Russlands "Dienste" und ihre Geschichte

21. März 2007, 13:16
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Putin hat seine Sympathie für den Inlandsgeheimdienst nie verborgen: "Einmal Tschekist, immer Tschekist"

Die russischen Geheimdienste haben nach einer Krise in den 1990er-Jahren heute wieder einen hohen Stellenwert. Dass mit Wladimir Putin ein ehemaliger Chef (1998-1999) des Inlandsgeheimdienstes FSB zum Präsident geworden ist, machte eine Aufwertung der Staatssicherheitsstrukturen von Anfang an wahrscheinlich. Der Kremlchef hat seine Sympathie für die umstrittene Organisation auch nie verborgen: Gemäß der Doktrin, dass es keine "Ehemaligen" gebe, fasste er sein Credo in den Aphorismus: "Einmal Tschekist, immer Tschekist."

Die Problematik des Satzes liefert der Stammbaum der Organisation und die Tatsache, dass die Geschichte ihrer millionenfachen Verbrechen nie aufgearbeitet wurden: Der Vorgänger des FSB war der berüchtigte sowjetische KGB, dessen Mutter wiederum die Tscheka ist. Als "Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage" wurde sie am 20. Dezember 1917 von den Bolschewiken gegründet. Bis zum Fall der Sowjetunion zierte das Denkmal des Gründers Felix Dserschinski den Platz vor der Geheimdienstzentrale Lubjanka nahe dem Kreml. Über eine Wiederaufstellung wurde in den letzten Jahren wiederholt diskutiert.

An den Hebeln der Macht

Putin hat nicht nur massenhaft ehemalige Kollegen auf politische und wirtschaftliche Schaltstellen im Kreml gehievt, er hat dem FSB so gut wie die ganze Machtfülle des KGB zurückgegeben. Putins Vorgänger Boris Jelzin hatte die Macht des KGB durch Aufsplitterung in konkurrierende Einheiten zerschlagen. Heute ist der FSB wieder für Staatsschutz, Inlandsspionage und Grenzschutz zuständig - nur die Auslandsspionage bleibt ausgegliedert. Und gemeinsam mit dem Militär gehört er zu den Meistbegünstigten der Budgetpolitik und ist keiner wirksamen Kontrolle unterworfen. Der 1918 gegründete militärische Auslandsnachrichtendienst GRU gilt als geheimster Dienst. Er hat eine eigene Einsatztruppe, die so genannte Speznas. Kürzlich wurde die neue, 280 Millionen Euro teure GRU-Zentrale in Moskau eingeweiht. (Eduard Steiner, DER STANDARD, Printausgabe 27.11.2006)

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