Geiseldrama im Theater: "Nordost"

28. November 2006, 00:59
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Torsten Buchsteiner verarbeitet die Geiselnahme von Moskau zu drei Monologen, die auf der Probebühne am Grazer Schauspielhaus fesselnd erzählt werden

Der Titel eines Musicals, das Russland patriotisch verklärt, stand Pate für ein Stück des Hamburger Schauspielers und Autors Torsten Buchsteiner: Nordost. In eine Moskauer Aufführung jenes Musicals stürmten im Oktober 2002 tschetschenische Rebellen, um 850 Menschen als Geiseln zu nehmen und damit den Abzug der Russen aus Tschetschenien zu erzwingen.

Aus jenen 57 Stunden, die 170 Menschen nicht überlebten, baute Buchsteiner drei Monologe: Eine Russin (Frederike von Stechow), die beim Theaterbesuch zur Witwe wird, eine Tschetschenin (Sophie Hottinger), die als "schwarze Witwe" zu den Geiselnehmern gehört und eine ebenfalls verwitwete Ärztin (Martina Stilp), die zu Hilfe gerufen wird, ohne zu wissen, dass ihre Tochter unter den Geiseln ist, erzählen jeweils ihr Trauma.

Regisseur Gustav Rueb baute für die Probebühne des Grazer Schauspielhauses drei persönlich gestaltete, kleine Zimmer, durch die das Publikum sich an den Frauen vorbeidrängen muss, bevor es in den Zuschauerraum gelangt und den drei fesselnd erzählenden Schauspielerinnen auf einer leeren Bühne zuhört. (cms/ DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2006)

Grazer Schauspielhaus
wieder am 3. 12.
  • Artikelbild
    foto: schauspielhaus/peter manninger
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