Spitzenpreise für Wiens City-Immobilien

25. Jänner 2007, 12:39
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Betuchte zahlen bis zu 17.000 Euro/m2 für eine Citywohnung. Tendenz: Nach oben kennt der Preis kein Limit

Wien - Die Preise für Wiener Innenstadtimmobilien (Wohnungen und Geschäfte) haben sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, weil die Nachfrage von Privaten deutlich zunahm, sagte Georg Muzicant von Colliers Columbus im Gespräch mit dem Standard. Muzicants Prognose: Wenn die Zinsen weiter steigen, werden die Preise künftig etwas langsamer anziehen.

Das Platzen der oft zitierten Immobilienblase sieht Muzicant derzeit nicht. Aber: "Ich fürchte mich davor, dass es einen großen Player erwischt oder die nächste große Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro nicht voll platziert werden kann." Bei dem vielen Geld, dass derzeit im Markt sei, sei das aber auch nicht zu befürchten, so Muzicant.

Für Wohnungseigentum werden in der Innenstadt Preise von 5000 bis 17.000 Euro/m2 bezahlt. Bei den Höchstpreisen müsse aber alles perfekt sein, das Haus, die Terrasse, der Eingang, die Parkmöglichkeit, der Lift, berichtet Muzicant. Als vor fünf Jahren das Hotel Ambassador umgebaut wurde, kosteten die Wohnungen dort 6000 bis 7000 Euro/m2, wer heute dort einsteigt, muss 10.000 bis 11.000/m2 Euro hinlegen.

Ernst Karl Plech, Makler und Aufsichtsrat der Bundesimmobiliengesellschaft: "Vor fünf Jahren sind die Leute noch in Ohnmacht gefallen, als die Bundestheaterverwaltung beim Ausbau des Hauses in der Goethegasse 8000 Euro/m2 zahlte." Das Haus in der Riemergasse 4 (3400 m2) wurde von der BIG um 4,5 Mio. Euro zur Versteigerung ausgerufen. Verkauft wurde es um 11,2 Mio. Euro. Den Privaten, die heute kaufen, ist die Rendite egal, "weil der Wertzuwachs übersteigt ganz wesentlich die Ertragskomponente", sagte Plech. Institutionelle können da nicht mehr mit, weil sie die Preise intern nicht rechtfertigen können, erläuterte Muzicant.

Auf der Käuferseite finden sich neben Österreichern und Italienern auch russische Investoren, die über eine österreichische Stiftung zuschlagen. Die großen Hausbesitzer in Wiens City sind noch immer Versicherungen und Banken, die die Häuser im Deckungsstock haben. Mietwohnungen sind durch das Mietrechtsgesetz preislich limitiert und kosten zwischen acht bis zehn Euro/m2. Im ehemaligen Patentamt (Kohlmarkt 8 bis 10) vermietet der Industrielle Gerald Schweighofer die Wohnungen um 20 Euro/m2... Frei vermietbare Dachböden kosten 25 bis 30 Euro/m2. Verdoppelt haben sich laut Muzicant auch die Preise für Geschäftslokale im so genannten "goldenen U" (Kohlmarkt, Graben, Kärntner Straße). Am Kohlmarkt beträgt die durchschnittliche Miete 150 Euro/m2, im Erdgeschoß kann es auch dass Doppelte sein. Durch die starke Präsenz der Modeketten wurde die Gastro-Szene in die "billigeren" Seitengassen gedrängt.

Die Mode werde auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Innenstadtgeschäfte bleiben, glaubt Muzicant. Einen zusätzlichen Frequenz-Schub erwartet er sich vom neuen Peek & Cloppenburg in der Kärntner Straße. Der Industrielle hat den Gebäudekomplex um 62,5 Mio. Euro gekauft, exklusive der Preise für die Ausmietung der Altmieter. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.11.2006)

  • Gerald Schweighofer ersteigerte das ehemalige Patentamt am Wiener Kohlmarkt. Ins Erdgeschoß kamen Nobelboutiquen, am Dach werden exqusitie Wohnungen vermietet.
    foto: standard/matthias cremer

    Gerald Schweighofer ersteigerte das ehemalige Patentamt am Wiener Kohlmarkt. Ins Erdgeschoß kamen Nobelboutiquen, am Dach werden exqusitie Wohnungen vermietet.

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