Geschwüre, Infektionen und Allergien

12. Juli 2007, 16:28
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Kontaktlinsen sind kein "lockeres Wellness­produkt" - Ärzte warnen vor falscher Linsenpflege und Billig­produkten aus dem Internet

Wien - Durch Versand-Kontaktlinsen drohen Infektionen und Blindheit. Diese Produkte verursachen zwei Drittel aller schweren Komplikationen, obwohl nur ein Fünftel der Träger die Waren Online oder über den Versandhandel bezieht, berichtete der Innsbrucker Augenspezialist Mathias Zirm.

Unkontrolliert auf empfindlicher Hornhaut

Das Problem sei, dass Leute unkontrolliert Kontaktlinsen tragen, die ihnen nicht passen, sagte Helga Azem, Vorsitzende der Bundesfachgruppe Augenheilkunde und Optometrie der Österreichischen Ärztekammer. "Man geht ja auch nicht und bestellt sich sein Gebiss 'One Size' im Internet." Viele lassen sich die Sehhilfe nur einmal anpassen und kaufen dann jahrelang aus dem Internet nach. Dabei sitzen die Linsen an der empfindlichsten Körperstelle - der Hornhaut - auf. Vor allem junge Menschen sehen darin immer mehr ein "lockeres Wellnessprodukt".

Falsche Pflegemittel und schlechter Sitz

Bei den Produkten handle es sich außerdem oft um billigere Erzeugnisse, die vom Hersteller aber mit Markenprodukten verglichen werden, meinte Azem. Der Hinweis "gleichwertig" bedeute allerdings nicht "gleich". Auch falsche Pflegemittel könnten die Gesundheit beeinträchtigen und zu Reizungen führen. Krümmung und Sitzverhalten der Linse verändern sich und das Tragen beginnt zu schmerzen.

Behinderte Sauerstoffaufnahme

Eine besondere Gefahr stellen laut Azem farbigen Kontaktlinsen ohne Dioptrien dar. Sie werden vor allem von jungen Menschen verwendet, die keine Sehprobleme haben und gar nicht über mögliche Schäden nachdenken, so die Ärztin. Die Jugendlichen wissen daher gar nicht wie man eine Linse einsetzt und pflegt. Probleme könne es vor allem durch Produkte mit echten Farbauflagen geben. Diese behindern die Sauerstoffaufnahme und verursachen verstärkt Infektionen.

Regelmäßige Kontrolle

Weiche Kontaktlinsen sollten grundsätzlich alle sechs Monate vom Optiker an das Auge angepasst werden, erklärte Azem. Bei harten Linsen steht mindestens ein Mal pro Jahr ein Besuch im Fachgeschäft auf dem Programm. Notwendig sei auch eine regelmäßige Kontrolle durch den Facharzt, der feststellt, ob sich das Auge verändert hat.

Tageslinsen wegwerfen

Bei weichen Produkten liege die Haltbarkeit je nach Herstellerangaben zwischen einem Tag und bis zu zwei Jahren. Tageslinsen seien nicht zur Pflege geeignet, und müssten nach dem einmaligen Gebrauch weggeworfen werden. Verwendet man sie aus Sparsamkeit mehrmals drohen Allergien und Infektionen. Das Material sei nicht für eine Reinigung geeignet, nehme Pflegestoffe in sich auf und gebe diese dann an das Auge ab.

Harte Linsen besser

Harte Linsen können bis zu zwei Jahre getragen werden. Vom medizinischen Standpunkt aus, seien harte Linsen eindeutig vorzuziehen, meinte Azem. Weichen Produkte saugen Tränenflüssigkeit und Pflegemittel "wie ein Schwamm" auf. Sie sitzen zudem fester auf der Hornhaut und können so die Versorgung des Auges mit Sauerstoff und Wasser verschlechtern.

Weiche Linsen - Gefahr der "Schmerzfreiheit"

Außerdem bestehe die Gefahr der "Schmerzfreiheit". Die straff sitzenden Linsen wirken wie ein Verband, Infektionen oder Geschwüren sind nicht spürbar. Harte Kontaktlinsen "schwimmen" im Auge, dies sorgt für eine ausreichende Sauerstoffversorgung. Bei Verletzungen verursachen die Produkte Schmerzen, die einen Besuch beim Arzt unumgänglich machen. (APA)

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    Kontaktlinsen mit Farbmotiven nie länger als acht Stunden im Auge lassen.

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