Jour Fixe in Graz: Quoten sind nicht immer das Problem

29. November 2006, 18:10
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Gespräch mit den Intendanten Pakesch, Kos und Flos in der Needle im Grazer Kunsthaus

Graz – Eigentlich hätte der Titel des 15. Kunsthaus Jour Fixe, den der Standard mit dem Grazer Kunsthaus veranstaltet, seine Besucher ein bisschen in die Irre führen können. Denn "Kunst im Wettstreit – Museen und Festivals rittern um Aufmerksamkeit und Quoten" traf, genau genommen, auf keinen der vier Gäste, die mit STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl diskutierten, zu. Statt in der in luftigen Höhen, auf dem Kunsthaus gelegenen Needle in Quotendepressionen zu verfallen, konnte man recht gelöst von Besucherzahlen erzählen.

Vor allem jene drei, die mit ihren Institutionen in Graz ansässig sind. Den Anfang machte Veronika Kaup-Hasler, deren erster steirischer herbst als Intendantin vor einem Monat zu Ende gegangen ist. Mit einer Auslastung von 95 Prozent hatte Kaup-Hasler wenig zu jammern, allerdings spüre sie "obwohl der herbst einen gewissen Freiraum hat, den andere nicht haben, den Druck auch sehr". Allerdings weniger jenen der "Quote", als jenen, von den Medien wahrgenommen zu werden.

Auch Diagonale-Intendantin Birgit Flos muss sich um ihr Filmfestival, das ja seit einigen Jahren in Graz ein "festes Zuhause" gefunden hat, keine Sorgen machen: "Auch wir sind mit unserem Stammpublikum in einer privilegierten Lage." Peter Pakesch, der Hausherr des 2003 eröffneten Kunsthauses, kann jetzt schon rund 400.000 Besucher zählen, die anders als erwartet, auch zum großen Teil (immerhin rund zehn Prozent) aus Wien kommen: "Obwohl man dort genug Angebot hätte." Von den rund 240.000 Einwohnern der Stadt Graz war statistisch gesehen immerhin schon die Hälfte einmal in der Blase.

Im selben Jahr, als Pakesch Intendant wurde, übernahm Wolfgang Kos das Wien Museum als Direktor. Auch Kos sieht den Druck eher von Medien gemacht: "Es kann sein, dass etwas für tausende Menschen wichtig ist, aber wenn keiner drüber redet, ist es ein Non-Event."

Einem vom steirischen Kulturlandesrat Kurt Flecker (SPÖ) ab 2008 geplanten "Event" gegenüber zeigte sich vor allem Kaup-Hasler aber skeptisch. Flecker will ja die Landesausstellungen durch ein biennal stattfindendes Festival der Regionen nach dem Vorbild Oberösterreichs ersetzen – mit einem den "herbst" überflügelnden Budget von vier Millionen Euro. Da muss wohl eher um Förderungen gerittert werden. (Colette M. Schmidt / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.11.2006

  • Pakesch, Kos, Flos, Kaup-Hasler und Sperl (v.li.) in der Needle im Grazer Kunsthaus.
    foto: gubisch

    Pakesch, Kos, Flos, Kaup-Hasler und Sperl (v.li.) in der Needle im Grazer Kunsthaus.

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