Die Werbebotschaft wird mobil

28. November 2006, 20:44
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Neue Ideen sollen das Mobiltelefon als "Wahrnehmungsorgan" der Zielgruppe doch noch zum Marketing-Star machen

Das Handy als Fernsehprogrammführer und als Fernsteuerung für die Programmierung von Videos. Das Handy als Medium, um Kunden zu binden, am besten mit selbst gedrehten Kurzfilmen. Neue Ideen sollen das Mobiltelefon als "Wahrnehmungsorgan" der Zielgruppe doch noch zum Marketing-Star machen.

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Ein Ritual, das seit traurigen New-Economy-Zeiten bekannt sein dürfte: Marktforscher liefern fette Prognosen für Jahreszahlen in sicherer Entfernung, die jeweilige Branche übt sich in Vorfreude. Auch Mobile Marketing wurde schon in vielen Studien eine rosige Zukunft mit großem globalen Umsatzvolumen vorhergesagt. Bisher aber blieb es beim optimistischen Blick.

Die Gründe: Zögerliche Firmen, skeptische Empfänger, viel zu wenige Erfolgsstorys - jetzt soll sich aber alles ändern. "Die Unternehmen erkennen, dass man Handyuser besser erreicht, wenn das neue Wahrnehmungsorgan der Zielgruppe mit klassischen Medien kombiniert wird", sagt Otto Petrovic, Vorstandsvorsitzender des Grazer Kompetenzzentrums Evolaris.

Dann avanciert ein Plakat, welches zum Beispiel den besuch einer Theatergruppe in der Stadt ankündigt, zur interaktiven Kommunikationsdrehscheibe. Mittels eines dort platzierten Codes lässt sich in wenigen Sekunden ein Zufahrtsplan zur Spielstätte herunterladen. Die Promotion für ihren Auftritt wird hingegen nicht mitgeliefert. Aus gutem Grund: "Das Mobiltelefon ist für Werbung ungeeignet. Eine SMS, dass die Badehosen nun dank einer Winteraktion 15 Prozent billiger sind als üblich, rangiert unter Spam. Der Empfänger kann nicht umblättern wie bei Anzeigen. Für Kundenbindung jedoch bietet dieses Medium sehr gute Chancen, sofern hier ein echter Nutzeneffekt generiert wird."

Wie etwa durch den elektronischen Programmführer am Handy, der bei Evolaris kurz vor der Fertigstellung steht. Er navigiert Fernsehfans nicht bloß durch ihr flimmerndes Hobby. Via mobilen Tastendruck hinter dem Büroschreibtisch kann der gestresste Manager zu Hause einen Thriller aufnehmen, den er wegen des Meetings zum dritten Mal versäumt.

Von solchen Annehmlichkeiten profitieren nicht nur Konsumenten, sondern auch die Kassen von TV-Sendern: Unternehmen und Agenturen investieren ihre Werbeeuros dort, wo wirklich gute Einschaltquoten warten.

Weitere Features wie Trailer oder Kommentare anderer Seher zu Highlights sollen in Zukunft die digitale Attraktivität noch weiter steigern.

Mobile Marketing als Turbo

Mobile Marketing könnte damit bald zum Turbo werden. Sofern einige Akteure ihre Dogmen über Bord werfen. Petrovic verweist auf Kräfte der Beharrung: Fernsehspots etwa gelten nicht nur als goldenes Kalb und zentrales Mittel für den Absatz von Waren, sie bilden ebenfalls eine Cash Cow für viele Kreativschmieden. Umdenken ist daher gefragt, bevor wirklich große Etats in Richtung innovativer mobiler Perspektiven verschoben werden.

Dann aber sollen neue elektronische Tools für Furore sorgen. Ein Zauberwort lautet Mobile Web 2.0: Wie im Internet verwandeln sich Konsumenten zu Produzenten und schaffen ihre eigenen Inhalte. Unter anderem für bespielbare Plakate, wo zum Beispiel der Autohersteller kurze, mit dem Handy gedrehte Videoclips stolzer Besitzer seines neuen Modells zeigt.

Oder wo Reiseveranstalter täglich andere Schnappschüsse aus den Ferien der touristischen Kundschaft präsentieren. Evolaris-Chef Petrovic gibt sich optimistisch: "Wenn sich solche Ideen durchsetzen, war alles, was bisher unter Mobile Marketing verkauft wurde, bloß ein Mailüfterl." (Christian Prenger/DER STANDARD, Printausgabe, 29. November 2006)

  • Eine Vision der Werbung der Zukunft war auch im Spielberg-Film "Minority Report" zu sehen: Die Zielgruppe rast bei interaktiven Großbildleinwänden vorbei.
    foto: der standard/20th century fox

    Eine Vision der Werbung der Zukunft war auch im Spielberg-Film "Minority Report" zu sehen: Die Zielgruppe rast bei interaktiven Großbildleinwänden vorbei.

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