteln, da es sehr hochwertiges Eiweiß enthält, das alle essenziellen Aminosäuren liefert, die der Körper besonders gut verwerten kann. Darüber hinaus liefert es wichtige Vitamine und Mineralstoffe: es ist besonders reich an Vitamin A, E, K, Folsäure und Biotin sowie an Eisen und Zink.“ Aber Hallo! (siehe www.medizin.de)

Das Ei in der Pfanne

Da kann man ja noch ein Ei draufsetzen! Als Spiegelei etwa, mit Trüffelbutter auf Polenta. Oder, für die Reichen und die Angeber: mit frisch gehobelter Trüffel. Preis nach Gramm. Aber wieviel ist so ein Gramm? Und – wer traut sich das zu fragen? Wie soll man das nachwiegen? Also besser: Keine blöden Fragen stellen, sondern ablegen! Man(n) kann aber auch auf ein gebratenes Ei mit Steinpilzen und Käse einladen. Nicht viel schlechter, vielleicht sogar besser, und jedenfalls günstiger. 4,70 Euro nämlich.

Das Ei im Napf

Eher in der Trüffelpreisklasse dann das Ei – bzw. zwei – als Eierspeis mit Sevruga-Kaviar. Wenn der echt ist, dann rechnen sich die € 11.80 sogar. Der alte steirische Klassiker mit Kernöl (Tipp: mit frischem Thymian bestellen) ist da echt wohlfeil: geringfügige 2,8 Euro nimmt der Koch dafür. Semmerl extra. Butter? Keine Ahnung, aber braucht man die? Da nehm ich doch viel lieber ein Ei im Napf mit Erdäpfelpüree, in das die Butter schon eingerührt ist. Dieses oder jenes mit Ochsenschwanzragout leistet man sich allemal, immerhin wird man morgens davon satt und kost nicht viel, nämlich 4,10 bzw. 4,80 Euro.

Das Ei zuerst

Jetzt ist es zwar nicht so, dass ich das alles auch ausprobiert hätte, aber: Es klingt sehr gut. Und es gibt ja noch viele trübe Wintertage, die erträglicher werden, wenn das Frühstücksei die Phantasie beflügelt. Und mit einem guten Ei lässt sich an so einem Frühstückstag auch trefflich der Frage nachhängen, wie denn bei dem herrschenden Bewusstsein das Sein zu ertragen ist, und man kann auch gleich die Frage klären, wer denn zuerst war: das Huhn oder das Ei? Das Ei natürlich!

Vom Kopf auf die Füße

Und das Schöne an so einem Vormittag ist auch die Erkenntnis: Ein guter Koch kann ein Ei vom einfachen Sein erlösen und zu einem delikaten Bewusstsein führen. Und Malek – das kann auch anhand anderer Kochprodukte, wie z.B. der Zubereitung einer Roten Rübe, ausprobiert werden – ist ein guter Koch. Man muss ihn nur vom Kopf auf die Füße stellen und ihm eine Bühne geben. Die hat er jetzt wieder, im Theatercafe. (Vene Maier)

  • Bühne für den Koch: Herbert Malek im Theatercafe.
    foto: vene maier

    Bühne für den Koch: Herbert Malek im Theatercafe.

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