Der Dritte Mann, nicht Disneyland: Platz ums Riesenrad wird neu

18. Juni 2007, 17:35
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Unter dem Motto "Wien um 1900" soll der Prater-Eingang bis zur EM im Retrolook erscheinen

Wien – Der im Frühsommer geschaffene "Wurstelplatz" inmitten des Praters weist schon jetzt den Weg, den der Prater in Zukunft gehen soll: Den in die Vergangenheit, genauer gesagt in die Zeit der Jahrhundertwende. Im Stil von "Alt-Wien", also Wien um 1900, soll bis zur Fußball-Europameisterschaft im Mai 2008 auch der Platz um das Riesenrad neu erstrahlen. Der Wurstelplatz vis-à-vis des Schweizerhauses, der mit der historischen Bäckerei und dem Nostalgie-Kasperltheater stark an Disneyland erinnert, soll schließlich als Exempel für den "Prater Neu" dienen. Im diesem Sinne, aber "aufwändiger", wird ab kommendem Frühjahr der Riesenrad-Platz umgestaltet, um zumindest einen Teil der jährlich rund 650.000 Prater-Besucher, die nur mit dem Riesenrad fahren, weiter in den Prater hinein zu ziehen.

Dazu werden auf rund 14.500 m² in mehreren Gebäuden Lokale, Shops, Serviceeinrichtungen und einzelne Attraktionen eingerichtet. Der bestehende Parkplatz an der Ausstellungsstraße wird verlegt, damit künftig mehr als 6000 m² Freifläche rund um das weltberühmte Rad zur Verfügung stehen.

Kleinteilig wie am Spittelberg

Entwürfe gebe es noch keine, erklärt eine Sprecherin der zuständigen Stadträtin Grete Laska (SP), klar sei aber, dass sowohl die Fassaden als auch die Innenausstattung "Wien-typisch" sein sollen und an "Wiener Charaktere" erinnern sollen. "Nicht Ringstraße, sondern eher kleinteilig, wie am Spittelberg. Nicht Disneyland, sondern Der Dritte Mann."

Refinanzierung durch Mieten

Die Hälfte der Kosten von 32,5 Millionen Euro finanziert die Stadt, die andere Hälfte soll durch Mieten refinanziert werden. Ein entsprechender Antrag wurde am Mittwoch im Gemeinderats-Ausschuss mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ beschlossen. Im Zuge dessen wurde der Praterverwalter "Stadt Wien Marketing und Prater Service GmbH" mit einem fünfjährigen Vertrag und einer Höherdotierung ausgestattet.

Die Praterverwaltung bekommt nun jährlich 2,4 Millionen Euro zuzüglich 800.000 Euro Benutzungsentgelte der Praterunternehmer. Die Grünen vermissen nach der jüngsten Kritik des Kontrollamts an der Praterplanung konkrete Auflagen und Richtlinien. (kri, DER STANDARD Printausgabe 30.11.2006)

  • Das Riesenrad im Wiener Prater im Jahr 1910.
    foto: ma13

    Das Riesenrad im Wiener Prater im Jahr 1910.

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