Eine Blumenspitze

8. Juli 2000, 16:10
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Unter den vielen Gipfeln rund um Damüls und Faschina im Bregenzerwald gilt das Damülser Horn, auch Glatthorn genannt, eher als Aschenbrödel.

Aber wie so oft erweisen sich die angeblich unscheinbaren Erhebungen als besonders lohnend; auch das Damülser Horn gehört dazu. Da ist einmal die prachtvolle Aussicht zu erwähnen, die u.a. Säntis, Rätikon mit Schesaplana, Silvretta und Allgäuer Alpen umfasst. Den mächtigen Zitterklapfen hat man direkt vor der Nase, und auch die Damülser Mittagspitze, die exakt im Norden des Ortes liegt und daher nie eine Mittagspitze für Damüls sein kann. Sie steht genau im Süden von Mellach. Die Attraktion des Damülser Horn jedoch ist die einmalige, üppige Pflanzenwelt.

Die steilen Hänge, die kaum jemals von eines Menschen Fuß betreten werden, überziehen sich im Sommer mit einem Blütenteppich, wie man ihn schöner sich kaum vorstellen kann. Neben Almrausch findet man den Gelben Enzian, Weißen Germer, Kohlröserl, Türkenbund und Milchlattich. Der Allermannsharnisch bildet ganze Dickichte, in denen sich die Murmeltiere tummeln. Man könnte mit dem Sessellift bis knapp unter den 1950 m hohen Schluchtsattel fahren und in etwa einer halben Stunde den höchsten Punkt des Berges erreichen, aber dann bringt man sich um das Vergnügen des Wanderns durch eine traumhafte Landschaft. Zudem sollte man den schmalen gratartigen Südost-Rücken im Aufstieg begehen, denn bergab kann es auf dem steilen, felsigen Steig Probleme geben. Für eine Tour auf diesen Berg braucht man Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, bei unsicherem Wetter, Nässe oder gar Schnee sollte man auf diese Bergwanderung verzichten. Vom hochgelegenen Faschina wandert man auf schlecht markiertem, aber nicht zu verfehlendem Weg zur Staffelalpe und dann auf einer Forststraße bis knapp unter die Franz-Josefs-Hütte.

Man wechselt auf die blau-rote Markierung, die in einem Bogen an den Fuß des Südost-Rückens führt. Steil und felsig – einige Passagen sind mit Seilen gesichert – geht es zum Gipfel. Gehzeit 2 1/2 Stunden. Nach der Gipfelrast steigt man nach Norden ab. Der rot markierte Weg ist anfangs steil; sobald man den Schluchtsattel erreicht hat, wird das Gelände flacher. Auf einem Höhenrücken wandert man zur Mittelstation des Sessellifts, dann wendet sich die Route in den Hang und man steigt in Serpentinen nach Faschina ab. Gehzeit ab Gipfel 2 Stunden. Die Bergstation des Sessellifts ist von der markierten Route leicht erreichbar, dann verkürzt sich der Abstieg auf eine halbe Stunde. Auch in der Mittelstation kann man zusteigen und erspart sich eine Dreiviertelstunde Abstieg. Von Bernd Orfer

Gesamtgehzeit 4 1/2 Stunden, Höhenunterschied 700 m, Franz-Josefs-Hütte als Stützpunkt, Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 112 (Bezau).

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