"Süchtler" gegen "Pseudoparanoia"

26. Jänner 2007, 15:50
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"Kindersichere" Zigarettenautomaten kommen, aber keine Kontrolle in Lokalen: Kellner könnten das übernehmen

Nüchterne Argumente sind in der Diskussion ums Rauchverbot derzeit eher die Ausnahme. Auf derStandard.at befetzen einander täglich Gegner und Befürworter. Bis Jänner müssen alle Zigarettenautomaten "kindersicher" sein. Nur in Lokalen – ausgerechnet – nicht.

Wien – "Alter schützt vor Torheit nicht", "typisch Süchtler", "hasserfüllte Pseudoparanoia" – in der Diskussion um ein generelles Rauchverbot (in Lokalen) schenken Poster auf derStandard.at einander nichts. Jeder Artikel zum Thema hat jeweils tausende Zugriffe. Auffallend ist, dass vor allem Unterstützer eines Rauchverbots oft äußerst scharf argumentieren. In der emotional geführten Debatte scheint es wenig Platz für nüchterne Argumente zu geben. Die Frage, wie denn beispielsweise Jugendliche vom Rauchen abgehalten werden können, wird derzeit fast ausschließlich mit einer schärferen Überwachung der gesetzlichen Verbote beantwortet.

Als erste Maßnahme werden ab Jänner Zigarettenautomaten "kindersicher". Wie berichtet, müssen Kunden dann per Bankomatkarte oder Handy nachweisen, dass sie älter als 16 sind. Erst danach akzeptieren die Automaten das eingeworfene Geld oder den Zigarettenkauf per Quick-Konto. Rund 90 Prozent aller 6000 Automaten in Österreich seien bereits mit der neuen Sicherheitssperre ausgerüstet, berichtete das Bundesgremium der Tabaktrafikanten in der Wirtschaftskammer Österreich am Montag. Obmann Peter Trinkl sieht die Jugendschutz-Maßnahme als "Investition in die Zukunft". Einbußen befürchtet er vor allem in Fremdenverkehrsgebieten, da viele ausländische Touristen nicht über eine notwendige Bankomatkarte verfügen.

Kellner kontrollieren

Keine Umstellung gibt es ausgerechnet dort, wo möglicherweise ein generelles Rauchverbot ins Haus steht: in Gasthäusern und anderen Lokalen. Diese könnten laut Trinkl durch das Personal kontrolliert werden. "Praktisch jeder Erwachsene zwischen 18 und 80 hat eine Bankomatkarte", meint Europay-Geschäftsführer Ewald Judt. Bankomatkarten würden im Gegensatz zu anderen Karten nicht so leicht aus der Hand gegeben. Seit 2004 wird jede neu ausgestellte Karte mit einem eigenen "Jugendschutz-Kennzeichen" ausgestattet. Bei Jugendlichen unter 16 ist das Geburtsdatum vermerkt, auf den restlichen Karten finde sich die Kennung "berechtigt". Die Entriegelung per Handy funktioniert so: Auf jedem Automaten pickt ein Sticker mit einer Telefonnummer, an die eine SMS mit dem Wort "Bar" gesendet werden muss. (simo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.11. 2006)

  • Ab Jänner: Altersnachweis per Bankomatkarte am Zigarettenautomat.

    Ab Jänner: Altersnachweis per Bankomatkarte am Zigarettenautomat.

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