Die Hintergründe der Konsolenschlacht

18. Juli 2007, 16:23
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Alles begann damit, dass Nintendo und Sony keine Microsoft-Spiele wollten, danach scheiterte der Softwarekonzern beim Aufkauf, der Rest ist HD-DVD vs. Bluray

Es gab einmal eine Zeit, da waren Sony und Microsoft noch unbeschriebene Blätter in der Konsolenspielelandschaft. Es regierten Atari, NeoGeo und auch Nintendo war schon da und musste sich gegen den Konkurrenten Sega durchsetzen. Doch dann ging es Schlag auf Schlag und mit dem Ende Segas, das noch als Entwickler für unterschiedliche Plattformen aktiv ist, stiegen neue Unternehmen auf den Olymp des Konsolenbusiness.

Drei, statt Zwei

Sony und Nintendo hätten sich den Markt untereinander aufteilen können, wäre man bereit gewesen, dem Wunsch Microsofts zu entsprechen und die Computerspiele des Konzerns auf seine Plattformen zu lassen. Dies war nämlich einmal der Plan des Redmonder Softwarekonzerns. Weder Sony noch Nintendo zeigten sich jedoch bereit, die Spiele der Microsoft Game Studios auf ihren Plattformen laufen lassen - über die wahren Hintergründe gibt es noch immer keine wirklichen verbürgten Informationen. Sicher ist nur, dass Microsoft eine andere Strategie einschlagen musste. So dauerte es nicht lange, bis man bei Microsoft erkannte, dass es vielleicht doch besser wäre, ein eigenes Standbein im Markt zu haben.

Nintendo aufkaufen

Die Parallelen zwischen der Geschichte der Xbox und dem Microsoft Musikplayer Zune sind Teil des BusinessWeek-Artikels "The Soul Of A New Microsoft". Die wesentliche Gemeinsamkeit zwischen dem Zune und der Xbox liegt in der Tatsache, dass niemand gefunden werden konnte, der die (Software-)Wünsche von Microsoft mit einer geeigneten Hardware erfüllen konnte. Bei Microsoft dachte man in der "Vor-Xbox-Zeit" noch eher konventionell. Zunächst sollte Dell ein Windows-Videospielgerät bauen, aber die Pläne verliefen schnell im Sand. Es erschien daher am einfachsten einen direkten Konkurrenten aufzukaufen. Da Sony schon zu groß war, sollte Nintendo im Microsoft-Imperium aufgehen. "Ich wollte Nintendo aufkaufen", bestätigt Rick Thompson, ein Microsoft-Vizepräsident gegenüber BusinessWeek. Schließlich war es dann J. Allard, Vizepräsident für Design und Entwicklung in der "Entertainment & Devices" Abteilung in Redmond, der seine Idee einer komplett neuen Spielekonsole aus dem Hause Microsoft durchsetzen konnte.

Xbox ein Prototyp

Die erste Xbox kann daher noch als ein Prototyp für Microsofts Einstieg in das Konsolengeschäft gesehen werden. Schon am Design lässt sich erkennen, dass man sich hier noch einige Verbesserungsmöglichkeiten offen gelassen hatte. Rückblickend kann diese Ur-Xbox wohl als Testlauf für seine Nachfolgekonsole bezeichnet werden.

Die wahren Hintergründe

Bei der Diskussion rund um die neuen Plattformen darf man einige essenzielle Punkte nicht außer Acht lassen. Das Spielegeschäft mag ein milliardenschweres sein, aber Microsoft war mehr an einer Unterhaltungszentrale mit Windows als Basis interessiert, als daran Spieleentwickler im großen Stil zu werden. Der Wunsch Microsofts in die Wohnzimmer der AnwenderInnen zu kommen, war schlussendlich der Beweggrund für den Einstieg in den Markt. Werbe- und Marketingmeldung hin oder her, die Windows Media Center-Edition mag ihre Vorteile haben, die Kontrolle über die heimischen Wohnzimmer hat Microsoft aber definitiv errungen. Also musste eine Alternative her - und was ist da geeigneter als eine Spielekonsole. Eine Spielekonsole, die auch noch mit einem PC kommunizieren, ins Internet, Bilder anzeigen und CDs/DVDs wiedergeben kann. Die Spiele sind nur das Lockmittel für die KundInnen. Ein gutes Spiel ist wichtig, viel wichtiger als es manche Unternehmen bislang sehen, aber es bleibt nur ein Mittel zum Zweck - KundInnen auf seine Plattform zu holen.

Das Geschäftsmodell hat sich Microsoft bei Sony abschauen können. Immerhin ist die PlayStation 2 die Wegbereiterin für DVD gewesen. Um den Preis der PlayStation 2 hat man in den Anfängen des DVD-Zeitalters keinen entsprechenden DVD-Player bekommen. Die PlayStation 2 als spielender DVD-Player war sicherlich ein Vorbild für Microsoft.

Xbox - Windows für Zuhause

Die Xbox 360 soll nun endlich den Erfolg bringen, den die Ur-Xbox und die Media-Center-PCs nicht erreicht haben. Spielen an sich ist dabei allem Anschein nach nur ein Punkt unter vielen gleichwertigen. Ein interessanter Punkt, der sicherlich noch einige Diskussionen auslösen wird und dem viele Experten nicht folgen können, ist die Frage Wieso hat Microsoft das HD-DVD-Laufwerk nicht standardmäßig integriert?

HD-DVD vs. Bluray

Was die PlayStation 2 für die DVD war, wird die PlayStation 3 für Bluray sein. Sony weiß dies auch und hat seine gesamte Bandbreite an Möglichkeiten daher seine gesamten Abteilungen - Film, Musik, Computerentertainment - in die Entwicklung der Konsole miteingebunden. Ein riskantes Unterfangen. Ein Scheitern der PlayStation 3 dürfte für Sony nicht mehr leicht zu verkraften sein. Daher ist es umso verwunderlicher, dass ein Mitbewerber wie Microsoft nicht wesentlich stärker das Konkurrenzformat HD-DVD pusht. Das HD-DVD-Laufwerk kann, im Gegensatz zum vorinstallierten Bluray-Laufwerk des PlayStation 3, nur als Zubehör (und dies derzeit nur in einigen wenigen Ländern) erworben werden. Dieser Umstand macht auch die Preisunterschiede zwischen PlayStation 3und Xbox 360 aus. Microsofts Konsole ist in seiner "nackten" Version - ohne Festplatte und ohne HD-DVD-Player - sicherlich billiger als das Sony Produkt, aber in Vollausstattung zumindest gleich teuer.

PS3 - der beste Bluray-Player

Bei Sony zeigt man sich derzeit zuversichtlich, was den Erfolg der PlayStation 3 betrifft. Es wird nun auch immer lauter verkündet, dass die PlayStation 3 sicherlich der beste Bluray-Player am Markt sein wird. Zu den wesentlichen Merkmalen eines solchen Players zählt nämlich, dass er über Internetzugang und Festplatte verfügt. Bluray wird im Gegensatz zu HD-DVD wesentlich stärker auf Online-Content setzen und dieser muss bezogen und irgendwo gespeichert werden. Das einzige Feature, das die PS 3 nicht haben wird, spätere Player aber schon, ist die Bluray-Aufnahme-Funktion.

Verspätungen

Ein interessanter (wirtschaftlicher) Aspekt hinter den Überlegungen von Microsoft und Sony wird wenig öffentlich kommuniziert, ist in der Realität aber auch ein Grund für die Verspätung der PS3. In Japan besitzen 70 Prozent der KundInnen bereits hochauflösende Displays, in den USA zwischen 45 und 50 Prozent und in Europa sind es noch weniger als zehn Prozent. Die großen Vorzüge von Bluray und HD-DVD sind somit für viele AnwenderInnen gar nicht nutz- und bemerkbar. Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass Microsoft sein Laufwerk nur in die großen Märkte in Europa (England und Deutschland) ausliefert und beide Unternehmen ihren Fokus auf Japan und die USA legen.

Die Unterschiede

In der Anfangsphase von HD-DVD und Bluray werden viele AnwenderInnen die Unterschiede zwischen den beiden Systemen nicht sehen. Die Bildqualität wird nahezu ident sein, versichern Experten. Aus Sicht von Sony wird sich der Markt aber mehr und mehr in Richtung Bluray verschieben, da wesentlich höhere Auflösungen möglich sein werden, als bei HD-DVD. Dies spielt vor allem im Bereich Heimkino eine entscheidende Rolle.

Spielen

Wenn man nun wieder zurück an den Anfang geht und sich das Spielegeschäft ansieht, so lässt sich erkennen, dass einzig Nintendo das Videospielen ins Zentrum gerückt hat. Das Fehlen einer Abspielmöglichkeit von DVDs auf der Wii ist zwar für viele AnwenderInnen nicht wirklich nachvollziehbar, aht aber einen Grund: Nintendo interessiert das Geschäft nicht. Nintendo verkauft keine DVDs, keine Blurays, keine HD-DVD-Laufwerke und möchte sein Betriebssystem nicht als Basis anderer Entwicklungen sehen. Daher ist der Fokus ganz klar, auf das Kerngeschäft ausgelegt.

Fazit

Wer wird nun gewinnen? Welche Konsole ist die beste? Diese und ähnliche Fragen hat es in der letzten Zeit immer häufiger gegeben. Die Antworten darauf, sind wesentlich seltener zu finden. Ein gemeinsamer Nenner lässt sich erkennen: aufgrund des relative niedrigen Preises rechnen Insider damit, dass Nintendos Wii als Zweitkonsole ungeahnte Erfolge feiern könnte.

Sony und Microsoft - mittlerweile die erfolgreichsten Wegbereiter proprietärer Technologien - werden sich nach den KundInnenwünschen richten müssen. Wer diese besser erfüllt, wird sich durchsetzen. Selbst das größte Marketingbudget der Welt wird schlechte Spiele und inkompatible Technologien nicht erfolgreich werden lassen. Sony und Microsoft verlieren derzeit noch mit jeder Konsole Geld - Geld das wieder hereingebracht werden muss.

Aber hoffentlich erkennen die Verantwortlichen, dass nur eine breite Basis eine gute ist. Inkompatibilität, schlechte Benutzeroberflächen. Musik- und Videoformate, die sich untereinander nicht verstehen, das hat die letzten Jahre geprägt und niemand will es mehr - zumindest nicht auf KonsumentInnenseite. Die Unternehmen haben dies noch nicht ganz verstanden - anders wäre die Entwicklung HD-DVD und Bluray nicht zu erklären. Aber in absehbarer Zeit werden sich auch die Hersteller treffen und anwenderfreundliche Lösungen präsentieren müssen. Es ist Zeit die KundInnen in den Mittelpunkt zu stellen, um Erfolg zu haben.(grex)

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