Auffrischende Abreibung

9. März 2007, 15:13
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Unter der äußersten Hautschicht liegt immer zarter, frischer Teint verborgen - Microdermabrasion ist ein Weg, diese Schicht freizulegen - Entweder beim Hautarzt oder sanfter im eigenen Badezimmer

Es fehlen uns seit Jahren die Worte im Deutschen. Wer Hornschüppchen von der obersten Hautschicht abträgt, will diese weder abrubbeln noch abschleifen und schon gar nicht abschmirgeln. Die Haut ist schließlich kein Tisch. In Ermangelung einer passenden Wendung hat sich Peeling, englisch für "schälen", als Wort der Wahl etabliert. Damit ist das Einmassieren von in Seife oder Creme eingearbeiteten Rubbelteilchen durch kreisförmige Bewegungen auf Gesicht, Hals oder Dekolleté zu verstehen, Augen- und Mundpartie ausgenommen. Im Normalfall endet die Prozedur mit dem Abspülen und der Entdeckung einer wesentlich weicheren und glatteren Haut als vorher. Wer es kürzer ausdrücken will, sagt auch Exfoliation. Der dritte Terminus im Bunde, der einen ähnlichen Vorgang bezeichnet, heißt Microdermabrasion und ist eine Technik, die aus den Praxen der amerikanischen Hautärzte zu uns gekommen ist und in modifizierter Form auch Einzug in die Kosmetikindustrie gehalten hat. Am Grundprinzip "Abschmirgeln" hat sich dabei nichts verändert.

"Microdermabrasion ist für jeden Hauttyp geeignet, absolut ungefährlich und entfernt ganz hervorragend Hautunreinheiten", bringt die Wiener Hautärztin Sibylle Wichlas vom Gesundheitszentrum Woman & Health die Vorteile dieser Methode auf den Punkt. Was ursprünglich vor 15 Jahren zur Glättung erhabener Narben entwickelt wurde, wird heute sehr erfolgreich entweder bei der Behandlung von Akne eingesetzt oder eben zur Auffrischung des Teints und Aufhellung kleinerer Pigmentflecken eingesetzt. Wie Microdermabrasion funktioniert? Zuerst wird die Haut mit Alkohol gereinigt. Das riecht etwas unangenehm, öffnet aber die Poren. Dann beginnt die Arbeit mit einem an einen Vibrator erinnernden Gerät, das eine Art Sandstrahlgebläse ist. Mit hohem Druck wird die Haut mit feinen Partikeln Aluminumhydroxidsand beschossen. "Im Gegensatz zu Rubbelteilchen wie Sand oder Kleie ist das Hightechmaterial ohne Ecken und Kanten und führt daher nicht wie bei normalen Peelings zu Mikroverletzungen", sagt Wichlas. Weh tut das übrigens nicht, sondern fühlt sich ungefähr so wie ein eisiger Schneesturm auf der Haut an. Im dritten Schritt werden dann die Aluminiumdydroxid-Sandkörner mit einem Vakuumsauger entfernt. Eine pflegende Creme ist der Abschluss der dermatologischen Behandlung, die am besten einmal wöchentlich über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen durchgeführt werden sollte, 130 Euro pro Sitzung kostet und einen strahlenden und vor allem porentief reinen Teint bringt.

Viele Einfälle zu einem Thema

Dass sich die Kosmetikindustrie an dieser relativ simplen, weil mechanischen Technik inspirieren würde, war eine Frage der Zeit, und es gibt kaum einen Konzern, der sich zu diesem Thema nicht etwas hätte einfallen lassen. Roc beispielsweise eifert den Dermatologen mit einem elektronischen Gerät samt Schwämmchen und Spezialcreme mit Aluminiumoxid-Mikrokristallen nach und bringt nach Epilierer und Cellulite-Massagegerät eine neue Spielart von Technik ins Badezimmer. Unkompliziert gehen Widmer, L'Oréal oder Clinique das Abrubbeln der toten Hautschüppchen an, Luxusmarken wie La Mer oder La Prairie verwenden dafür nichts Geringeres als Diamantstaub oder Süßwasserperlen. Vichy oder Lancôme wiederum verbinden Mechanik mit Chemie und verpacken auch noch Fruchtsäure oder Vitamin C ins Anti-Aging-Set.

Für Menschen ohne ausgeprägte Neigung zu langen Reinigungsritualen ideal sind die mit Pflegestoffen getränkte Wattepads: in einer simplen Variante zum täglichen Gebrauch von Neutrogena, in einer edlen und in der Wirkung tatsächlich verblüffenden Variante von Shiseido. Für den japanischen Schönheitskonzern ist Microdermabrasion als Methode nämlich einfach zu grob. Die Alternative: ein doppelseitiger Wattepad, der beim Nassmachen im Inneren verborgene Substanzen freisetzt. Für das Ablösen der abgestorbenen Hornzellen an der Hautoberfläche sorgen Bierhefe- und Zuckerrüben-Extrakte, die Rückseite des Pads ist angeblich aus Seide und hat tatsächlich eine verblüffend glattmachende Wirkung. Ist das aber nun ein Peeling oder doch Exfoliation?

Vielleicht gibt es in Japan ja präzisere Bezeichnungen für das, was Haut strahlend und frisch aussehen lässt, in unseren Breiten müssen eben die wenig präzisen Lehnwörter aus dem Englischen weiter herhalten. Abrubbeln und Peelen sind jedenfalls in gar keinem Fall dasselbe. (pok/Der Standard/Rondo/01/12/2006)

  • Es muss keine Stahlwolle sein: Die zarten Seiten  der Haut lassen sich  Microdermabrasion an  die Oberfläche bringen
Zur Ansichtssache Abrubbeln und abtragen
    foto: der standard

    Es muss keine Stahlwolle sein: Die zarten Seiten der Haut lassen sich Microdermabrasion an die Oberfläche bringen

    Zur Ansichtssache Abrubbeln und abtragen

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