Lernen heißt in China "Gänse stopfen"

5. Jänner 2007, 11:22
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In Chinas und des konfuzianischen Asiens Bildungssystemen steht laut Expertin "Abfüllen und Wiederholung" im Vordergrund, ein Prinzip, das sich in der Forschung niederschlägt

Wien - Viele asiatische Staaten sind in Sachen Produktion mittlerweile zur Weltmacht aufgestiegen. Dass diese Länder den alteingesessenen Industriestaaten auch bei Forschung und Entwicklung (F&E) kurzfristig den Rang ablaufen könnten, glaubt die deutsche Asien-Expertin und Buch-Autorin Hanne Seelmann-Holzmann nicht. "Etwa China hat ein völlig anderes Bildungssystem, 'lernen' heißt wörtlich übersetzt 'Gänse stopfen'", so Seelmann-Holzmann anlässlich des vom Programm "brainpower austria" Dienstag Abend in Wien organisierten Symposiums "Asien als Chance - Von der Globalisierung in F&E profitieren" im Gespräch mit der APA.

"Gänse stopfen" ist dabei für die Expertin ein passender Vergleich. In den Bildungssystemen Chinas und des konfuzianischen Asiens stehe Abfüllen und Wiederholung im Vordergrund, Innovation und Kreativität würden dadurch nicht gefördert, ganz im Gegenteil. Was chinesische Technologen allerdings mittlerweile perfekt beherrschten, sei das Nachmachen von bereits Vorhandenem.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Seelmann-Holzmann warnte in diesem Zusammenhang auch vor hemmungsloser wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit China. "Es gehört vorab geklärt, welche Interessen verfolgt werden, was die Beteiligten möchten und was die konkreten Ziele der Forschungen sind", ist die Asien-Expertin überzeugt. Seelmann-Holzmann hat eine eigene Consultant-Firma in Nürnberg und jüngst das Buch "Der Rote Drache ist kein Schmusetier" veröffentlicht.

Auch für die Soziologie-Professorin Mary Walshok von der University of California (San Diego, USA) ist der Aufstieg Asiens in puncto Forschung keine Bedrohung, sondern vielmehr eine Chance. Walshok sieht Internationalisierung in jeder Hinsicht als einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren für den wirtschaftlichen Aufstieg der Region um San Diego in den vergangenen Jahrzehnten. Noch mehr internationale Partner könnten daher nur positiv sein, so die Soziologin.

Einige Spitzen

Ingolf Schädler, Leiter des Bereichs Innovation im Infrastrukturministerium, sieht China bei F&E "in einigen Spitzen" gleichauf mit den USA oder Europa. Allerdings fehle die Breite und das werde wohl noch einige Zeit so bleiben. Dennoch dürfe man sich hierzulande nicht auf den Lorbeeren ausruhen. "China kooperiert teilweise intensiv mit den USA, Wissenschafter werden in die Vereinigten Staaten zur Ausbildung geschickt und gehen dann wieder zurück", so Schädler. China werde schneller eine Forschungsquote von drei Prozent - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) - aufweisen als Europa.

An der österreichischen Mobilitätsplattform "brainpower austria" nehmen bereits zu 18 Prozent in Asien ansässige Wissenschafter teil. Zum Vergleich, 33 Prozent kommen aus den USA, 47 Prozent aus Europa. "brainpower" ist eine Initiative des Infrastrukturministeriums und dient dem internationalen Austausch von Wissenschaftern. (APA)

  • Was chinesische Technologen mittlerweile perfekt beherrschen: Das Nachmachen von bereits Vorhandenem.
    foto: litzlbauer

    Was chinesische Technologen mittlerweile perfekt beherrschen: Das Nachmachen von bereits Vorhandenem.

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